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Das Leben ist teuer: Der schnelle Weg zum Ausgaben-Millionär

Als Otto Normalverbraucher im Leben mehr als eine Million Euro ausgeben? Ein Kinderspiel!

 

Das Leben kostet!

 

Sind Sie bereit, mit uns gemeinsam den Bleistift zu spitzen und zu ermitteln, was Sie in Ihrem Leben so ungefähr ausgeben? Eine nicht ganz leichte Aufgabe – so viel steht schon einmal fest. Erschaffen wir uns für unser gedankliches Konstrukt also einen Probanden, um die Zahlen richtig tanzen zu lassen. Nennen wir unseren Probanden einfach Thorsten.

 

Thorstens Lebensdaten

 

Nehmen wir an, Thorsten ist bereits 40 Jahre alt und lebt in Berlin. Laut dem Statistischen Bundesamt hat er in diesem Alter, bei diesem Wohnort und als Mann noch eine restliche Lebenserwartung von 38,72 Jahren. Er wäre dann also fast 79 Jahre alt. Legen wir frei fest, dass er sein Leben erst seit seinem 18. Geburtstag selbst finanziert. Zuvor sind Thorstens Eltern für die Ausgaben aufgekommen. Bleiben leicht aufgerundet noch immerhin 61 Jahre, in denen unser Proband alleine über die Runden kommen muss.

 

Das Leben ist teuer.jpg

 

Keine Wissenschaft – aber ein lohnenswertes Gedankenspiel!

 

Alle ambitionierten Statistiker müssen jetzt ganz stark sein: In diesem Artikel soll der Spaß, nicht die Wissenschaft im Vordergrund stehen. Vereinfachungen und Pauschalisierungen sind notwendig: In unserer Rechnung gibt es keine Inflation oder anderen Faktoren, die zukünftig Preise verändern, Thorsten ist nicht immer durchschnittlich und es lassen sich nicht alle denkbaren Posten berücksichtigen.

 

Häufig werden wir die Statistik „Laufende Wirtschaftsrechnungen – Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte“ (LWR) des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2012 nutzen, um Basiszahlen zu gewinnen. Wir mischen aber auch andere Studien und Orientierungswerte bei. So wird deutlich, dass sehr viele unterschiedliche Zahlen existieren, die unser Leben beschreiben möchten.

 

1. Wohnen

 

Wohnen muss jeder – auch Thorsten. Wie hoch die Wohnkosten ausfallen, ist von zahlreichen Aspekten abhängig, unter anderem von der Entscheidung für Miete oder Eigentum, von der Art der Wohnung oder des Hauses, von Wohnfläche, Region etc. Unser Thorsten ist, wie Sie noch merken werden, ein recht bescheidener Mann.

 

Unterstellen wir, er lebt sein ganzes Leben lang zur Miete, wobei in Hinblick auf die Wohnkosten im späteren Lebensabschnitt ein entscheidender Umzug stattfindet. Bis zu seinem 40. Lebensjahr lebt er in einer relativ kleinen Single-Wohnung, später dann in einer großzügigeren Wohnung, die er gemeinsam mit seiner Frau bezieht.

 

  • Laut der LWR des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2012 lagen die Ausgaben für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung bei allein lebenden Männern im Durchschnitt bei 582 Euro pro Monat. Bei einem Paar ohne Kinder fielen monatlich durchschnittlich 906 Euro an.

Wenn wir der Einfachheit halber diese Kosten für das gesamte Leben von Thorsten ansetzen, dann ergibt sich folgendes Bild: Zwischen dem 18. und 40. Lebensjahr hat Thorsten als Single für den Komplex Wohnen 153.648 Euro ausgegeben.

 

Berücksichtigen wir bei der großen Wohnung, die Thorsten mit seiner Frau rund 39 Jahre bis zu seinem Tod nutzt, dass sich seine Partnerin zur Hälfte an den Kosten beteiligt, ergeben sich für diese Wohnung Gesamtkosten von 212.004 Euro. Summa summarum kommen auf diesem Wege für Thorsten 365.652 Euro zusammen. Dabei sind Mieterhöhungen, Umzugskosten, Inflation usw. noch gar nicht berücksichtigt.

