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Die Maker-Bewegung – Innovationen einfach selbst machen

Mehr als nur „Bastler“: Weltweite Maker-Spaces und -Messen zeigen, wie aus einem Trend eine ernstzunehmende Bewegung geworden ist.

 

Basteln, Selbermachen und der Wille die eigene Welt ein Stück besser zu machen ist nicht neu. Revolutionär ist aber die Schnelligkeit, mit der man heute eine Idee selbst in ein Produkt verwandeln kann. Neu ist auch, dass Heimwerker und "Technik-Nerds" nicht mehr im stillen Kämmerlein vor sich hin basteln: Neben dem regen Austausch im Internet, gibt es zahlreiche Maker-Messen und Maker-Spaces.

 

Die Gemeinsam-Macher

 

„Maker“ sind Technikenthusiasten, die sich in Gemeinschaftswerkstätten (Maker-Spaces) und auf speziellen Events (Maker-Faires) treffen. Es geht darum, neue hilfreiche Dinge zu entwickeln oder Vorhandenes zu verbessern – und oft sollen diese auch jedem Menschen zugänglich gemacht werden, Stichwort „open source“. Offen ist auch die Arbeitsweise: In einem Maker-Space – einer professionell ausgestatteten Werkstatt, in der man sich einmietet – brütet kaum jemand alleine vor sich hin, es gibt immer Gleichgesinnte, die einfach an Problemlösungen mitarbeiten.

 

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Die Do-it-yourself-Geschichte

 

Vorreiter der Makerbewegung war die Do-it-yourself-Bewegung der 1950er Jahre. Beginnend in Großbritannien, schwappte sie schnell herüber auf den europäischen und den amerikanischen Kontinent. Die Triebfeder der Do-it-yourself-Bewegung der 1960er und 1970er war der Glaube an die Selbstorganisation, Improvisation und Eigeninitiative.

 

Man misstraute den etablierten Autoritäten zunehmend und begann den passiven Konsum nach den Vorgaben der Massenmedien kritisch zu hinterfragen. Innerhalb der Bewegung entstanden schließlich selbstgedruckte Magazine (Zines), in denen Anleitungen aller Art veröffentlicht wurden. Ab den 1980er Jahren hielt der Do-it–yourself-Geist auch Einzug in den Mainstream, z.B. mit TV-Serien wie McGyver, dessen gleichnamiger Protagonist mit Kartoffel, Kleiderbügel und Schweizer Taschenmesser eine Atombombe entschärfen konnte.

 

Moderne Technik macht‘s möglich

 

In den letzten Jahren sind einige außergewöhnliche Produkte bzw. Projekte durch die Maker-Bewegung entstanden. Möglich gemacht haben das zum einen immer günstigere Maschinen und zum anderen das Internet, als Wissens- und Finanzierungsplattform.

 

Eine Gruppe von Makern, die beispielsweise während des Studiums eine Idee entwickelt hat, kann diese auch ohne Hochschulwerkstatt weiterführen. 3D-Drucker und -Scanner, Laser-Cutter, CAD-Software usw. können in einem Maker-Space ohne große Kosten genutzt werden. Sie können Ihre Baupläne mit anderen Makern auf der ganzen Welt teilen und so das eigene Produkt verbessern. Ist der Prototyp fertig sammelt man das Startkapital über eine Crowdfunding-Plattform im Internet.

 

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Von Upcycling bis Non-Profit

 

Gewinnbringendes Start-up oder Non-Profit-Projekt? In der Maker-Szene sind alle Philosophien vertreten und alle Konstellationen denkbar. Die Grenzen sind fließend – auch was die Art des Projektes angeht: Smartphone-Apps und Bausätze für Maschinen sind ebenso denkbar wie Elektrofahrzeuge und multinationale Charity-Projekte.

 

Hier stellen wir Ihnen sechs Beispiele für inspirierende und erfolgreiche Maker-Projekte vor:

 

Der Lasercutter als Bausatz: Inspiriert von 3D-Druckern auf der Maker-Messe „Make Munich 2013“, entwickelten zwei Softwareentwickler aus München einen Lasercutter-Bausatz mit Material aus dem Baumarkt, basierend auf Open Source Software. Verkaufspreis des „Mr Beam“ Lasercutters war 569 Euro. Finanziert wurde die Produktion durch eine Crowdfunding-Aktion im Internet.

