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Boston Dynamics und Google: keine glückliche Verbindung

von Das Unternehmen ‎10.08.2017 09:08 , bearbeitet ‎12.09.2017 12:00
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Der Alphabet-Konzern hat sich von Robotik-Pionier Boston Dynamics getrennt. Die weitere Entwicklung des Konzerns bleibt spannend.

 

Die Aktiengesellschaft Boston Dynamics gilt als weltweit führend in der Konstruktion von humanoiden Robotern. Diese Technologie hat das Potenzial, menschliche Arbeitskraft in zahlreichen Bereichen vollständig zu ersetzen.

 

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Der Anfang als Start-up

 

Wie viele progressive Unternehmen begann auch Boston Dynamics seine Erfolgsstory als Ausgründung aus einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut. In diesem Fall handelte es sich um das renommierte Boston Institute of Technology in Massachusetts, aus dem heraus Marc Raibert im Jahre 1992 seine innovative Firma gründete. Von Anfang an stand die Entwicklung von Laufrobotern im Mittelpunkt, die autonom agieren. Auf diesem Feld gelangen Boston Dynamics in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte. Viele Experten glauben, dass die Roboter nicht allzu weit von einem vermarktungsfähigen Entwicklungsniveau entfernt sind.

 

Die Produkte von Boston Dynamics

 

Wer eine Vorstellung von den gravierenden Veränderungen gewinnen möchte, die im Zuge der Digitalisierung auf die Menschheit zukommen, sollte sich unter anderem mit den Prototypen von Boston Dynamics beschäftigen. Grundsätzlich lassen sich dabei zwei- und vierbeinige Roboter unterscheiden, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich zum Einsatz kommen sollen.

 

Big Dog und Legged Squad System

 

Diese Laufroboter besitzen Ähnlichkeit mit einem großen Hund beziehungsweise einem kleinen Maultier. Während BigDog eine Geschwindigkeit von nur etwas mehr als sechs km/h erreicht, schafft Legged Squad immerhin elf km/h. Dieses Robotersystem kann sich sogar durch abfälliges und unebenes Gelände bewegen. Es lässt sich mithilfe von Sprachbefehlen und Gesten unkompliziert steuern. Der Legged Squad ist dazu gedacht, Soldaten bei Fußmärschen zu begleiten und als Unterstützung für die Gepäcklast zu dienen. Ein Roboter kann derzeit knapp 180 kg tragen und 20 Meilen laufen, ohne aufgetankt werden zu müssen.

 

 

 

Atlas – der bekannteste humanoide Roboter

 

Die Vorstellung des zweibeinigen, 1,80 Meter großen und 150 kg schweren Roboters erfolgte im Jahr 2013 als Nachfolger des Petman-Modells. Seine Konstruktion ähnelt der menschlichen Gestalt. 2016 brachte Boston Dynamics Atlas Next Generation heraus, der sein Gewicht gegenüber dem Vorgängermodell um die Hälfte verringert hat. Dieser Roboter kann selbstständig laufen und dabei Hindernisse überwinden, aufstehen, greifen, Lasten anheben und beherrscht darüber hinaus viele weitere komplexe Bewegungsabläufe. Es ist geplant, Atlas vor allem in Katastrophensituationen einzusetzen, bei denen Menschen aufgrund einer extremen Gefährdung nicht arbeiten können, wie zum Beispiel bei atomaren Unglücksfällen. Auch für militärische Pioniertätigkeiten eignet sich der Roboter ausgezeichnet.

 

 

Der Jüngste in der Roboter-Familie: Handle

 

Erst im März diesen Jahres stellte Boston Dynamics offiziell seinen neuen Roboter Handle vor, der die Fachwelt in Staunen versetzte. Handle bewegt sich auf zwei Rädern fort, kann über Hindernisse springen und Lasten bis zu ca. 45 kg tragen. Die Fachwelt ist vor allem beeindruckt, wie sicher, dynamisch und kontrolliert Handle sich bewegt – vorherige Roboter bewegten sich stets sehr vorsichtig. Ein möglicher Einsatzort für Handle sind Warenhäuser, ähnlich wie es bereits beim Online-Händler Amazon der Fall ist. Bis es so weit ist, kann es aber laut Experten noch einige Zeit dauern.

 

 

Boston Dynamics als Tochterunternehmen von Google

 

Ende 2013 sorgte die Nachricht weltweit für Schlagzeilen, dass der Internet-Riese Google sämtliche Anteile am Robotik-Spezialisten Boston Dynamics erwirbt. Mittlerweile bildet Boston Dynamics ein Tochterunternehmen des Alphabet-Konzerns. Die Alphabet Incorporation hält als Muttergesellschaft, die der Google Gründer Larry Page leitet, neben Google auch weitere Unternehmen mit innovativem Konzept. Alphabet besitzt einen Börsenwert, der um die 500 Milliarden US-Dollar schwankt. Damit liefert sich der US-amerikanische Technologiekonzern einen Wettbewerb mit dem Computer-Riesen Apple um den Rang des weltweit wertvollsten Unternehmens.