 

Extragedankenspiel: Alleinige Berechnung der Nebenkosten

 

Aber Moment: In der LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes lässt sich in Sachen Wohnen zwar auch eine Unterteilung nach den Posten Wohnungsmieten u. Ä., Energie und Wohnungsinstandhaltung finden, ganz eindeutige Rückschlüsse auf die Nebenkosten sind dabei zumindest für den Laien, wenn überhaupt für irgendjemanden, aber nur schwer möglich. Diese bestehen aus zahlreichen Kosten, zum Beispiel für Heizung und Warmwasser, Straßenreinigung, Müllbeseitigung, Hauswart, Gebäudereinigung und, und, und. Es ist aber auch einmal interessant, die Nebenkosten einzeln zu betrachten.

 

  • Der Deutsche Mieterbund hat auf Grundlage von Abrechnungsdaten aus dem Jahre 2011 in einem Betriebskostenspiegel ermittelt, dass die durchschnittlichen Betriebskosten bei 2,20 Euro pro Quadratmeter und Monat lagen.

Setzen wir nur diesen Durchschnittswert an, hätte Thorsten für seine kleine Singlewohnung mit sagen wir 50 qm² über 22 Jahre hinweg 29.040 Euro bezahlt. Für die große Familienwohnung mit angenommenen 100 qm² wäre Thorstens Anteil in den 39 Jahren der Nutzung 51.480 Euro. Macht insgesamt stolze 80.520 Euro.

 

Nicht einkalkulieren lässt sich bei einer solchen Beispielrechnung, dass die Energiekosten früher eventuell geringer ausfielen als heute. Auf der anderen Seite ist es auch unwahrscheinlich, dass diese nach 2011 zum Stillstand kamen. Sie werden eher auch in Zukunft noch steigen.

 

Extragedankenspiel: Alleinige Berechnung der Stromkosten

 

Auch Thorsten möchte in seinem Leben natürlich nicht auf den Komfort von elektrischen Geräten verzichten. Schauen wir uns aus diesem Grund auf Basis anderer Zahlen einmal genauer an, welche Summe allein hier für ihn zusammenkommen könnte.

 

  • Die NRW hat in einer 2011 erschienenen Untersuchung unter anderem festgestellt, dass pro Jahr Stromkosten in Höhe von 541,40 Euro für einen Einpersonenhaushalt anfallen. Bei einem Zweipersonenhaushalt belaufen sich die Kosten laut der Studie auf 779,61 Euro pro Jahr. Als Berechnungsgrundlage zog die EnergieAgentur.NRW einen Strompreis von 24 ct/kWh heran und berücksichtigte Haushalte mit und ohne elektrische Warmwasserbereitung.

Ziehen wir diese Werte für Thorstens Beispielrechnung heran, ergibt sich folgendes Bild: 22 Jahre lang lebt Thorsten in seiner Single-Wohnung und gibt auf Basis der genannten Werte knapp 11.911 Euro für Strom aus. 39 Jahre lang lebt er in einem Zweipersonenhaushalt, sodass sich für diesen ein Gesamtbetrag von knapp 30.405 Euro ergibt.

 

Daraus ergibt sich für Thorsten ein Anteil von etwa 15.202 Euro, da seine Frau die Hälfte der Stromkosten beisteuert. Alles in allem kommt er somit in den 61 Jahren auf Stromkosten in Höhe von 27.113 Euro – ohne dass auch nur die Inflation oder allgemeine Preissteigerungen im Bereich Strom einfließen.

 

Welche Zahlen dürfen es sein?

