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Die 5 größten Irrtümer über Ratenkredite

Über Ratenkredite kursieren viele Irrtümer und Mythen. Wir erklären, welche dies sind und warum die meisten von ihnen nicht stimmen.

 

„Wenn möglich, dann Finger weg vom Ratenkredit!“ Das ist ein häufig gehörter Ratschlag, den viele beherzigen. Dabei ist die Finanzierung von notwendigen Anschaffungen oder kleinen Wünschen durch einen Kredit keine große Sache – wenn man sich vorher mit den gängigen Mythen um Ratenkredite befasst. Wir bringen ein wenig Licht ins Dunkle, zeigen die größten Irrtümer rund um Ratenkredite und erklären, weshalb das so ist.

 

Irrtümer Ratenkredit.jpg

 

1. Lieber das Bankkonto überziehen als einen Ratenkredit aufnehmen

 

Ein Ratenkredit ist eine Verbindlichkeit, die mit vertraglich festgelegten Zahlungen beglichen wird. Im Gegensatz hierzu kann der Dispo beim Girokonto recht flexibel zurückgezahlt werden. Hieraus leiten viele einen weiteren Irrtum rund um Kredite ab: Lieber zuerst den Dispo belasten, bevor man einen Ratenkredit abschließt. Das stimmt nicht. Denn auch bei dauerhaft überzogenem Dispo wird die Bank natürlich irgendwann den Ausgleich des Kontos fordern. Hinzu kommt, dass die Zinsen auf Dispositionskredite deutlich über denen für Ratenkredite liegen - teils über 10%. Viele bevorzugen den Dispo dennoch, weil sie mit dem unterschriebenen Vertrag eine feste Bindung an das Kreditinstitut fürchten.

 

2. Ist der Kreditvertrag unterschrieben, gibt es kein Entkommen

 

„Ist der Vertrag für einen Ratenkredit einmal unterschrieben, gibt es kein Zurück mehr.“

Das ist so nicht richtig, denn Verbraucher haben eine vertraglich festgelegte Kündigungsfrist. Innerhalb von 14 Tagen nach Unterschrift können Kreditnehmer dadurch vom Vertrag zurücktreten. Dieses Widerrufsrecht hat jeder Kunde, unabhängig vom Kreditinstitut. Zusätzlich bieten viele Banken eine verlängerte Rücktrittsfrist an.

Ein weiterer Weg aus einem Ratenkredit ist die vorzeitige Rückzahlung. So erlauben einige Banken ihren Kunden, den Kredit mit außerplanmäßigen Raten abzulösen. Hier löst sich der Irrtum, ein Dispo sei flexibler als ein Ratenkredit, in Luft auf. Denn das vorzeitige Ablösen eines Kredits ist gar nicht so selten. Man nutzt es zum Beispiel, um einen teureren Kredit durch einen günstigeren Ratenkredit abzulösen und somit Zinsen zu sparen. Das lohnt sich dann, wenn ein länger laufender Kredit zu einem Zeitpunkt mit hohem Zinsniveau abgeschlossen wurde und die Zinsen während der Laufzeit deutlich sinken. Der einzige Nachteil an dieser Praxis sind die Kosten: In der Regel verlangen Banken eine Gebühr für das vorzeitige Begleichen einer Verbindlichkeit. Dennoch kann es sich lohnen, einen laufenden Dispositionskredit in einen Ratenkredit zu übertragen, da durch die deutlich niedrigeren Zinsen gespart werden kann.

 

3. Einen seriösen Ratenkredit gibt es nur bei meiner Hausbank

 

Nahezu jede Bank mit Privatkundengeschäft bietet ihren Kunden Ratenkredite. Irrtümlicherweise nehmen viele den Weg zur Hausbank, weil sie denken, es gebe nur dort gute Ratenkredite. Dabei sind die Konditionen bei Direktbanken in der Regel besser. Große Banken mit Filialnetz verlangen für ihre Kredite oft mehr als die Online-Konkurrenz. Der Grund dafür ist die Umlage der Kosten auf den Kunden – denn die Filialen bringen größere Fixkosten mit sich. Direktbanken können deshalb häufig einen niedrigeren Zinssatz anbieten als die Konkurrenz.

