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Den Finanzbedarf im Alter rechtzeitig ermitteln

von ‎20.09.2016 10:52 , bearbeitet ‎22.09.2016 13:14
5 Kommentare

Der Finanzbedarf im Alter wird häufig zu niedrig angesetzt. Dabei ist es nicht so schwer, die finanziellen Bedürfnisse im Alter abzuschätzen. Mit den richtigen Überlegungen und ein wenig Zeit können Sie berechnen, wie viel Geld Sie später monatlich benötigen. Je genauer Sie Ihre späteren Bedürfnisse einschätzen, desto passender können Sie Ihre Vorsorge planen. Die jährlich von der Deutschen Rentenversicherung verschickte Renteninformation über die voraussichtliche Rentenhöhe gibt einen Anstoß, um den eigenen Finanzbedarf im Alter zu ermitteln.

 

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Faustformeln sind wenig geeignet

 

Häufig schätzen Finanzexperten den finanziellen Bedarf im Rentenalter lediglich grob ab. Allgemeine Angaben, dass Verbraucher mit dem Renteneintritt 30 % weniger finanzielle Mittel benötigen, sind nur bedingt geeignet, um die eigene Vorsorge zu planen. Schließlich ist der Finanzbedarf im Alter individuell sehr verschieden. Andere Berater stellen das heutige Einkommen und die zu erwartende Rente gegenüber und ermitteln auf diesem Weg die „Versorgungslücke“. Auch das ist häufig nicht zielführend. Sinnvoll ist eine individuelle Betrachtung der im Rentenalter anfallenden Ausgaben.

 

Den Finanzbedarf im Alter individuell berechnen

 

Ohne geeignete Vorsorge bedeutet der Eintritt in das Rentenalter für viele Menschen weniger Geld bei gleichzeitig viel mehr Freizeit. Die wegfallenden Ausgaben nehmen die meisten Menschen sehr deutlich wahr. Welche Ausgaben durch einen aktiven und abwechslungsreichen Ruhestand auf sie zukommen, wird aber häufig übersehen. Vernünftig ist es, das heutige Einkommen zugrunde zu legen. Wer ein Haushaltsbuch führt, hat es dabei besonders leicht. Sie sollten nun berechnen, welche Ausgaben im Alter wegfallen und welche neu hinzukommen. Eine Beispielrechnung kann so aussehen:

 

Kosten, die im Alter nicht mehr anfallen:

 

  • Fahrkosten zur Arbeitsstelle
  • Unterhalt und Ausbildungskosten für die Kinder
  • Kleidung für den Beruf und Arbeitsmittel
  • Beiträge zur privaten Altersvorsorge
  • Kosten für Fort- und Weiterbildung

 

Eine häufige Annahme besteht darin, dass Bewohner einer Mietwohnung durch den Umzug in eine kleinere Wohnung sparen werden. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich der Umzug in eine kleinere Wohnung häufig kaum lohnt. Die Konditionen der Altmietverträge sind in der Regel so günstig, dass eine kleinere Wohnung eine ebenso hohe Grundmiete aufweist. Lediglich bei den Nebenkosten liegt Sparpotenzial. Häufig passen die Möbel nicht in kleinere Räume und eine neue Einbauküche wird fällig. Der Umzug in eine kleinere, seniorengerechte Wohnung kann sich dennoch lohnen – allerdings nicht aus finanziellen Gründen. Auch geringere Kosten für Nahrungsmittel sind unwahrscheinlich. Bleibt viel Zeit zum Kochen und Genießen, greifen Kunden bevorzugt auf hochwertige Lebensmittel zurück und auch Restaurantbesuche werden oftmals häufiger.

 

Die zusätzlichen Kosten nicht unterschätzen

 

Im Alter bleibt Zeit, das Leben zu genießen und viele Träume endlich zu verwirklichen. Daher kommen auf Neurentner unter Umständen viele neue Kosten zu, mit denen sie nicht gerechnet haben. Wird die Gesundheit zum Problem, steigt der finanzielle Aufwand in diesem Bereich. Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt die Wünsche für das Rentenalter. Die fünf wichtigsten Wünsche der Deutschen für den Lebensabend sind: Bücher, Zeitungen und Zeitschriften (80 %), Restaurantbesuche mit Freunden (78 %), ein eigener PKW (71 %), Reisen (70 %) sowie Theater, Kino und Konzerte (61 %).

 

Kosten, die im Alter zusätzlich/weiterhin anfallen:

 

  • Auto
  • Sanierungskosten für die Immobilie
  • Ausflüge, Reisen
  • Kurse, wie Tanz-, Sprach- oder Malkurse
  • Theater- und Konzertbesuche
  • Restaurantbesuche
  • Aufwendungen für die Gesundheit
  • Kosten für Hilfe in Haus und Garten
  • Kosten für die Pflege
  • Kosten für das Seniorenheim
  • Zuwendungen für die Enkelkinder

 

Anhand dieser Beispielrechnung lässt sich einschätzen, wie viel Nettoeinkommen im Alter monatlich erforderlich ist, um den gewünschten Lebensstandard zu halten. Da zukünftige Rentner einen immer größeren Anteil der Einnahmen zu versteuern haben, müssen die Bruttobezüge entsprechend höher liegen.