 

Lassen wir die Einzelberechnungen für globale Betriebs- und alleinige Stromkosten einmal außen vor und richten wir uns nach dem Wert, den wir auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamtes errechnet haben und der den Bereich Wohnen relativ umfassend betrachtet. Zu notieren sind dann demzufolge für den Komplex „Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung“ in Thorstens Fall 365.652 Euro

 

2. Mobilitätskosten

 

Thorsten fährt gern Auto – seit er 18 Jahre alt ist, gönnt er sich diese bequeme Art der Mobilität. Dabei ist ganz klar, dass für diesen kleinen Luxus im Laufe eines Lebens ein stattliches Sümmchen zusammenkommt. Doch wie viel ist für diesen Posten zu veranschlagen? Es sind schließlich nicht nur die reinen Anschaffungskosten für die diversen Autos anzusetzen, die Thorsten in seinem Leben kauft.

 

  • Ein auf SPIEGEL ONLINE erschienener Artikel verrät unter Berufung auf eine Studie des Verlages Motor Presse Stuttgart, dass die Deutschen durchschnittlich 332.000 Euro in ihrem Leben für ihre Autos ausgeben.

Wer sich nun wundert und annimmt, die Deutschen würden nur Luxuskarossen fahren, täuscht sich. Neben den Anschaffungskosten sind in der benannten Summe auch diverse Unterhaltskosten berücksichtigt – bis hin zu Versicherungen, Steuern und Kraftstoff, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

 

Würden wir die Werte der LWR 2012 vom Statistischen Bundesamt zugrunde legen und einfach am Beispiel von Thorsten hochrechnen, ergibt sich dennoch ein anderes Bild. Der Komplex „Verkehr“ umfasst in der LWR 2012 zwar viele Unterposten – unter anderem die Ausgaben für Kraftfahrzeuge, Kraft- und Fahrräder, Kraftstoffe und Schmiermittel und vieles mehr.

 

  • Dennoch gaben laut der LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes allein lebende Männer für den Komplex „Verkehr“ durchschnittlich „nur“ 211 Euro pro Monat aus.
  • Allein lebende Frauen sogar im Durchschnitt „lediglich“ 151 Euro pro Monat und Paare ohne Kinder 389 Euro pro Monat.

Setzen wir hier für Thorsten 22 Jahre lang den Wert für allein lebende Männer an und für 39 Jahre den hälftigen Betrag eines Paares ohne Kind, ergibt sich eine Summe von 146.730 Euro.

 

Der Unterschied zu dem Wert der oben benannten Studie liegt unter anderem sicherlich darin begründet, dass sich die Werte der LWR nicht unbedingt für eine Hochrechnung eignen, die Statistiken verschiedenen Ansätzen folgen und unterschiedlich umfassend agieren. Vermitteln wir einmal zwischen den hochgerechneten Werten der LWR 2012 und den Werten, die der SPIEGEL-Artikel nur für die Autokosten nennt. Dann ergibt sich für Thorsten ein Mittelwert von 239.365 Euro

 

Lebenshaltungskosten.jpg

 

3. Urlaub – mal teuer, mal günstig!

 

Einmal im Jahr in den Urlaub – bei aller sonstigen Bescheidenheit hält Thorsten dies für ein Muss. Längst nicht jeder Bundesbürger handelt allerdings so – sicherlich auch, weil ein Urlaub ganz schön ins Geld gehen kann.

 

Das ist Thorsten dann doch etwas zu viel – er setzt lieber auf einige Sparstrategien, die den Urlaub vergünstigen. So fährt er nicht immer ins Ausland und erlaubt sich nur ab und an eine ganz besondere Reise. Unterstellen wir daher einfach einmal, dass Thorstens Urlaubskosten unter dem benannten Durchschnittswert liegen, er aber dennoch jedes Jahr in den Urlaub gefahren ist. Hat er dabei frei festgesetzt für sich allein durchschnittlich „nur“ 700 Euro pro Jahr ausgegeben, kommt er nach 61 Jahren auf die stattliche Summe von 42.700 Euro

 

4. Essen und Körperpflege

 

  • Das Statistische Bundesamt ermittelte in der LWR 2012, dass allein lebende Männer durchschnittlich 185 Euro pro Monat für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren ausgaben.
  • Allein lebende Frauen waren mit einer Summe von 178 Euro pro Monat etwas bescheidener.
  • Die Ausgaben eines Paares ohne Kinder lagen mit 382 Euro pro Monat und im Durchschnitt für diesen Posten ungefähr doppelt so hoch wie bei einem allein lebenden Mann, sodass wir im Folgenden auf eine Einteilung von Thorstens Leben in die zwei Phasen „ledig“ und „verheiratet“ verzichten.