 

4. Schufa-Anfragen wirken sich auf meine Kreditwürdigkeit aus

 

Richtig ist, dass jede Kreditanfrage der Schufa mitgeteilt wird, sofern die kreditgebende Bank mit der Schufa zusammenarbeitet. Dies ist häufig, aber nicht immer der Fall. Ein Kunde, der verschiedene Angebote für Ratenkredite bei unterschiedlichen Banken einholt, hätte demnach einen deutlich schlechteren Schufa-Score als jemand, der das erstbeste Angebot wahrnimmt – und das, obwohl er noch gar keine Verbindlichkeit eingegangen ist. Deshalb verzichten viele Banken inzwischen auf eine Schufa-Abfrage, die sich langfristig auf den Schufa-Score auswirkt. Es gibt die sogenannte „Anfrage Kreditkonditionen“, die speziell hierfür geschaffen ist. Sie wird bereits nach zehn Tagen wieder gelöscht und wirkt sich dann nicht mehr auf die Bonität aus. Die Anfrage nach einem Ratenkredit ist also keineswegs schlecht für die Schufa.

 

Auch Kreditportale gelten als besonders günstige Alternativen zum Ratenkredit bei einer Bank. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, der sich auf das Marketing der Anbieter zurückführen lässt. Viele Online-Kreditportale werben mit einer unbürokratischen Kreditvergabe und mit Krediten für jeden, unabhängig von Sicherheiten. Wer sich auskennt, weiß allerdings: Hohes Risiko lässt man sich entsprechend entlohnen. Deshalb sind die Zinsen bei Kreditportalen häufig höher als bei Banken. Auch die Vergabekriterien sind oft nicht so unbürokratisch wie angepriesen: Denn kein Kreditgeber vergibt Kredite an Kunden mit zweifelhafter Solvenz. Auch dann nicht, wenn er explizit damit wirbt.

 

5. Einen Kredit nehmen nur Menschen mit chronischer Geldnot auf

 

Viele sehen in der Aufnahme eines Ratenkredits das sprichwörtliche Leben „auf Pump“. Dabei steht ein Darlehen in der Regel nicht im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, mit Geld umzugehen. Laut aktuellen Zahlen der Schufa liegt der Anteil derer, die ihre Raten pünktlich begleichen, bei 97,6 Prozent. Die Aufnahme eines Ratenkredits steht bei den Deutschen vielmehr im Zusammenhang mit dem kurzfristigen Erreichen gesteckter Ziele. Die Hauptnutzung von Ratenkrediten fällt zurück auf die Finanzierung eines PKW (58%), Möbel (17%), den Ausgleich anderer Kredite, aber auch auf die Finanzierung von Studium oder Ausbildung.  Rund 6% bzw. 7% der Ratenkredite werden zur Finanzierung von Urlauben oder Bekleidung aufgenommen (Quelle: GfK Konsum- und KFZ-Finanzierung). Ein Ratenkredit kann so dabei helfen, kleine und größere Wünsche kurzfristig zu realisieren.

 

Die Aufklärung der fünf Mythen zeigt: Viele Behauptungen über Ratenkredite stimmen nicht. Wer seinen Ratenkredit mit Bedacht auswählt und Ausschau nach guten Angeboten hält, kommt häufig günstiger davon.

 

Fazit:

 

  • Ratenkredite sind eine ganz übliche Form der Finanzierung, die unabhängig vom Finanzierungswunsch gewährt wird
  • Trotzdem kursieren viele Irrtümer über sie
  • In vielen Fällen sind sie trotzdem die günstigste Möglichkeit, sich Geld zu leihen

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ratenkrediten? Tauschen Sie sich gerne mit anderen Lesern zu dem Thema aus.

3 Kommentare

Aufsteiger

Einen Ratenkredit sollte man nur für Investitionen verwenden, z.B. für einen PKW, den man als Taxi nutzt. Für private Anschaffungen besser vorher sparen. Ausnahme: Hauskauf, da er in der Regel sonst erst möglich ist, wenn man das Gebäude eigentlich nicht mehr benötigt. Alle anderen Ratenkredite dienen lediglich der Profitmaximierung des Geldgebers.


Regelmäßiger Besucher
Im Punkt 4. vorletzter Satz muss es sicherlich "mit zweifelhafter Solvenz" anstatt "mit zweifelhafter Insolvenz" heißen.

Moderator

Hallo @nvs-bl,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Ich habe Ihren Hinweis an die verantwortliche Abteilung weitergeleitet.

Vielen Dank und viele Grüße

CB_Stephanie
Community-Moderatorin