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Brexit: Wie können Anleger reagieren?

von ‎17.01.2019 10:35 , bearbeitet ‎14.03.2019 10:34
4 Kommentare

Update: Auch nach der Abstimmung am 12.03. bleiben alle vorgestellten Szenarien denkbar. Die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit liegt aktuell bei einem Soft Brexit. Der Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU ist das aktuell unwahrscheinlichste Szenario. Eine Entscheidung für die Verschiebung des Austrittstermins verzögert den Brexit bis maximal Anfang Juli 2019.

 

Im Januar beriet  das britische Parlament über die Austrittsvereinbarung mit der Europäischen Union. Wie bereits im Vorfeld erwartet, lehnten die Parlamentarier den Vertrag mehrheitlich ab. Welche Szenarien sind nun denkbar - und wie können Anleger reagieren?

 

Bis zuletzt versuchte Premierministerin Theresa May erfolglos, die Abgeordneten zu überzeugen, die Austrittsbedingungen doch noch zu akzeptieren. Der vorgelegte Plan B konnte ebenfalls nicht überzeugen. Aktuell gehen die Verhandlungen zwischen der Regierung des Vereinigten Königreichs und der Europäischen Union weiter. Wichtigster Punkt dabei ist, wie eine Zollgrenze zwischen Nordirland und der Republik Irland verhindert werden kann. Das Karfreitagsabkommen zur Befriedung des blutigen Nordirlandkonflikts schreibt offene Grenzen auf der irischen Insel vor.

 

Downing_Street.jpg

Downing Street: Hier werden weichenstellende Entscheidungen für den Verbleib oder Austritt Großbritanniens aus der EU getroffen. Quelle: Wikimedia Commons

 

Im Grunde gibt es drei mögliche Ausgänge für Großbritannien, die, auf welchem Wege auch immer, den BREXIT abschließen:

 

OPTION 1: NO-BREXIT

 

Es besteht weiterhin die Möglichkeit für Großbritannien, einseitig vom Austritt aus der Europäischen Union zurückzutreten. Somit wären alle Austrittsvereinbarungen nichtig und Großbritannien würde, wie bisher, ein Mitglied der Europäischen Union zu den derzeitigen Bedingungen bleiben. Die Planungs- und Produktionsunsicherheiten für Unternehmen wären gebannt, und es könnte positive Überraschungen an den Finanzmärkten geben. Anleger könnten in diesem Fall von steigenden Kursen in Europa und im Vereinigten Königreich profitieren. Unter Berücksichtigung des Gesamtportfoliorisikos und des jeweiligen Anlegerprofils kann man von den entstehenden Chancen profitieren:

 

Parvest Equity Europe Small Cap (WKN: A0MY3X)

AB - Global Core Equity Portfolio (WKN: A14PTC)

BlackRock Global Funds - Euro-Markets Fund (WKN: 216144)

 

OPTION 2: HARD BREXIT

 

Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne eine Vereinbarung, auch „harter“ BREXIT genannt, wäre wohl für alle Beteiligten die schlechteste aller Lösungen. Die kurzfristigen Auswirkungen wären unvorhersehbar und vermutlich auch chaotisch. An den Börsen kann mit extremen Ausschlägen und hoher Volatilität gerechnet werden. Ein Austritt ohne Abkommen hätte aber nicht nur kurzfristige Auswirkungen, sondern auch langfristig wäre sowohl die Wirtschaft Großbritanniens, als auch die der Mitgliedstaaten der Europäischen Union betroffen. Studien untersuchten im Vorfeld den langfristigen Einfluss auf die Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt des Vereinigten Königreichs könnte demnach im schlimmsten Falle langfristig um bis zu 10,3 Prozent hinter einem No-BREXIT Szenario zurückbleiben. Auch die Auswirkungen auf die Europäische Union werden auf bis zu 1,5 Prozent Rückgang der Wirtschaftsleistung geschätzt, wobei die Auswirkungen auf einzelne Länder extrem unterschiedlich sind. Anleger wären gut beraten, sich bei einem „harten“ BREXIT vorsichtig zu positionieren. Eine Überprüfung der Risikopositionen ist in einem solchen Fall unerlässlich. Mit konservativen Anlageprodukten kann das Gesamtrisiko im Portfolio reduziert werden:

 

Nordea 1 - European Covered Bond Fund (WKN: 986135)

db Physical GOLD ETC (WKN: A1E0HR)

grundbesitz europa RC (WKN: 980700)

 

OPTION 3: SOFT BREXIT

 

