Die größten Fusionen der Wirtschaft in der Übersicht

von ‎20.12.2016 13:34 , bearbeitet ‎20.12.2016 13:36

Große Fusionen waren vor der Finanzkrise alltäglich. Gerade scheint sich der Markt zu erholen. Wir nutzen die Zeit für einen Rückblick.

 

Bis zur Finanzkrise waren riesige Fusionen normal – aktuell scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Die Übernahmewelle in der Telekommunikationsbranche ab dem Jahr 2013 zeigte, dass die Zwangsruhe durch die Krise zu Ende gegangen ist. In der Ruhe vor dem Sturm nutzen wir die Zeit für einen Rückblick.

 

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Fusionen und die Finanzkrise

 

Vor der Finanzkrise gehörten große Übernahmen zum Alltag. Investoren trieben diese an, allerdings nahmen sie zu diesem Zweck hohe Kredite auf. Durch die Krise veränderte sich dann die Kreditvergabepraxis der Banken. Das Risiko ist ihnen nun oft zu hoch. Damit fehlt häufig das Kapital für große Fusionen. Heutzutage müssen Investoren bereits für Übernahmesummen von 100 oder 200 Millionen Euro in der Regel mehrere Banken finden. Höhere Summen sind nur schwer zu realisieren. Deshalb haben sich Fusionen deutlich verändert: Seit sich der Markt erholt hat, streben nicht mehr Investoren, sondern Unternehmen diese an. Sie realisieren das nötige Kapital aus Rücklagen oder der bestehenden Kreditlinie. Aktuell zeichnet sich eine weitere Großfusion ab: Der Telekommunikationsanbieter AT&T plant die Übernahme von Time Warner. Die Filme und Serien des Unterhaltungskonzerns sollen die Internetkunden von AT&T an das Unternehmen binden. Die Übernahmesumme wird auf 85 Milliarden Dollar geschätzt und kann damit mit den Mega-Deals vor der Krise mithalten. Zum Vergleich zeigen wir Ihnen die zehn größten Fusionen der Vergangenheit.

 

Royal Dutch Petrolium und Shell Transport & Trading

 

Im Jahr 2004 erfolgte eine Fusion der Erdölriesen: Die niederländische Royal Dutch Petrolium und die britische Shell Transport & Trading taten sich zusammen. 74,56 Milliarden US-Dollar betrug damals das Transaktionsvolumen. Die Elefantenhochzeit hat sich gelohnt. Seit dem Jahr 2005 verzeichnet das Unternehmen stabil wachsende Umsätze und solide Gewinne.

 

Glaxo Wellcome und SmithKline

 

Pünktlich zur Jahrtausendwende erfolgte die Fusion der britischen Pharmakonzerne Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham. Diese Fusion ließ den damals größten Pharmakonzern der Welt entstehen und setzte die Branche massiv unter Druck. Doch insbesondere verlorene Patentverfahren und Kritik zu durchgeführten Studien bremsten zu Anfang des Jahrtausends den weiteren Erfolg. Heute ist der Konzern das sechstgrößte Pharmaunternehmen der Welt.

 

Exxon und Mobil Oil

 

1998 fusionierten Exxon und Mobil Oil. Damit lösten sie Shell als bisher größten Erdölkonzern ab. Fast 79 Milliarden Dollar betrug die Transaktionssumme. Der Konzern behauptete sich gegen seine Mitbewerber, die Gewinne schwanken allerdings je nach Höhe des Ölpreises deutlich. Heute ist ExxonMobil der Weltmarktführer bei der Produktion von Polyolefinen, einem Rohstoff zur Herstellung von Folien und Schrumpfschläuchen.

 

Pfizer und Warner Lambert

 

Ein Jahr später übernahm der mit Viagra berühmt gewordene Pfizerkonzern den Konkurrenten Warner Lambert. Durch die Zusammenlegung entstand der zweitgrößte Pharmakonzern weltweit. Die Aktionäre wurden mit über 89 Milliarden Dollar gewonnen. Pfizer übernahm in den nächsten Jahren weitere Unternehmen und blieb bis zum Jahr 2012 weltgrößter Pharmakonzern. Mittlerweile belegt das Unternehmen Platz 2 hinter Novartis.