Rechnen wir die 185 Euro pro Monat für 61 Jahre hoch, in denen Thorsten für sich selbst sorgt, ergibt sich eine Summe von 135.420 Euro. Da Thorsten natürlich ein gepflegter Mann ist, sollten wir aber auch noch die Ausgaben für Körperpflege berücksichtigen.

 

  • Die LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes führt in Sachen Körperpflege zwei Posten auf: einmal Körperpflegeartikel und -geräte und einmal Dienstleistungen für die Körperpflege. Bei allein lebenden Männern beliefen sich die Kosten für Körperpflegeartikel und -geräte durchschnittlich auf 11 Euro/Monat, für die Dienstleistungen im Durchschnitt auf 6 Euro/Monat.
  • Bei allein lebenden Frauen fielen 20 Euro/Monat für Körperpflegeartikel und -geräte und 18 Euro/Monat für Dienstleistungen im Bereich Körperpflege an.
  • Bei Paaren ohne Kinder sind 29 Euro und 25 Euro pro Monat anzusetzen.

Vereinfachen wir auch hier und rechnen alles hoch! In den 22 Jahren seiner Singlezeit hat Thorsten dann für seine Körperpflege 4.488 Euro gezahlt. In den folgenden 39 Ehejahren wären es für ihn anteilig 12.636 Euro, wenn wir den Wert für Paare einfach durch zwei teilen. Dabei würden wir allerdings außen vor lassen, dass wahrscheinlich auch bei Paaren Frauen eigentlich mehr für die Körperpflege ausgeben. Da wir relativ vorsichtig rechnen wollen, setzen wir für Thorstens Lebensspanne an dieser Stelle einfach den Wert für allein lebende Männer an. 17 Euro pro Monat ergeben dann über 61 Jahre immerhin doch 12.444 Euro

 

5. Bekleidung

 

Thorsten ist weder Fashion Victim noch FKK-Anhänger – in Sachen Bekleidung und Schuhe verhält er sich sehr durchschnittlich. Legen wir hier also auch Werte zugrunde, die das Statistische Bundesamt im Rahmen der LWR für das Jahr 2012 ermittelt hat.

 

  • Laut dieser Statistik gaben allein lebende Männer pro Monat durchschnittlich 45 Euro für Bekleidung und Schuhe aus, wobei nicht nur die Kleidungsstücke selbst, sondern viele weitere Kostenaspekte wie etwa Reinigungs- und Reparaturkosten Berücksichtigung fanden.
  • Bei allein lebenden Frauen belief sich dieser Ausgabenposten laut der LWR 2012 im Durchschnitt auf 68 Euro pro Monat, bei Paaren ohne Kinder auf 117 Euro pro Monat.

Der Unterschied zwischen allein lebenden Männern und Frauen legt nahe, dass wir Thorsten nicht unbedingt 50 % der Kosten zuschreiben sollten, die bei Paaren für Bekleidung und Schuhe entstehen. Wählen wir hier also wie beim Thema Körperpflege einfach einmal nur die Kosten, die allein lebenden Männern entstehen, und rechnen wir diese für 61 Jahre hoch. Nehmen wir zudem an, dass eine Inflation nicht existiert und die Ausgaben für Bekleidung ein Leben lang gleich bleiben, kommen wir auf 32.940 Euro für 61 Jahre. 

 

6. Freizeitgestaltung und der Luxus der kleinen Dinge

 

Zwar gibt es sehr aussagekräftige statistische Zahlen zu den Ausgaben im Bereich Freizeit. Doch verpassen wir an dieser Stelle unserem Probanden einmal ein bisschen mehr Individualität und lassen die Fantasie spielen.

