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Die wichtigsten Unternehmen im Ruhrgebiet

von ‎27.12.2016 08:32 , bearbeitet ‎27.12.2016 08:34

Häufig wird das Ruhrgebiet als Unternehmensstandort übersehen. Dabei haben einige der umsatzstärksten Unternehmen hier ihren Sitz. Langsam erholen sich die Städte vom Erbe der Montanindustrie.

 

Das Ruhrgebiet zehrt von seiner Vergangenheit, leidet aber auch unter ihr. Bei Berichten über das Ruhrgebiet ist häufiger vom Armenhaus der Republik die Rede und von sozialen Brennpunkten. Ab und an bemühen sich einige, das kreative Potenzial des größten deutschen Ballungsraums hervorzuheben. Tatsächlich liegt die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte: Neben großen Industrieunternehmen prägen heute interessante Mittelständler sowie aufstrebende Technologieunternehmen die Region. Ein genauerer Blick lohnt sich.

 

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By Hans-Jürgen Wiese (Own work) GFDL, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

 

Mit Kohle zum größten Ballungsgebiet Europas

 

Aufgrund des Kohlevorkommens entwickelte sich das Ruhrgebiet Anfang des 19. Jahrhunderts zum größten Ballungsgebiet Europas. Im Zuge der Industrialisierung erfuhren die damals noch kleinen Dörfer im Ruhrgebiet ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum. Grund hierfür war das natürliche Steinkohlevorkommen in der Region, das für die Herstellung von Eisen, Stahl, Dampfmaschinen und Eisenbahnen verwendet wurde. In der Folge entwickelte sich eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Monostruktur, die ganz auf die Bedürfnisse der Montanindustrie abgestimmt war. Man beschränkte sich vollkommen auf die Kohleförderung und vor- und nachgelagerte Wirtschaftszweige. Doch die Kohlekrise im Jahr 1958 beendete diese Ära und die Region sah sich vor der Herausforderung einer wirtschaftlichen Neuausrichtung.

 

Das industrielle Erbe lebt in den großen Konzernen des Ruhrgebiets weiter

 

Die Zeit, in der die Menschen im Ruhrgebiet von der Industriearbeit lebten, ist weitgehend vorbei. Dennoch gibt es ein industrielles Erbe, das in der Ruhrwirtschaft auch heute noch lebendig ist. Wirft man einen Blick auf einige der größten Unternehmen des Ruhrgebiets, dann finden sich dort noch immer industrielle Schwergewichte wie ThyssenKrupp oder Evonik Industries. Viele der großen Unternehmen im Ruhrgebiet haben eine ähnliche Geschichte und entstammen der alten Montanindustrie sowie angrenzenden Branchen. Dieses industrielle Erbe bildet heute den Grundstock der größten Unternehmen zwischen Duisburg und Dortmund.

 

Der Energiesektor ist das Rückgrat der Ruhrwirtschaft

 

Von all den ehemaligen Stahlunternehmen ist ThyssenKrupp heute das einzig verbleibende im Ruhrgebiet. Mit über 150.000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von rund 42 Milliarden Euro im Jahr 2015 ist es gleichzeitig eines der insgesamt drei DAX-Unternehmen, die ihren Sitz im Ruhrgebiet haben. Inzwischen vereint ThyssenKrupp unter seiner Unternehmensmarke eine Vielzahl an Lösungen rund um Stahl. Viele weitere Firmen der Montanindustrie sind hingegen in der wichtigsten der Branchen an der Ruhr aufgegangen: der Energiewirtschaft.