 

vorsorgen_Alter.jpg

 

Inflation nicht vergessen

 

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor für den tatsächlichen Finanzbedarf im Alter ist die Inflation. Unter der Annahme, dass die Inflation in den kommenden 20 Jahren bei 2 % im Jahr liegt, benötigen Sie in 20 Jahren 1.485,95 Euro, um die heutige Kaufkraft von 1.000 Euro zu erhalten. Dieser Punkt bleibt häufig unberücksichtigt. Doch je weiter in der Zukunft der Renteneintritt liegt, desto größer sind die Auswirkungen der Preissteigerungen.

 

Fazit:

 

  • Die Mehrzahl der Deutschen unterschätzt den Finanzbedarf im Alter.
  • Es ist sinnvoll, das im Rentenalter nötige Nettoeinkommen möglichst genau abzuschätzen
  • Anhand der wegfallenden und neu hinzukommenden Ausgaben lässt sich der Finanzbedarf als Rentner genau berechnen.
  • Bei der Berechnung darf die Inflation nicht vergessen werden.
  • Die Kenntnis der späteren Ausgaben erleichtert die Planung der Vorsorge.

 

Haben Sie sich bereits Gedanken über Ihren persönlichen Finanzbedarf im Alter gemacht oder verschieben Sie solche Gedanken lieber auf später? Diskutieren Sie mit und verraten Sie, wie Sie Ihren Ruhestand finanzieren möchten.

Kommentare
von
am ‎29.11.2016 19:19

Kosten, die im Alter nicht mehr anfallen: Beiträge zur privaten Altersvorsorge

Von welchem Alter spricht man hier, 60 70 80  ich finde man kann auch mit 70 noch z.B. in Aktienfonds für die Altersvorsorge investieren. Wann soll man mit dem Sparen aufhören, ab bestimmten Beträgen, ab einem Alter von ...  Hab ich was falsch verstanden

von
am ‎30.11.2016 14:58

Es geht doch darum, den Lebensstandard zu halten, wenn das reguläre Einkommen bei Renteneintritt wegfällt.

Natürlich kann man weiterhin sparen (für seine Erben?). Allerdings sollte die private Altersvorsorge bei Renteneintritt abgeschlossen sein. Oder mit welchem Einkommen wollen Sie im Rentenalter privat vorsorgen?

 

von
am ‎02.12.2016 15:31

Im Rentenalter gilt es nur noch den persönlichen Bedarf auf monatlicher Basis abzusichern und einen Puffer zu haben, um eventuelle Neuanschaffungen bezüglich Auto, Haus und Arztkosten zu haben. Aber alles läßt sich eh nicht kalkulieren und absichern.

von
am ‎08.12.2016 08:45

Hallo @Gubu,

 

vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Blog-Artikel. Mit dem Eintritt in das Rentenalter (in der Regel 65 Jahre oder etwas eher) fallen bei vielen Arbeitnehmern die Kosten für die private Altersvorsorge weg. Die Ersparnisse für den Ruhestand werden nun genutzt und ein weiteres Einzahlen in private Vorsorgemaßnahmen ist nicht mehr zwingend notwendig.

 

Selbstverständlich ist das Sparen aber auch im Alter noch möglich. Verbraucher legen dann beispielsweise Geld für die Kinder oder Enkelkinder zur Seite. Da es sich hier jedoch in der Regel nicht um einen monatlichen Festbetrag handelt, sind dies Kosten, die im Alter nicht mehr für jeden anfallen. Kunden entscheiden dann eher frei, ob sie im jeweiligen Monat einen Betrag auf ein privates Sparkonto einzahlen möchten oder nicht. Auch die Investition in Aktienfonds ist für Sparer in höherem Alter weiterhin attraktiv.

 

Ich hoffe, das klärt den Sachverhalt insoweit für Sie!

 

Beste Grüße aus Nürnberg

Ihr Consorsbank Online Team

von
am ‎09.12.2016 14:12

Ich würde als Ziel für die Planung sogar noch etwas weiter gehen.

 

Ausgehend von den aktuellen Ausgaben, würde ich zusätzlich mit einer jährlichen Steigerung der Ausgaben von mindestens 1% (ohne Inflation) ausgehen. Letzendlich will man doch eigentlich sein Lebensstandard permanent verbessern. Somit hat man auf lange Sicht auch höhere Ausgaben. Die entfallenden Kosten durch das Austreten aus dem Arbeitsalltag sehe ich eher als nebensächlich an, da wie auch geschrieben zusätzliche Kosten entstehen können, die man aktuell nicht vorhersehen kann.

 

Die Inflation muss man selbstverständlich zusätzlich berücksichtigen.

 

Sparen für die Altersvorsorge im Ruhestand

sollte man in seine Planung nicht einkalkulieren. Wer finanziell und geistig dann noch zum Sparen in der Lage ist kann sich dann gern noch um seinen Vermögenserhalt oder seine Vermögensmehrung kümmern. Die Vorsorge muss dann abgeschlossen sein.

 

Von welchem Alter ich ausgehe?

Ganz einfach. Für die Planung mit dem gesetzlichen Rentenalter. Ich glaube niemand wird sich beschweren, wenn er es sich leisten kann ohne Verluste früher in Rente gehen zu können. Andersherum wäre es viel schlimmer.

 

Das heisst nicht,

dass man das Ergebnis der Planung auf Biegen und Brechen erreichen muss. Es sollte ein Ziel sein, dass man erreichen will.