Blog

Deutsche Discounter auf Erfolgskurs in den USA

von ‎07.06.2018 07:06 , bearbeitet ‎07.06.2018 07:07
2 Kommentare , 1 Like

Dem US-amerikanischen Lebensmittelmarkt stehen durch die Expansionspläne von Aldi und Lidl große Veränderungen bevor.

 

Aldi verfolgt extrem ehrgeizige Ziele in den USA – der Discounter hat es sich auf die Fahnen geschrieben, im amerikanischen Markt zum drittgrößten Anbieter von Lebensmitteln aufzusteigen. Als amerikanischer Aldi Chef gibt sich Jason Hart betont kämpferisch und optimistisch. So verkündete er unlängst, dass die deutsche Supermarktkette anstrebe, sich in absehbarer Zeit hinter den führenden Ketten Wal-Mart und Kroger als Nummer Drei zu positionieren. Um diese Vorgabe erreichen zu können, plant der deutsche Handelsriese, in den nächsten Jahren eine Summe von insgesamt fünf Milliarden US-Dollar zu investieren.

 

Discounter.jpg

 

Der Betrag soll vor allem dazu verwendet werden, rund 900 neue Geschäfte zu eröffnen. Wenn es gelingt, dieses ambitionierte Expansionsprojekt in die Tat umzusetzen, würde Aldi dann im Jahre 2022 die stolze Anzahl von 2.500 Filialen in den USA betreiben. Um die Kundenbindung zu stärken und neue Verbraucher zu gewinnen, ist gleichzeitig auch die Renovierung der bereits vorhandenen Verkaufsstellen geplant. Mit diesem Konzept will es Aldi in fünf Jahren auf eine beachtliche Gesamtzahl von 100 Millionen US-amerikanischen Kunden bringen. Damit würde es den Umfang seiner Kundschaft, die heute 40 Millionen Konsumenten umfasst, mehr als verdoppeln.

 

Aldi will es wissen – auch bei Trendprodukten

 

Experten schätzen diese Wachstumsstrategie als durchaus umsetzbar ein. Schließlich ist Aldi bereits seit dem Jahre 1976 in den USA aktiv. Schon heute unterhält der Lebensmittelhändler in 35 Bundesstaaten Geschäfte. Als besonders erfolgsversprechend erscheint der Plan, in Zukunft Lebensmittel und andere Erzeugnisse aus ökologischer Produktion anzubieten. Damit greift der Discounter den Trend zu Organic Food auf, der auch in den USA große Teile der Bevölkerung ergriffen hat, insbesondere in urbanen Gebieten und gebildeteren Schichten.

 

Lidl betritt Neuland und beginnt die Aufholjagd gegen Aldi

 

Lidl ist bereit, langfristig den Kampf mit Aldi um Marktanteile in den USA aufzunehmen. So gab der Discounter-Gigant kürzlich bekannt, die ersten neun Geschäfte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu eröffnen. Dabei setzt Lidl zunächst auf die amerikanischen Südstaaten, denn die Eröffnung der Geschäfte erfolgt ausschließlich in Virginia sowie South- und North Carolina. Der Sitz von Lidl USA befindet sich in Arlington, Virginia. Schon im nächsten Jahr möchte Lidl dann insgesamt einhundert Filialen in den Staaten eröffnen. Dabei hat der renommierte Discounter vor allem die amerikanische Ostküste im Visier. Dass der deutsche Markendiscounter durchaus das Zeug dazu hat, innerhalb von wenigen Jahren zu einem der Big Player des Lebensmitteleinzelhandels aufzusteigen, hat Lidl sowohl hierzulande als auch in anderen europäischen Ländern bereits auf eindrucksvolle Weise bewiesen. So ist es nur folgerichtig, dass sich der US-Chef von Lidl, Brendan Proctor, ungeduldig zeigt. Lidl USA kann es kaum abwarten, mit der Eröffnung der ersten Filialen den Grundstein für eine Erfolgsstory von vergleichbarem Umfang wie der große Konkurrent Aldi zu legen. Da Proctor zuvor in der gleichen Position die Geschäfte von Lidl in Irland und Österreich führte, ist davon auszugehen, dass er die erforderliche Erfahrung und Durchsetzungsstärke für dieses Vorhaben besitzt.