Sollten sich Großbritannien und die Europäische Union doch noch auf einen Austrittsvertrag, in welcher Form auch immer, einigen, würde der Austritt zu festgelegten und abschätzbaren Bedingungen erfolgen. Dies würde den Unternehmen in der Europäischen Union und in Großbritannien wieder Planungssicherheit verschaffen. Die Auswirkungen auf die Volkswirtschaften der beteiligten Länder wären sehr abhängig von den im Abkommen vereinbarten Bedingungen, dürften aber deutlich geringer ausfallen als in einem Szenario ohne Abkommen. Schätzungen zufolge würde das Bruttoinlandsprodukt in Großbritannien langfristig etwa 0,6 bis 2,6 Prozent hinter seinem jetzigen Potential zurückbleiben. An den Finanzmärkten würde ein beschlossenes Austrittabkommen zunächst für Beruhigung sorgen und die Unsicherheit deutlich reduzieren.

Anleger könnten von positiven Marktreaktionen profitieren, sollten aber das Gesamtrisiko ihres Portfolios stets im Auge behalten:

 

Uni-Global - Equities World (WKN: A0M94E)

BlackRock Strategic Funds - Fixed Income Strategies Fund (WKN: A1XEUT)

Nordea 1 - Stable Return Fund (WKN: A0J3XL)

 

Dieser Artikel dient lediglich der Information und stellt keine Kaufempfehlung dar. Die Consorsbank verfolgt keine werblichen Zwecke. Die Blogredaktion übernimmt damit keine Gewähr und/oder Haftung für die Vollständigkeit und Aktualität sowie Richtigkeit der Inhalte.

Kommentare
von
am ‎17.01.2019 14:58

Der "grundbesitz europa RC (WKN: 980700)" ist sicher ein guter Immobilienfonds.

 

Ob er allerdings im Falle eines Hard Brexit für eine vorsichtige Positionierung geeignet ist, wage ich zu bezweifeln; schließlich birgt er mit 25% GB-Anteil nicht nur das Pfund-Kursrisiko, sondern auch auch ein erhebliches Abwertungsrisiko auf seine GB-Immobilien.

 

Hinzu kommen die eingeschränkten Rückgabemöglichkeiten, wenn man mangels eigener Fertigkeiten auf den Emittenten angewiesen ist.

von
am ‎01.02.2019 09:24

Hallo @stocksour,

 

gemäß der Fondsübersicht der DWS per 31. Dezember 2018 liegt der Anteil der Immobilien die sich im Vereinigten Königreich befinden bei 24,2%. Das von Ihnen angesprochene Währungsrisiko aus einer möglichen Wechselkursänderung von britischem Pfund zu Euro wird durch die Fondsgesellschaft abgesichert. Dies bedeutet, dass die Rendite des Fonds nicht von Veränderungen des Wechselkurses beeinflusst wird.

Es bleibt das Risiko fallender Immobilienpreise in Großbritannien. 21% des Immobilienvermögens liegt im Großraum London, der nach einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman am stärksten vom Brexit betroffen wäre.

In der Gesamtschau kann ein Verlustrisiko beim grundbesitz europa im Falle eines „Hard Brexits“ nicht ausgeschlossen werden. Allerdings erwiesen sich Investments in Sachwerte in turbulenten Börsenzeiten häufig als gute Portfoliodiversifikation.

 

Viele Grüße

 

Stefan Maly

von lovecats
am ‎08.02.2019 16:09

Hallo!

Es heißt ja immer, bei etwas größeren Einbrüchen nachkaufen.

Habe eben in meine beiden ETF s Germany low volatility und Div DAX nachgekauft.

Man weiß immer erst im Nachhinein, ob sein Handeln glücklich war.

Habe eine ganze Liste von ETF s. Alle zeigen mehr oder weniger rot, außer die amerikanischen.

Aber man kann doch nicht immer wieder wegen schlechter politischer  oder wirtschaftlicher Nachrichten sein ganzes Depot verkaufen.

Oder hätte ich sollen? Bin bald 80 Jahre alt.

Da sollte man aus den Aktien raus! Oder?

Man kann ja einen tiefen, zeitlich lange dauernden Einbruch nicht mehr aussithzen!

 

von CoraLee
am ‎19.02.2019 19:18

Hallo lovecats: es kommt darauf an, ob Sie einen Menschen haben, dem Sie etwas vererben möchten. Eine Anlage für die Altersversorgung der Kinder in Value - Aktien ist sicher eine gute Idee. Auch chinesische Aktien empfehlen sich zu diesem Zweck. Ansonsten sollten Sie Ihr Geld lieber flüssig machen und das Leben genießen. LG I.R.