Nachdem zunächst ThyssenKrupp seinen Hauptsitz aus Düsseldorf ins Ruhrgebiet verlagerte, zog 2016 auch E-on aus der Landeshauptstadt nach Essen. Damit haben nun drei DAX-Unternehmen ihren Sitz im Ruhrgebiet: RWE, E-on und ThyssenKrupp. Hinzu kommen weitere Konzerne der Energiebranche wie Steag, Trianel und Amprion. Allerdings liegt hier auch die Achillesferse der Ruhrwirtschaft, denn die Energiewende überschwemmt Deutschland zunehmend mit Solar- und Windkraftanlagen. Dies geht auch auf Kosten der ohnehin klammen Kommunen, von denen die meisten über ihre Stadtwerke an den großen Energieversorgern beteiligt sind. Zum einen ist das industrielle Erbe des Ruhrgebiets eine große Chance. Andererseits birgt der große Fokus auf die Energiebranche auch Risiken. So sind die Stadtkassen stark abhängig von politischen Entscheidungen im Energiesektor wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder von Entscheidungen auf EU-Ebene. Auch heute verwendet die Wirtschaftspolitik an der Ruhr deshalb große Anstrengungen auf die Bildung diversifizierter Branchencluster. Hier und da zeigt diese Politik bereits gute Erfolge.

 

 

Diversifizierung: Logistik, IT und weitere Hochtechnologie

 

Parallel zum Wandel der Montanunternehmen zu Industriekonzernen und Energieversorgern entstanden schon vor Jahren zahlreiche Firmen im Handel und in der Versicherungsbranche. Letztere ist traditionell in Dortmund ansässig, wo unter anderem die Signal Iduna, die Continentale, die Volkswohlbund Versicherung sowie zahlreiche gesetzliche und private Versicherungen ihren Hauptsitz oder Nebenstandorte haben. In der größten Stadt des Ruhrgebiets zeigt sich die Wirtschaft auch am weitesten diversifiziert: Logistik ist eine große Stütze, die mit Rhenus einen der größten deutschen Logistikdienstleister stellt. Schon in den 80er Jahren wappnete sich Dortmund für den Strukturwandel und errichtete neben der Technischen Universität das erste Technologiezentrum Deutschlands. Heute sitzen hier zahlreiche IT-Unternehmen sowie Firmen aus der Nano- und Medizintechnik. Auch der Marktführer für Pumpentechnologien WILO hat in Dortmund seine Hauptverwaltung und baut momentan eine moderne Produktionsstätte. So ist es kein Wunder, dass die Anzahl an Arbeitsplätzen für Akademiker in Dortmund seit Jahren wächst.

 

Handelsriesen aus dem Ruhrgebiet

 

Auch im Handel gibt es einige Schwergewichte zwischen Duisburg und Dortmund. Hier trumpft vor allem das westliche Ruhrgebiet mit Essen und Mülheim auf. In Mülheim an der Ruhr sitzen ALDI Süd und Tengelmann. ALDI Nord hat seinen Firmensitz in Essen, genauso wie Deichmann. Auch das weltweit tätige Bauunternehmen Hochtief zahlt seine Steuern in Essen. Insgesamt kann sich Essen also mit drei DAX-Unternehmen sowie mit insgesamt acht der 100 umsatzstärksten Konzerne Deutschlands brüsten – für eine wirtschaftlich gerne unterschätzte Region ist das beeindruckend.

 

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Tengelmann-Zentrale in Mühlheim a.d. Ruhr, Quelle: Unternehmen

 

Fazit:

 

Das Ruhrgebiet ist Heimat einiger Großkonzerne, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Darüber hinaus gibt es viele mittelgroße Unternehmen, die einen Blick wert sind.

Dies sind die größten Unternehmen im Ruhrgebiet (nach Umsatz 2015; in Milliarden Euro):

 

  • E-On: 116,218
  • RWE: 46,357
  • ALDI Süd: 45,5
  • thyssenkrupp: 42,778
  • ALDI Nord: 21,8
  • Hochtief: 21,096
  • Schenker: 14,943
  • Evonik: 13,507
  • Amprion: 11,241
  • Brenntag: 10,346
  • Tengelmann: 7,820.

 

Wie sehen Sie das Ruhrgebiet als Wirtschaftsstandort? Haben Sie schon persönliche Erfahrungen gesammelt oder leben und arbeiten Sie vielleicht sogar dort? Lassen Sie es uns gerne wissen.

 

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