 

Thorsten pflegt relativ bescheidene Hobbys: Er joggt gerne, liest viel und kauft sich jeden Monat zwei neue CDs, da er sehr gerne Musik hört. Außerdem gönnt er sich den kleinen Luxus, seine Frau zweimal pro Monat zum Essen und einmal im Monat ins Kino einzuladen. Diese wiederum trägt die Kosten für andere gemeinsame Freizeitaktivitäten und revanchiert sich so. Was könnte all dies kosten, wenn Thorsten diesen Gewohnheiten als Erwachsener zeit seines Lebens nachgeht?

 

  • Beginnen wir beim Joggen und nehmen wir an, Thorsten benötigt zweimal im Jahr neue Sportklamotten und einmal im Jahr neue Joggingschuhe. Kommt er hierbei mit 250 Euro pro Jahr hin, ergibt sich in 61 Jahren die stolze Summe von 12.250 Euro.
  • Liest Thorsten in jedem Monat dieser 61 Jahre zwei Taschenbücher, die jeweils „nur“ 10 Euro kosten, kommen 14.640 Euro hinzu.
  • Für das Ausgehen zum Essen und ins Kino setzen wir pro Monat einfach einmal 150 Euro an – schließlich ist Thorsten spendabel und lädt seine Frau ein. Außerdem verzichtet er im Kino nur sehr ungern auf Popcorn und ein Bierchen. Dies kostet ihn über 61 Jahre gerechnet dann 109.800 Euro.
  • Fehlt noch die CD-Sammlung, die am Ende von Thorstens Leben 1.464 CDs umfassen wird. Hat Thorsten für jede Scheibe durchschnittlich 12 Euro bezahlt, kommen für seine Musikleidenschaft 17.568 Euro zusammen.

Zusammengerechnet ergibt dies alles 157.258 Euro – und das, obwohl Thorsten keinen besonders kostspieligen Freizeitaktivitäten nachgeht. Ein unterhaltsamer Tag besteht für ihn bereits aus frühmorgendlichem Joggen, nachmittäglichem Lesen oder Musikhören und abendlichem Ausgehen ins Restaurant.

 

Soviel kostet das Leben.jpg

 

Übrigens: In der LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes lässt sich der Komplex „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ ebenfalls finden. Er umfasst sehr viele Einzelposten – unter anderem Spielwaren und Hobbys, Haustiere, Zeitungen/Zeitschriften u. Ä., Bücher, Pauschalreisen, Rundfunkempfangsgeräte, Freizeit- und Kulturdienstleistungen und noch einiges mehr. Umso überraschender ist dabei, dass die Ausgaben für diesen Posten bei allein lebenden Männern, allein lebenden Frauen und Paaren ohne Kinder geringer ausfallen als bei unserer frei gewählten Freizeitgestaltung, die wir Thorsten zugeschrieben haben.

 

  • Laut der LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes gaben allein lebende Männer für den Komplex „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ nämlich im Durchschnitt 159 Euro pro Monat aus, allein lebende Frauen 146 Euro/Monat und Paare ohne Kinder 318 Euro/Monat.

Allerdings ist auch anzunehmen, dass sich die von uns gewählte Freizeitgestaltung nicht zwangsläufig nur auf den Komplex „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ im Sinne der LWR erstreckt. Diese führt schließlich auch an anderer Stelle zusätzlich beispielsweise Bekleidungskosten (Stichwort: Joggingklamotten) und Verpflegungsdienstleistungen (Stichwort: Restaurantbesuche) an. Auf der anderen Seite berücksichtigt die LWR 2012 im benannten Komplex noch einige weitere Posten mehr.

 

7. Haustiere

 

Kuschliges Fell, hoher Unterhaltungswert und nicht nur für Kinder echte Freunde und treue Begleiter: Haustiere zu halten, ist für viele Deutsche eine Selbstverständlichkeit. Auch Thorsten konnte schon mehrmals den treu blickenden Kugelaugen nicht widerstehen. Während seiner Kindheit kamen seine Eltern auch für seine Haustiere auf.