 

Fehlende Erfolgsperspektiven oder Angst vor der eigenen Courage?

 

Diese Frage drängte sich Beobachtern auf, die sich von den Plänen Alphabets überrascht zeigten, Boston Dynamics zu verkaufen. Diese Entscheidung fiel bereits im Jahr 2015, nur knapp drei Jahre nach dem Zukauf. Unter anderem bot Alphabet seine Tochtergesellschaft dem japanischen Industriekonzern Toyota an, zunächst allerdings ohne Erfolg. Schließlich verkaufte die Google-Mutter Alphabet den Roboterentwickler im im Juni 2017 an die japanische Entwicklerfirma Softbank. 

 

Bei Softbank handelt es sich um einen führenden japanischen Kommunikationsanbieter und Medienkonzern mit einer Belegschaft von weit über 66.000 Mitarbeitern. Bekanntermaßen erfreuen sich Roboter im Land der aufgehenden Sonne einer sehr großen Beliebtheit. Japanische Verbraucher gehen gerne mit ihnen um und haben keinerlei Berührungsängste, wie sich nicht zuletzt auch am weit verbreiteten Einsatz von Robotern zur Unterhaltung und Pflege in japanischen Altenheimen zeigt.

 

Die Roboter von Boston Dynamics ergänzen das Produktprogramm von Softbank in jedem Fall gut – schließlich besitzt der japanische Konzern bereits das Unternehmen, das den beliebten „Pepper-Roboter“ konzipiert hat. Der humanoide Pepper mit dem niedlichen Kindergesicht bewährt sich bereits bei der Erledigung von verschiedenen Serviceaufgaben. Mit dem Kauf von Boston Dynamics hat Softbank außerdem seine Position im Konkurrenzkampf mit Toshiba massiv verbessert. Denn der japanische Technologie-Gigant arbeitet ebenfalls mit Nachdruck an der Entwicklung von Robotern, die schon bald zahlreiche Einsatzgebiete erobern sollen.

 

Offizielle Gründe für den Verkauf

 

Offiziell begründete die Konzernleitung den Verkauf mit der Erkenntnis, dass Boston Dynamics auf mittlere Sicht nicht in der Lage sei, vermarktungsfähige Produkte zu konzipieren und zur Serienreife zu führen. Diese Argumentation konnte jedoch Experten ebenso wenig überzeugen wie die breite Öffentlichkeit. Ursache dafür waren vor allem Videos, die Boston Dynamics zeitgleich über das Internet verbreitete. Die Filme zeigen, welch rasanten Fortschritt die Roboter im Hinblick auf ihre Lernfähigkeit und Beweglichkeit sowie ihr Handling und die Geräuschdämpfung machten. Tatsächlich scheint die Vermarktungsfähigkeit der humanoiden Roboter stark zugenommen zu haben.

 

Die Vermutung liegt nahe, dass es vor allem ethische Motive sind, die den Verkaufsabsichten von Alphabet zugrunde lagen. Wie die meisten der Silicon Valley Pioniere sind auch die Macher von Google überzeugt, neben einer marktwirtschaftlichen auch eine moralische Mission erfüllen zu müssen. Immerhin haben sie den Slogan „do the right thing“ als Firmenmotto auserkoren. Da Boston Dynamics aller Voraussicht nach in Zukunft vor allem Roboter für das US-amerikanische Militär herstellen wird, passt das kaum zum Anspruch des Unternehmens. Außerdem wirft der mit der Einführung von Robotern in zahlreichen zivilen Anwendungsbereichen zu erwartende gigantische Arbeitsverlust erhebliche sozial-ethische Fragen auf.

 

Fazit:

 

  • Boston Dynamics wird es in den nächsten Jahren voraussichtlich gelingen, vielfältig einsetzbare Roboter zu vermarkten.
  • Der Alphabet-Konzern hat bereits nach wenigen Jahren seine Anteile an dem Robotik-Pionier verkauft.
  • Der Verkauf scheint vor allem ethisch begründet und ignoriert das enorme wirtschaftliche Erfolgspotenzial von Boston Dynamics.

 

Wie sehen Sie die Zukunft der humanoiden Roboter? Glauben Sie an den Erfolg der Technologien oder haben Sie Bedenken? Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung mit.

 

Eingebundene Videos im Consorsbank Blog haben lediglich informativen Charakter und spiegeln nicht zwingend unsere Meinung wider.

Kommentare
von MCatLB
am ‎13.08.2017 16:28

Ich vermute, mit "Warenhäuser" sind "warehouses" gemeint = Lager