 

Frische und Nachhaltigkeit als Strategie

 

Genau wie Aldi möchte auch Lidl die amerikanischen Verbraucher mit hochwertigen und frischen Produkten verwöhnen, die sie zu einem außerordentlich günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis kaufen können. Wie in Deutschland sollen in den Geschäften hergestellte Backwaren sowie Obst und Gemüse aus nachhaltigem Anbau einen wichtigen Teil des Sortiments der Lidl Filialen bilden. Auch exklusiver Wein soll in vielfältiger Auswahl das Angebot in den Geschäften bereichern.

 

Beste Erfolgsaussichten

 

Die deutschen Discounter profitieren von hervorragenden Ausgangsvoraussetzungen für ihre Expansionspläne. Dies liegt vor allem darin begründet, dass Lebensmittel in den USA vergleichsweise hohe Preise haben. Verbraucher müssen im Durchschnitt wesentlich tiefer als hierzulande in die Tasche greifen, um sich und ihre Familien mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

 

Etablierte US-Ketten reagieren bereits

 

Allerdings ist davon auszugehen, dass Wal-Mart und Co. nicht tatenlos zusehen werden, wie die deutschen Lebensmitteleinzelhändler einen Großteil des US-amerikanischen Marktes erobern. Auch die Online-Konkurrenz, vor allem Amazon, die zunehmend das Geschäft mit Lebensmitteln für sich entdeckt, erschwert den konventionellen Supermärkten das Geschäft. Wal-Mart hat auf die von Aldi und Lidl veröffentlichten Pläne bereits reagiert, indem die Handelskette umfassende Preissenkungen bei vielen Produkten angekündigt hat. Allerdings halten die etablierten amerikanischen Lebensmittelhändler lediglich einen Trumpf in der Hand: Im Gegensatz zu den deutschen Discountern führen sie eine wesentlich größere Produktpalette auf gigantischen Ladenflächen. Es bleibt abzuwarten, wie wichtig dem US-amerikanischen Durchschnittsverbraucher dieses Angebotsmerkmal ist.

 

Fazit:

 

  • Aldi besitzt bereits eine jahrzehntelange Erfahrung auf dem US-amerikanischen Lebensmittelmarkt. Aus diesem Grund ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es dem Discounter gelingt, seine ehrgeizigen Pläne umzusetzen und tatsächlich zur drittgrößten Handelskette aufzusteigen
  • Auch Lidls Vorhaben, sich als bedeutende Lebensmittelkette in den USA zu etablieren, haben gute Aussichten auf Erfolg
  • Dagegen werden etablierte Lebensmittelhändler wie Wal-Mart vermutlich massive Einbrüche erleiden

 

Wie sehen Sie als Leser die langfristigen Erfolgsaussichten von Aldi und Lidl im US-Markt? Teilen Sie uns und anderen Lesern Ihre Meinung mit!

Kommentare
von NickNerm
am ‎10.06.2018 09:08

Die geschilderte Prognose klingt plausibel. Allerdings ist dem ständigen Wachstum irgendwann auch ein Ende gesetzt. Wie wäre es denn mal mit "Aldi kauft Lidl"?

von
vor 2 Wochen

Der Lebensmittelmarkt ist schon seit einigen Jahren heiß umkämpft. In allen Ländern der Welt haben die Discounter Einzug gehalten. In D haben die Discounter mit 44% den größten Anteil am Lebensmittelmarkt. Deshalb sind in D die Lebensmittelpreise weltweit die günstisten, wie Untersuchungen gezeigt haben und eigene Erfahrungen bestätigen.

In den USA sind die Lebensmittelpreise 50% höher als in D (Untersuchung 2016) . Das ist vor allem der Marktmacht von Walmart geschuldet. Dass Aldi und CO. auch in den USA Markt drängt, der 10mal so groß wie der deutsche ist , ist klar.

Noch sind  die Marktanteile von Aldi im US Markt bescheiden, Walmart ist 10x größer.

Walmart und auch der Lebensmittelriese Tesco aus UK haben mit schwindenden Umsätzen und Einnahmen die Gefahr erkannt und gegengesteuert.

Die größte Gefahr sieht der weltweite Markt aber in Amazon, die mit dem Kauf von Whole Foods  den Lebensmittelmarkt mächtig aufgewirbelt hat.

Auch in D ist Amazon fast in allen Branchen präsent.

Verbraucher freuen sich über Niedrigpreise, Händler leiden unter "unfairen" Handelsbedingungen.

,