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DAX-Aufsteiger 2020: Aktien mit Zukunft oder Flops?

von am ‎15.12.2020 10:00

Viel Aufregung um die Aufsteiger in den DAX – zu Recht oder übertrieben, was meinen Sie?

 

Auf jeden Fall könnten die Neulinge kaum gegensätzlicher sein. Mit Deutsche Wohnen und Delivery Hero schafften ein Vertreter der Old Economy und ein Internetkonzern, der mit knapp zehn Jahren Historie noch keine Gewinne im operativen Geschäft ausweist, den Aufstieg ins deutsche Aktien-Premiumsegment. Die Lufthansa befindet sich derweil im steilen Sinkflug, seitdem die Corona-Pandemie die Passagierzahlen dramatisch einbrechen ließ. Als Folge ist die Aktie seit dem 22. Juni 2020 nicht mehr im DAX vertreten.

 

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Bilanzfälschung, Betrugsvorwürfe, Insolvenz – die Deutsche Börse aufgeschreckt

Nach der spektakulären Pleite des Zahlungsdienstleisters Wirecard im Juni erfolgte eine Änderung des Reglements des DAX, um die Aktie schnellstmöglich aus dem deutschen Leitindex zu entfernen. Dies gelang am 21. August 2020. Nun kündigte Börsenchef Theodor Weimer auf dem Banken-Gipfel des „Handelsblatts“ an: „Wir werden den Dax anpassen.“ Künftig sollen nicht mehr die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz über die Aufnahme und das Ausscheiden in der ersten Börsenliga entscheiden. Man denke darüber nach, qualitative Kriterien wie Mindeststandards für gute Unternehmensführung mit in die Entscheidung einfließen zu lassen. Auch soll das Börsengesetz verschärft werden. Die Deutsche Börse wird hierzu bis Ende des Jahres Vorschläge machen. Darauf sollten sich dann auch die Newcomer einstellen.

 

DAX-Newcomer Nr. 1: Deutsche Wohnen

Mit der Deutsche Wohnen, die der Lufthansa am 22. Juni 2020 nachfolgt, ist nach der Vonovia ein zweites Immobilienunternehmen in der Aktien-Top-Liga angekommen. Die Deutsche Wohnen ist in ihrer heutigen Form als Aktiengesellschaft 1998 durch Gründung als Tochter der Deutschen Bank entstanden.

 

Nach Angaben des Unternehmens besitzt die Deutsche Wohnen 165.000 Immobilieneinheiten, davon 162.000 Wohn- und 2.900 Gewerbeeinheiten. Diese liegen zum überwiegenden Teil (92 Prozent) in wachstumsstarken Metropolregionen. Weit mehr als die Hälfte der Immobilien der Deutsche Wohnen befindet sich in Berlin.

 

Die Unternehmenspolitik der Deutsche Wohnen steht immer wieder im Mittelpunkt von sehr kontrovers geführten Debatten, insbesondere wegen ihrer umstritten Miet- und Renovierungspolitik. Eine Berliner Initiative hat sich sogar zum Ziel gesetzt, den Konzern zu enteignen und für dieses Vorhaben bereits über 77.000 Unterschriften erhalten.

Auch die im Februar 2020 verlängerte und verschärfte Mietpreisbremse sowie der im gleichen Monat in Kraft getretene Mietendeckel in Berlin erschweren die Rahmenbedingungen für die Deutsche Wohnen. Der Konzern wendet sich verstärkt anderen Regionen als Berlin zu, insbesondere in München, aber auch in Hamburg, Frankfurt und Stuttgart errichtet beziehungsweise kauft der Konzern neue Wohnimmobilen.

