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Big-Mac-Index: Kaufkraftindikator auf Fast-Food-Basis

Von seiner Erfinderin war er eher als Scherz gedacht, doch inzwischen ist er weltbekannt: der Big-Mac-Index. Was hat es auf sich mit ihm? Es handelt sich um eine simple, aber zugleich ausgesprochen effektive Methode, die Kaufkraft von Währungen zu vergleichen. Daraus wiederum lassen sich Rückschlüsse auf mögliche Unter- und Überbewertungen ziehen. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert – und was der Index noch kann.

 

Es war einmal im Jahr 1986: die Geschichte des Big-Mac-Index

 

Erfunden hat den Big-Mac-Index 1986 eine Journalistin des renommierten Wirtschaftsblatts „The Economist“, die Volkswirtin Pamela Woodall. Die Idee dahinter: Eine nicht ganz ernst gemeinte Faustformel zu finden, mit der sich die Bewertung von Währungen einschätzen lässt. Der Big-Mac-Index fußt auf der Theorie der Kaufkraftparität (KKP). Sie geht davon aus, dass bei einem perfekten Markt ein einheitliches Gut in zwei verschiedenen Ländern gleich viel kostet. Warum der Big Mac als Grundlage gewählt wurde? Weil es den legendären McDonald‘s Burger in über 100 Ländern in fast identischer Form gibt.

Das Modell ist natürlich stark vereinfacht: Es berücksichtigt beispielsweise weder Handelshemmnisse wie Zölle noch Transport- und Versicherungskosten. Auch unterschiedliche Lohnkosten und Nachfragesituationen finden keine Beachtung. Folglich kann der bekannte Fast-Food-Indikator nur eine grobe Einschätzung liefern.

 

Der Big-Mac-Index als Kaufkraftindikator zum Währungsvergleich

 

Und so lässt sich eine mögliche Über- oder Unterbewertung von Währungen feststellen: Zuerst wird der implizite theoretische Wechselkurs durch einen Vergleich der durchschnittlichen Burger-Preise in zwei Ländern oder Währungszonen ermittelt. Dies ist der Wechselkurs, der laut der Theorie der Kaufkraftparität gelten müsste. Anschließend gibt ein Vergleich mit dem tatsächlichen Wechselkurs Aufschluss über eine Über- oder Unterbewertung. Zur Veranschaulichung ein Beispiel anhand von Big-Mac-Preisen im Juli 2021:

  • Big-Mac-Preis in der Eurozone: 4,27 Euro
  • Big-Mac-Preis in den USA: 5,65 US-Dollar

Daraus ergibt sich ein impliziter theoretischer Wechselkurs von: 5,65 US-Dollar / 4,27 Euro = 1,32

Der tatsächliche Wechselkurs zu diesem Zeitpunkt betrug jedoch 1,18. Je Euro bekamen Sie also weniger US-Dollar, als dies der theoretische Wechselkurs nahelegt. Dies deutet auf eine Überbewertung des US-Dollars hin.

Jetzt lässt sich anhand folgender Formel die prozentuale Über-/Unterbewertung berechnen:

  • [(Theoretischer Wechselkurs – tatsächlicher Wechselkurs) / tatsächlicher Wechselkurs] x 100 %
  • Eingesetzt ergibt sich: [(1,32 – 1,18) / 1,18] x 100 % = 11,86 %

Der US-Dollar ist also 11,86 % gegenüber dem Euro überbewertet beziehungsweise der Euro entsprechend unterbewertet.

Falls Ihnen das zu aufwendig ist: Mit dem Online-Tool von „The Economist“ können Sie die Über-/Unterbewertungen vieler Währungen ermitteln. Beachten Sie, dass das Tool intern mit mehr als zwei Nachkommastellen bei den Wechselkursen arbeitet. Deshalb ergibt sich dort ein geringfügig anderes Ergebnis (12,5 %) als in unserem Beispiel.

Der Big-Mac-Index ist aber nur ein Indiz für mögliche Fehlbewertungen. Handelsentscheidungen direkt daraus abzuleiten, ist riskant. Zum einen reagiert der Index prinzipbedingt mit Verzögerung. Zum anderen bleiben viele Faktoren, etwa lokale Mindestlöhne, außen vor. Und nicht zuletzt werden auch die Devisenmärkte teilweise durch Spekulation angetrieben.

 

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Der Big-Mac-Index als alternativer Anhaltspunkt für die Inflation

 

Der Big-Mac-Index kann noch mehr. Er fungiert bei Bedarf als grober Inflationsindikator, alternativ zum offiziellen Verbraucherpreisindex. Letzterer steht gelegentlich in der Kritik. Das Argument: Aufgrund regelmäßiger Anpassungen des zugrunde liegenden Warenkorbs ließe sich die Teuerungsrate auf dem Papier herunterrechnen.

Ob das so ist, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass der Big-Mac-Index einen extrem simplen Warenkorb mit einem einzigen Produkt darstellt. Dafür bietet er den Vorteil, dass sich die Zusammensetzung nicht ändert. Stellen wir einmal den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) der Eurozone und die Burger-Preisentwicklung der letzten zehn Jahre gegenüber:

  • Der Verbraucherpreisindex stieg von 93,14 im Jahr 2010 auf 105,06 im Jahr 2020. Das entspricht einer Preissteigerung 12,8 %.
  • Im gleichen Zeitraum stieg der Preis für einen Big Mac von 3,38 Euro auf 4,21 Euro. Daraus errechnet sich ein Preisanstieg von 24,6 %.

Die Preissteigerung beim beliebten Fast Food fiel also deutlich höher aus als die offizielle Teuerung. Erlaubt das weitergehende Rückschlüsse? Darüber lässt sich streiten.

 

Der Inflation ein Schnippchen schlagen – mit einem unserer Top-Fonds

 

Aber auch die offizielle Inflationsrate ist inzwischen hoch. Im Oktober 2021 erreichte sie voraussichtlich 4,5 %. Dies ist der höchste Stand seit 1993. Bei gleichzeitigen Nullzinsen ein Albtraum für Sparer, deren Rücklagen real ständig schrumpfen.

Alternativen müssen her. Doch welche? Eine Möglichkeit für längerfristig orientierte Anlegende stellen unsere aktiv gemanagten Fonds dar. Hohe Morningstar-Ratings belegen die bisherige Performance dieser Fonds. Sie bieten die Chance, trotz hoher Inflationsraten eine positive reale Rendite zu erwirtschaften. Und nicht nur das: Das Ziel des aktiven Managements besteht darin, den jeweiligen Vergleichsindex zu übertreffen.

Der Big-Mac-Index zur Bewertung von Wechselkursen und Inflation: Wie schätzen Sie die Aussagekraft dieses Indikators ein?

 

Fazit

 

  • Beim Big-Mac-Index werden die Preise des beliebten McDonald‘s Burgers in unterschiedlichen Ländern verglichen.
  • Dadurch lässt sich feststellen, ob sich die Wechselkurse auf dem „richtigen“ Level befinden.
  • Ebenso lässt sich die Preisentwicklung der Burger als Anhaltspunkt für die Inflation verwenden.
  • Die Aussagekraft des Index darf in beiden Fällen aber nicht überschätzt werden – er bietet nur grobe Anhaltspunkte.
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