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Der Markteinfluss von Google

Einst als Suchmaschine gegründet, ist Google zu einem der größten Internetunternehmen der Welt aufgestiegen. Der damit verbundene Einfluss ist immens. Was aber ist das Geheimnis von Google? Warum konnte sich das ursprünglich als “Backrub” bekannte Projekt zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt entwickeln? Einer der Gründe dafür ist die Investition in verschiedene innovativen Projekte und Technologien.

 

Mit einem Börsenwert von aktuell ca. 335 Milliarden US-Dollar steht das Unternehmen in der Internetbranche ganz weit oben und sichert sich mit zahlreichen Zukäufen vor der Konkurrenz ab. Damit das so weitergehen kann, ist die Kriegskasse gut gefüllt: Es gibt aktuell ca. 60 Milliarden US-Dollar Reserven für weitere Übernahmen.

 

Unternehmen Google.jpg

Google Außenansicht in Mountain View

 

Für Risikoinvestitionen gibt es mit Googles Ventures eine eigene Tochter, über die im letzten Jahr 1,6 Milliarden Dollar in 282 verschiedene Start-ups flossen:

  • 36% davon gingen in die Sparte Gesundheit und Naturwissenschaften
  • 27% in den Bereich Mobile
  • 24% in Unternehmen & Data
  • 8% der Gelder nutzte der Konzern für den Bereich Consumer
  • 5% für den Handel

Allein durch die Vormachtstellung im Bereich der Internetrecherchen – Google wickelt ca. 90 Prozent aller Suchanfragen ab, d. h. aktuell vier Milliarden täglich – entscheidet der Konzern durch die Festlegung der Algorithmen, die zu bestimmten Suchergebnissen und deren Ranking führen, darüber, was Internetnutzer wahrnehmen. Wenngleich es aktuell eine Netzneutralität gibt, so stellt diese Abhängigkeit ein wirtschaftspolitisch brisantes Thema dar: Die EU-Kommission wirft Google unfairen Wettbewerb vor und wird deshalb mit einer formellen Beschwerde gegen den US-Suchmaschinengiganten Google vorgehen. In letzter Konsequenz drohen Google ein Bußgeld von aktuell bis zu 6,6 Milliarden Euro sowie Auflagen für sein Geschäftsmodell in Europa.

 

Auch die Steuerpolitik und die niedrigen Datenschutzrichtlinien stehen immer wieder in der Kritik: Google sieht alles, Google weiß alles. E-Mails werden durchforstet, Standortprofile über das Mobiltelefon erstellt, Präferenzen anhand persönlicher Suchanfragen ermittelt. Der gläserne Mensch wird durch Google zur Realität, und auch die Wirtschaft sieht sich bedroht: Google kauft Roboterfirmen, steigt über den Thermostathersteller Nest für 3,2 Milliarden Dollar in den Markt der Smart-Home-Technologien ein und verkündete jüngst die Bereitstellung von 150 selbstfahrenden Autos in Kalifornien.

 

Google Markteinfluss.jpg


Dr. Eric Schmidt, Larry Page und Sergey Bin in einem selbstfahrenden Auto

Im Jahr 2013 investierte der Konzern 250 Millionen Dollar in den nach wie vor umstrittenen Taxidienst Uber. Google ist Hersteller des Android-Betriebssystems, das auf 80 Prozent aller neuen Smartphones installiert ist, Marktführer bei Browsern (Chrome), E-Mail-Diensten (Gmail) sowie im Bereich von Online-Videos (YouTube). Im Sommer 2014 erfolgte eine Investition in den Rengulus-Solarpark, womit das Engagement im Bereich erneuerbarer Energien inzwischen auf über einer Milliarde Dollar angestiegen ist. Google Shopping Express tritt in den Konkurrenzkampf zu Amazon und ein neues Tiefseekabel, an dessen Finanzierung Google ebenfalls beteiligt ist, soll die Kommunikation mit Japan weiter verbessern.


In 2014 hat Google außerdem 542 Millionen Dollar in Magic Leap – eine kleine Firma mit Sitz in Florida – investiert, die an der Entwicklung von Lichtfeld-Displays, einer Augmented Reality, arbeitet und dank Google inzwischen mit einem Börsenwert von ca. zwei Milliarden Dollar in Konkurrenz zu Facebooks Zukauf Oculus VR steht.

 

Fazit


Nicht jede Investition des Konzerns ist erfolgversprechend. Wie an der Datenbrille Google Glass deutlich wurde, bedarf es nicht nur hoher Investitionen und einer innovativen Idee, sondern das Vorhaben muss auch auf gesellschaftliche Akzeptanz stoßen. Träger der Google Glass wurden selbst im sonst technikaffinen Silicon Valley häufig als „Glassholes“ bezeichnet.

 

Aber auch die Entwicklung des EU-Klageverfahrens gegen Google wird das Unternehmen zukünfig beeinflussen. Denn das Verfahren könnte Experten zufolge der Auftakt einer jahrelangen Justizschlacht werden, die dem Konzern ein Bußgeld in Höhe von rund sechs Milliarden Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro) bescheren könnte. Dies entspräche zehn Prozent seines Jahresumsatzes. Google wäre dann zudem gezwungen, sein Suchmaschinensystem in Europa radikal umzubauen.

Die Tendenz scheint jedoch auch für die nächsten Jahre positiv zu sein, das Unternehmen ist auf Wachstumskurs. Kurzfristige Schwankungen sollten Investoren nicht beunruhigen, der Konzern plant langfristig und steckt einen großen Teil der Unternehmensgewinne in die Forschung und Entwicklung sowie in neue Investitionen.


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Wie empfinden Sie den Einfluss von Google? Sehen Sie die aktuelle EU-Klage als gerechtfertigt? Würden Sie trotz des Verfahrens aktuell in Google investieren?
Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!