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Die EZB kündigt umfangreiches Anleihe Kaufprogramm an

Die Inflationsrate in der Eurozone befindet sich seit Februar 2013 unterhalb des geldpolitischen Ziels der EZB, einer Inflationsrate von unter aber nahe bei 2% pro Jahr.

 

Im Dezember 2014 sind die Preise in der Eurozone um 0,2% im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen. In den zurückliegenden Jahren haben die Zentralbanken in den USA, Großbritannien und Japan Anleihen und zum Teil auch andere Wertpapiere gekauft und ihre Bilanz ausgeweitet (eine Bilanzverlängerung einer Zentralbank bedeutet die Schaffung neuen Geldes).

 

Von Juli 2012 bis September 2014 sank die Bilanzsummer der EZB von 3,1 Bill. € auf 2,0 Bill. €. Vereinfacht gesagt verringerte sich das Geldangebot von Seiten der Zentralbank um mehr als ein Drittel.

 

Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank.jpg

 

Es ist also nicht verwunderlich, dass in der Zwischenzeit der Wechselkurs des Euros deutlich gestiegen ist. Die sinkende Geldmenge und der steigenden Euro wirkten dämpfend auf die Inflationsrate. Zusätzlich verringern die Sparmaßnahmen der Staaten und die Entschuldung der Unternehmen sowie der Privathaushalte den Preisauftrieb.

 

Diesen Trend versucht die EZB umzukehren. Mit den klassischen geldpolitischen Instrumenten hat die EZB dieses Ziel nicht erreicht. Deshalb setzt sie jetzt auf unkonventionelle Maßnahmen, die in den USA und Großbritannien gewirkt haben.

 

Am 22. Januar hat die EZB angekündigt, dass sie ein breitangelegtes Anleihekaufprogramm startet. Im Detail heißt das:

 

  • Ab März 2015 kauft die EZB monatlich Anleihen im Wert von 60 Mrd. €.
  • Neben den sogenannten Asset Backed Securities (ABS = Kreditportfolios, die zu Anleihen zusammengefasst werden) und Covered Bonds (die internationale Bezeichnung für Pfandbriefe) wird die EZB auch Staatsanleihen und Anleihen von regierungsnahen Agenturen, wie zum Beispiel der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder der deutschen KfW kaufen.
  • Alle Anleihen müssen ein Investment Grade Rating besitzen, also eine hohe Bonität aufweisen (aktuell haben Zypern, Griechenland, Portugal ein schlechteres Rating) und auf Euro lauten. Für Zypern und Griechenland gelten Ausnahmeregelungen. Dennoch können bis mindestens Juli 2015 keine griechischen Staatsanleihen von der EZB gekauft werden.
  • Der Anteil von Anleihen europäischer Institutionen, wie zum Beispiel der EIB, wird 12% des Kaufprogramms betragen.
  • Die Anleihekäufe erfolgen im gleichen Verhältnis wie der Kapitalschlüssel der EZB.
  • Allerdings werden Obergrenzen berücksichtigt. Die EZB kauft maximal 33% der ausstehenden Anleihen eines Emittenten und maximal einen Anteil von 25% des Volumens einer Anleihe.
  • Es werden Anleihen mit einer Laufzeit von zwei bis 30 Jahren gekauft.
  • Als vorläufiges Enddatum des Kaufprogramms wird der September 2016 genannt. Die Laufzeit kann verlängert werden bis, wenn sich die Inflationsrate nachhaltig dem Ziel der EZB von 2% nähert.

Anteil am EZB-Kapital.jpg

 

Folgen für die Kapitalmärkte

 

Der Start der Anleihekäufe wurde von nahezu allen Marktbeobachtern erwartet. Eine unmittelbare Wirkung auf die Konjunktur in der Eurozone werden sie nur in sehr geringem Umfang haben. Die Zinsen für Staatsanleihen in den sogenannten Peripherieländern waren bereits vor dem Start des Programms sehr niedrig. Dagegen müssen Unternehmen in diesen Ländern immer noch deutlich höhere Kreditzinsen bezahlen als ihre Wettbewerber in Deutschland oder Frankreich. Darauf haben die Anleihekäufe der EZB kaum Einfluss, vielmehr hängen die Zinsaufschläge mit der Eigenkapitalausstattung der Banken zusammen.

 

Die am stärksten ausgeprägte Folge der neuen Instrumente der EZB sollte ein weiter fallender Wechselkurs des Euros sein. Vor allem gegenüber dem US-Dollar und die an ihm gekoppelten Schwellenländerwährungen dürfte der Euro an Wert einbüßen. Davon profitieren vor allem Unternehmen mit einer hohen Wertschöpfung innerhalb der Eurozone und einem gleichzeitig hohen Exportanteil. Ähnlich wie in Japan könnten in Europa die Unternehmensgewinne steigen, da die Produkte z.B. in US-Dollar gerechnet deutlich billiger geworden sind.

 

Unseren positiven Ausblick für die Aktienmärkte der Eurozone sehen wir darin bestätigt. In deutlich geringerem Maß werden davon auch Anleihen von Unternehmen in der Eurozone profitieren. Die anhaltend niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten sorgen voraussichtlich für eine geringe Anzahl von Konkursen. Bei Investments außerhalb der Eurozone lohnt es sich für offensive Anleger auf eine Währungsabsicherung zu verzichten. Es besteht die Chance aus der Währungsaufwertung in den Zielländern, zum Beispiel den USA, einen Zusatzertrag zu erzielen.