 

Nehmen wir nun  einfach einmal an, es blieben insgesamt noch zwei Hundeleben übrig, die Thorsten mit allem Drum und Dran aus eigener Tasche finanziert. Dürfen wir vorstellen? Lumpi, seines Zeichens drahthaarige Promenadenmischung, und Emma, eine edle Weimaraner-Dame. Doch was kostet es eigentlich, den beiden das schöne Leben zu bescheren, das sie ohne Frage verdient haben?

 

  • Der Deutsche Tierschutzbund beziffert die Kosten, die im Laufe eines Hundelebens für das Tier anfallen, auf mindestens 11.000 Euro.
  • In der LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes lässt sich der Posten „Haustiere“ im Komplex „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ finden. Allein lebende Männer gaben laut dieser Statistik im Durchschnitt monatlich 4 Euro für Haustiere aus, allein lebende Frauen 14 Euro und Paare ohne Kinder 17 Euro.

Für den konkreten Fall, dass Thorsten zwei Hunde gehalten hat, helfen uns die Angaben in der LWR 2012 des Statistischen Bundesamtes allerdings wenig weiter. Legen wir also die Schätzung des Deutschen Tierschutzbundes zugrunde. Selbst diese Kosten können aber ohne Frage noch höher ausfallen. Insbesondere Tierarztkosten erreichen oft schwindelerregende Höhen.

 

Aber schätzen wir auch an dieser Stelle eher vorsichtig und schreiben auf Thorstens Gesamtrechnung nur die benannten Mindestkosten von 22.000 Euro für den kleinen Luxus, zwei Hunde besessen zu haben.

 

8. Fazit: So teuer kann ein Leben sein

 

Wow, rechnen macht ganz schön müde. Haben Sie den Überblick über alle Beträge behalten, die wir in den ausgewählten Bereichen für Thorstens Leben ermittelt haben? Falls nicht, kein Problem! Trara: Hier kommt die große Endabrechnung!

 

Das kostet Thorstens Leben im Wesentlichen:

 

Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung:           365.652 Euro
Mobilität:           239.365 Euro
Urlaubskosten:           42.700 Euro
Nahrungsmittel und Co.:           135.420 Euro
Körperpflege:           12.444 Euro
Bekleidung:           32.940 Euro
Freizeit:           157.258 Euro
Haustiere:           22.000 Euro

 

Wir haben sage und schreibe eine Gesamtsumme von 1.007.779 Euro ermittelt, die Thorsten im Laufe seines Lebens mehr oder weniger für sich ausgegeben hat. Dies zeigt, dass es gar nicht so unwahrscheinlich ist, mit der Zeit zum Ausgaben-Millionär zu werden.

 

Warum mehr durchaus wahrscheinlich ist

 

Das große „Aber“: Selbst in Thorstens Leben wird es Ausgabenposten geben, die bei unserem Gedankenspiel keine Berücksichtigung gefunden haben. Zu denken wäre hier auch an sehr bedeutende Posten wie etwa Ausgaben für:

 

  • Wohnungseinrichtungen,
  • Hightech,
  • medizinische Leistungen,
  • Versicherungen,
  • Fortbildungen,
  • und vieles weitere mehr.

Zugegebenermaßen ist unser Thorsten auch noch ein relativ bescheidener Typ: Er wohnt immer zur Miete, erlaubt sich keine spektakulären Hobbys und sonstige Eskapaden. Besonders zu berücksichtigen ist auch, dass Thorsten immer nur für sich selbst sorgen musste: Er hat keine Kinder, erst relativ spät eine Frau geheiratet, die ebenfalls immer in der Lage war, ihren Unterhalt selbst zu finanzieren, und musste seine Eltern im Alter nicht unterstützen.

 

Außen vor gelassen haben wir in der Aufstellung der Ausgaben auch die Inflation sowie kostensteigernde Aspekte, die den Berechnungsversuch ungemein verkomplizieren, ihm aber auch ganz andere Dimensionen zuweisen würden.