 

Die Virtual-Reality-Brille aus Pappe: Das POINTAR Cardboard, des Startups DEXPERIO, ist ein Virtual-Reality-Headset, mit dem man als Smartphone-Besitzer Virtual- und Augmented-Reality Anwendungen preisgünstig erleben kann: Einfach eine spezielle Website aufrufen, das Smartphone in einen Schlitz der Papp-Brille stecken und schon kann man sich z.B. mit Kopfbewegungen durch einen Sternenhimmel navigieren.

 

Die schwimmende Insel aus Müll: Das Non-Profit-Projekt, der 2012 gegründete virtuelle Sealand Multiversity, nimmt sich dem Problem des steigenden Meeresspiegels an. Ziel ist es, den Menschen zu helfen, deren Lebensraum in den nächsten Jahre massiv bedroht ist.

 

Der Elektroantrieb für Longboards: Das Start-up „Mellow“ entwickelte ein revolutionäres Antriebssystem für Longboards (extralange Skateboards mit großen Rollen) und finanziert die Produktion via Vorbestellung durch eine Crowdfunding-Aktion im Internet. Verkaufsargument und Unterschied zu bisherigen E-Longboards: Die Antriebs-Hinterachse lässt sich an jedes Longboard schrauben und fast alle Komponenten werden in Deutschland produziert.

 

Der Stadtteilhonig aus München: Das Projekt aus München organisiert den gemeinsamen Vertrieb und das Marketing von Stadtimkern unter dem Namen „Honigpumpe“. Das Besondere: Jeder Stadtteil hat seinen eigenen charakteristischen Honig. Die Honigpumpe wurde durch Crowdfunding finanziert und 2014 auf der Messe „Make Munich“ vorgestellt. Ziel des Projektes ist es, kleine unabhängige Imkereien zu erhalten und auf die Probleme der Bienen mit der modernen Landwirtschaft hinzuweisen.

 

Der Elektro-Tausendsassa für Bastler: Arduino, das Open Source Board mit Mikrocontroller und Software ist sowohl ein Maker-Projekt als auch die Basis vieler Maker-Projekte. Seit 2006 können Anwender, mit Arduino, relativ einfach interaktive Objekte steuern, wie z.B. Gewächshäuser, Kunst-Installationen, einfache Roboter, LED-Lichtelemente und vieles mehr.

 

Industrielle Produktion auf den Kopf gestellt

 

Die Industrie hat die Maker-Bewegung ebenfalls als Impuls-Geber bzw. Innovations-Motor entdeckt. Lassen sich doch die sehr hohen Kosten interner Entwicklungsabteilungen deutlich reduzieren. BMW ist bereits strategischer Partner für den TechShop in Garching bei München. Die Hightech-Werkstatt ist öffentlich zugänglich und steht neben Gründern und Start-ups auch den Mitarbeitern der BMW-Group offen. So sollen früh Kontakte zu Innovatoren geknüpft werden. TechShop ist ein Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley, das derzeit acht Hightech-Werkstätten für die Maker-Community ausstattet und betreibt.

 

Maker - Innovationen selbst machen.jpg

 

Auch der Elektronikhändler Conrad hat das Innovationspotenzial der Maker-Bewegung längst erkannt. Schließlich sind „Bastler“ jeder Couleur schon lange eine wichtige Zielgruppe des Unternehmens aus Hirschau. Conrad Electronic SE setzt nicht mehr auf die wenigen Großlieferanten von Elektronik-Bauteilen alleine: Kleine vielversprechende Hardware-Start-ups haben bereits den Markt verändert.

 

In den Medien spricht man bereits von einer „neuen industriellen Revolution“. Doch ob und wie die Maker-Bewegung die Machtverhältnisse der globalen Wirtschaft verändert bleibt abzuwarten. Vor allem, weil das Open-Source-Prinzip der Maker eigentlich nicht mit dem Patent- und Lizenzschutz der Unternehmen kompatibel ist.

 

Haben Sie selbst auch bereits an einem Maker-Projekt mitgearbeitet? Wir freuen uns über Ihre Erfahrungen und Kommentare zu diesem Thema!

1 Kommentar

Häufiger Besucher

Damit diese Bewegung entsprechende Massentauglichkeit hat müssten die einzelnen Projekte skalieren.  Hierzu ist es - wie prinzipiell bei allen neuen Medien - notwendig, dass Content angeboten wird. Im 3D Druckbereich erfolgt dieses Futter durch die angebotenen Daten, z.B. bei http://www.thingiverse.com/. Alternativ kann gleich das gedruckte Endprodukt angeboten werden wie bei http://3d-solution-store.de/. Der direkte Consumer-3D-Druck erfährt derzeit sicherlich etwas zuviel Hype wie man an den Aktien von Stratasys oder 3dsystems sowie am Gardner-report sieht.