 

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Pfizer-Sitz in Freiburg. Quelle: Unternehmen 

 

RFS und ANB AMRO

 

Im Jahr 2007 wollte die RFS, eine Gruppe bestehend aus der Royal Bank of Scotland, Fortis und Santander, die niederländische Bank ANB AMRO unter sich aufteilen. Am Ende einigte sich die ANB AMRO auf eine einvernehmliche Übernahme durch Barclays. Der Kaufpreis soll bei rund 98 Milliarden Dollar gelegen haben. In der Folgezeit musste die Bank Tausende Stellen streichen und der niederländische Staat stützte das Unternehmen mit 2,6 Milliarden Euro. Mit der Finanzkrise gelangte die Bank zu 100 % in den Besitz des niederländischen Staates. Erst seit dem Jahr 2015 wird die Aktie nach 8 Jahren Pause wieder an der Amsterdamer Börse gehandelt.

 

Philip Morris und die Aktionäre

 

Ein Jahr später wurde der amerikanische Zigarettenhersteller aus dem Altria-Konzern ausgegliedert. Die Mehrheit am Konzern halten nun die Aktionäre – für ein Transaktionsvolumen von über 107 Milliarden Dollar. Heute ist der Konzern der führende Tabakhersteller in den USA und der zweitgrößte der Welt.

 

Anheuser Busch und SABMiller

 

Nur wenige Monate zurück liegt die Übernahme von SABMiller durch den weltweit führenden Bierkonzern Anheuser Busch. Die Fusion der beiden Großkonzerne sorgte für eine Transaktionssumme von über 109 Milliarden Dollar. Die Kartellrechtler gaben nur unter Auflagen grünes Licht für die Zusammenlegung. Von den rund 220.000 Mitarbeitern werden 5.500 im Rahmen der Fusion Ihre Arbeitsplätze verlieren.

 

Verizon Communications und Verizon Wireless

 

2013 verkaufte Vodafone seine Anteile an Verizon Wireless. Der Mega-Deal kostete Verizon Communications mehr als 130 Milliarden US-Dollar.

 

AOL und Time Warner

 

Im Jahr 2000 schlossen sich der Internetanbieter AOL und der Unterhaltungsgigant Time Warner zusammen. Die Ehe der beiden Giganten kostete über 164 Milliarden US-Dollar. Seit der Fusion ist der Börsenwert der Unternehmen stetig gefallen. Mittlerweile hat Time Warner AOL an Verizon abgegeben.

 

Mannesmann und Vodafone

 

Die bisher größte Fusion aller Zeiten fand im Jahr 1999 statt. Dem spektakulären Deal ging eine lange Fusionsschlacht voraus. Am Ende bekam Vodafone Mannesmann zu einem Preis von über 202 Milliarden Dollar. Nach der Fusion wurde der Mannesmann-Konzern zerschlagen und teilweise zu Spottpreisen an andere Unternehmen verkauft. So gingen die Röhrenwerke für einen Euro an Salzgitter. Vodafone interessierte sich ausschließlich für die Mobilfunksparte. Die Fusion hat in Deutschland, insbesondere im Ruhrgebiet, tausende Arbeitsplätze vernichtet.

 

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Vodafone Campus in Düsseldorf. Quelle: Unternehmen 

 

Fazit:

 

  • Große Fusionen gab es besonders zur Zeit der Aufbruchstimmung auf dem Telekommunikations- und Erdölmarkt.
  • Auch die Pharmabranche ist für große Fusionen bekannt.
  • Die Finanzkrise hat die Megadeals lange ausgebremst.
  • Mittlerweile sind wieder Übernahmen zu erwarten.

 

Wie stehen Sie den größten Fusionen der Wirtschaft gegenüber? Haben Sie eine Meinung dazu? Dann teilen Sie diese doch sehr gerne mit uns.