 

Fazit:

 

Dennoch zeigt unser Gedankenspiel eines ganz deutlich: Das Leben ist nicht billig, und obwohl wir alltäglich nur mit relativ kleinen Beträgen hantieren, summieren sich diese im Laufe des Lebens zu einem echten Vermögen. Auch ist zu erkennen, dass die wesentlichen Lebenshaltungskosten, die sich nie ganz vermeiden lassen, bereits ordentlich zu Buche schlagen und den sonstigen finanziellen Freiraum je nach Verdienst sicherlich mitunter sehr beschneiden können.

 

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Zahlreiche Statistiken fassen unser Leben und somit auch unsere Ausgaben in Zahlen. Sie zeigen uns so auf, wo unser Geld bleibt. 
  • Aktuelle Zahlen zu den Konsumausgaben der Deutschen hochzurechnen, ist zwar keine lupenreine Methodik, bereitet aber viel Spaß. So lässt sich im Groben überschlagen, was ein Leben insgesamt betrachtet kosten kann. 
  • In unserem Modellfall zeigen wir, dass es gar nicht so unwahrscheinlich ist, im Laufe eines Lebens über eine Million Euro auszugeben. Spektakuläre Hobbys und der Hang zum absoluten Luxus sind dabei noch nicht einmal notwendig.
8 Kommentare

Gelegentlicher Autor

sehr interessant - Blog vermittelt einen guten Überblick über die "Hauptkostenträger" des Lebens und man überdenkt vielleicht die ein oder andere Position. Danke


Aufsteiger

Hallo liebes Consors Team,

 

ich kann die Berechnungen leider nicht nachvollziehen.

 

  • Beginnen wir beim Joggen und nehmen wir an, Thorsten benötigt zweimal im Jahr neue Sportklamotten und einmal im Jahr neue Joggingschuhe. Kommt er hierbei mit 250 Euro pro Jahr hin, ergibt sich in 61 Jahren die stolze Summe von 250 Euro.

61*250 Euro sind bei mir 15.250 Euro in 61 Jahren und 250 Euro pro Jahr - nicht in 61 Jahren.

 

  • Liest Thorsten in jedem Monat dieser 61 Jahre zwei Taschenbücher, die jeweils „nur“ 10 Euro kosten, kommen 640 Euro hinzu.

61*12*2*10 Euro sind bei mir 14.640 Euro in 61 Jahren und 240 Euro pro Jahr.

 

 

  • Für das Ausgehen zum Essen und ins Kino setzen wir pro Monat einfach einmal 150 Euro an – schließlich ist Thorsten spendabel und lädt seine Frau ein. Außerdem verzichtet er im Kino nur sehr ungern auf Popcorn und ein Bierchen. Dies kostet ihn über 61 Jahre gerechnet dann 800 Euro.

61*12*150 Euro sind bei mir 109.800 Euro in 61 Jahren und 1800 Euro pro Jahr.

 

 

  • Fehlt noch die CD-Sammlung, die am Ende von Thorstens Leben 1.464 CDs umfassen wird. Hat Thorsten für jede Scheibe durchschnittlich 12 Euro bezahlt, kommen für seine Musikleidenschaft 568 Euro zusammen.

1464 * 12 Euro sind bei mir 17.568 Euro in 61 Jahren und 288 Euro pro Jahr.

 

 

Zusammengerechnet ergibt dies alles 157.258 Euro

 

Bei mir ergeben:

15.250

14.640

109.800

17.568

in Summe ebenfalls 157.258 Euro.

 

Aber die Zwischenergebnisse sind doch etwas unterschiedlich?

 

Über eine Erklärung würde ich mich freuen.

 

Vielen Dank,

Hamstihamsta

 


Community Manager

Hallo liebe Blog-Leser,

 

@Gubu: es freut uns sehr, dass Ihnen unser Blog-Artikel gefallen hat!