 

Die Deutsche Wohnen zeigt sich robust trotz Pandemie

Der deutsche Immobilienmarkt trotzt der Corona-Krise. Dies zeigt der Real Estate Monitor der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC zumindest für Wohnimmobilien deutlich: Er erreichte im August 2020 ein neues Allzeithoch. Die Umsatzerlöse des ersten Hälfte 2020 zeigen sich erstaunlich robust, so veröffentlichte der Konzern in seinem Halbjahresbericht ein Ergebnis vor Steuern von 334 Millionen Euro, das nur leicht unter dem des Vorjahres von 382 Millionen Euro lag.

 

Diese überwiegend positiven Entwicklungen spiegeln auch die Notierungen der Aktie wider: Im März büßte sie durch den Corona-Schock deutlich an Wert ein und fiel von knapp 40 Euro auf unter 30 Euro. Dann setzte ein kontinuierlicher Erholungsprozess ein. Seit der Aufnahme in die erste Börsenliga erweist sich die Deutsche Wohnen als widerstandsfähig und solide. Sie verzeichnet sogar deutliche Kursgewinne und erreichte im September mit 46,57 Euro sogar ein neues Allzeithoch.

 

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Wertentwicklung der Deutsche Wohnen in den letzten 5 Jahren. Angaben zu früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

 

DAX-Newcomer Nr. 2: Delivery Hero

Auf Wirecard folgte am 24. August 2020 Delivery Hero, ein 2011 gegründetes Unternehmen der New Economy, das eine Online-Bestellplattformen für Essen weltweit betreibt. Wie andere Konzerne mit internetbasiertem Geschäftsmodell in der Anfangsphase erzielt auch Delivery Hero bis heute keine Gewinne, sondern investiert sehr stark in seine Expansion. In Deutschland betreibt Delivery Hero keine Geschäftsaktivitäten mehr. Das Unternehmen hat das Geschäft hierzulande an den Mitbewerber Just Eat Takeaway („Lieferando“) veräußert und erhielt dafür Bargeld und Aktien der Takeaway.com im Volumen von 930 Millionen Euro. Delivery Hero ist damit wahrscheinlich der einzige und erste DAX-Konzern, der gar keine operativen Gewinne mehr in Deutschland erwirtschaftet und es dennoch in die oberste Börsenliga geschafft hat.

 

Mit seinen Geschäftsaktivitäten in über 40 anderen Ländern gehört Delivery Hero zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Im zweiten Quartal wies der Konzern nahezu eine Verdoppelung seiner Umsatzerlöse von 315 Millionen Euro auf 612 Millionen Euro auf. Delivery Hero zeigte aber bereits im Vorjahr ein starkes Wachstum seiner Umsatzerlöse. Im Jahresbericht 2019 wiesen sie nach 665 Millionen Euro im Jahr 2018 eine Umsatzsumme von 1.237 Millionen Euro aus.

 

Delivery Hero trotzt der Covid-19 Pandemie

Ende letzten Jahres wurde Delivery Hero noch bei Kursen von unter 50 Euro gehandelt. Seitdem sind die Notierungen stark gestiegen, unterbrochen wurden sie nur von einem kurzfristigen Corona-Einbruch. Nach Werten zwischen 90 Euro und 105 Euro in den vergangenen Monaten, schaffte Delivery Hero es kürzlich erstmals, über die 110 Euro-Marke zu klettern.

 

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Wertentwicklung von Delivery Hero seit seinem Börsengang Anfang 2017. Angaben zu früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

 

Was halten Sie von den beiden DAX-Neulingen? Denken Sie, dass die Werte ein großes Kurssteigerungspotenzial besitzen?

 

Fazit:

  • Die Aktien der beiden DAX-Aufsteiger Deutsche Wohnen und Delivery Hero sind gefragt, sodass beide steigende Kurse zeigen.
  • Die Deutsche Wohnen verfolgt ein nachhaltiges Geschäftsmodell und expandiert bundesweit.
  • Delivery Hero priorisiert internationales Wachstum und erzielt derzeit keine Gewinne. Der Essenslieferant profitiert von der Corona-Krise.