@Hamstihamsta: vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Blog-Artikel und Ihre Anmerkungen zur aufgeführten Textpassage.


Tatsächlich sind in dieser Textstelle aufgrund eines technischen Problems die Zahlen nicht komplett übernommen worden, sodass die Beträge nicht komplett dargestellt wurden.
Aus diesem Grund waren nur Teile der Summen (wie hier statt 15.250 nur 250, statt 14.640 nur 640, usw.) sichtbar.
Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihren Hinweis - die technische Störung konnte behoben werden und die Werte stimmen nun.

 

Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende!

Viele Grüße aus Nürnberg
Ihr Consorsbank Online Team


Häufiger Besucher

Wurden in den Statistikdaten auch wirklich nur "Otto und Ottilie Normalverbraucher" erfasst? Immerhin verfälschten Zahlen zu Geringverdienern und Playboys/Playgirls das Bild, wenn sie enthalten wären. Und schließlich: Wenn vom "Normalverbraucher" die Rede ist, fragt man sich natürlich, was "normal" wäre und was "anormal".


Regelmäßiger Autor

 @Chantal

Normal ist immer eine Ansichtssache das stimmt. Ich persönlich kann mich wenig mit  dem Bericht identifizieren, die Beispielsrechnung ist dennoch sehr interessant. Da es sich hierbei um ein Beispiel handelt und jeder natürlich anders lebt und Miete zahlt und andere Ausgaben hat, kann man denke ich mal nicht auf die Allgemeinheit anwenden.

Beste Beispiel joggen: Mache ich persönlich nicht, gehe aber hin und wieder ins Fitnessstudio. Meine Schuhe die ich da habe, besitze ich schon seit über 10 Jahren, da sie ganz sind, nicht riechen und halt ausreichend sind. Die Klamotten kaufe ich dafür dann auch nicht immer. Ist für mich schon einmal eine enorme Kostenersparnis, bis auf den Clubbeitrag, welcher sich allerdings auf 10 Jahre auch wieder auf über 2000 Euro beläuft.


Neu hier!

hallo malle zusammen,

recht interessant diese rechnung, nur hat diese einen ganz entscheidenen haken.

die angegebene summe von fast 1.008000,-eur. ist doch etwas unrealistisch und sehr spekulativ. wenn man von einen durchschnittsverdienst von , sagen wir ca. 1500,- bis 1800,- eur. monatlich ausgeht, und dies ist ein recht guter durchschnitt, verdiene ich ca. 800000,- bis 1.000000,- eur in 45 arbeitsjahren. jeder darüber liegende wert des monatlichen einkommens ist zwar realistisch, jedoch verdienen nur ca. 15% der arbeitenden bevölkerung mehr als der durchschnitt. die rechnung würde hier also nur auf die 15% zutreffen.

aber gut, wer mehr verdient gibt auch mehr aus und wer weniger hat demzufolge auch weniger, wobei die lebenshaltungskosten für jeden gleich sind. also muss der ärmere an den extras sparen.


Regelmäßiger Besucher

Man kann das auch so sehen:

Die meisten Menschen geben etwa genau soviel aus, wie sie einnehmen.

 

Erbeinnahmen und Vererbungen halten sich logischerweise etwa die Waage.

 

Wieviel verdient Torsten in seinem Leben?

61 Arbeitsjahre mal 1500 Netto sind 1.098.000 EUR.

 

Easy 🙂

 


Gelegentlicher Autor

Ob man etwas verdient oder bekommt ist ein großer Unterschied. Eins ist sicher, daß ein Durchschnittsverdiener wohl unter den 1.098.000 EUR in 45 Jahren liegen wird. Ich habe es mal für mich ausgerechnet und stelle nur fest, dass was reinkommt schnell wieder weg ist. So liegen wohl die Einkommen weit auseinander, doch zum Schluß bleibt bei beiden nichts übrig. Der Lebensstandard ist wohl nur unterschiedlich und so bleibt mir nur die Hoffnung auf ein Lottogewinn, denn erben werd ich auch nichts.