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Börsenpsychologie: In welche Verlustfallen Anleger nicht tappen sollten

Die Psychologie spielt in unserem Leben eine große Rolle. Im Alltag hilft sie, Risiken zu vermeiden und Chancen zu nutzen. An der Börse kann sie uns aber auch einen Streich spielen. Lesen Sie hier, welche fünf Psycho-Fallen Sie bei der Geldanlage unbedingt vermeiden sollten und wie Sie sich mental für ein planvolles, gewinnbringendes Investieren rüsten.

 

Psycho-Falle 1: Alles auf eine Karte setzen

 

Erinnern Sie sich noch an den sensationellen Aufstieg der Apple-Aktie? „Ach wäre ich da nur mit all meinem Geld von Anfang an dabei gewesen!“, mag sich manch ein Börsianer wünschen. Kaum jemand bedenkt aber: Es ist fatal, alles auf eine Karte zu setzen. Mal angenommen, Apple wären nach dem iPod die Ideen ausgegangen. Oder iPhone und iPad wären Flops geworden. Dann wäre der Kurs ganz sicher nicht explodiert, sondern hätte den Aktionären womöglich große Verluste eingebracht.


Eine Grundregel des Investierens lautet daher: „Lege nicht alle Eier in einen Korb!“ Oder anders gesagt: Setze nicht das ganze Geld auf eine Aktie. Diversifikation lautet das Gebot der Stunde. Streuen Sie das Risiko auf verschiedene Wertpapiere. Idealerweise auf Aktien verschiedener Branchen und Länder, aber auch auf Anleihen. Ihr Depot diversifizieren können Sie übrigens auch mit kleinem Geldbeutel: Statt einzelnen Aktien und Anleihen kaufen Sie dann einfach Fondsanteile. Dort sorgt das Fondsmanagement für eine ausgewogene Mischung.

 

Typische Anlegerfehler.jpg

 

Psycho-Falle 2: Sich von der Gier zu Spontankäufen verleiten lassen

 

Der schnelle Griff zu Schokoriegel oder Kaugummi – an der Supermarktkasse sind Spontankäufe verzeihlich, an der Börse nicht. Die Gier auf rasche Gewinne ist der Todfeind eines jeden Anlegers. Denn diese Gier lässt Menschen alle Vorsicht vergessen, macht sie siegesgewiss und übermütig.

 

Doch Achtung: Der unüberlegte Griff zur vermeintlichen Kursrakete entpuppt sich im Nachhinein oft als Verlustbringer. Den „todsicheren“ Aktientipps von Menschen, die damit angeblich hohe Gewinne gemacht haben, sollten Sie daher misstrauen. Lieber suchen Sie die Wertpapiere, auf die Sie setzen möchten, sorgfältig aus. Diese sollten zu Ihrer Anlagestrategie und Ihrer Risikoneigung passen. Dann erwarten Sie auch keine schlaflosen Nächte, in denen Sie um Ihr Geld bangen müssen.

 

Psycho-Falle 3: Wertpapiere in Panik abstoßen

 

Was machen Sie, wenn es an den Börsen wieder mal kracht und die Kurse schneller in die Tiefe stürzen, als Sie es je für möglich gehalten hätten? Sich aus lauter Panik zum Ausverkauf hinreißen zu lassen, ist meistens nicht die richtige Strategie. Denn damit werfen Sie womöglich Wertpapiere aus Ihrem Depot, die in anderen Jahren gute Gewinne bringen.

 

Gerade bei Aktien gilt: Der Kurs ist nicht alles, mindestens ein Drittel des Wertzuwachses machen langfristig die Dividenden aus. Statt bei Kursstürzen panisch das ganze Depot aufzulösen, sollten Sie lieber strategisch denken: Welche Aktie ist – trotz Kursverlusten – nach wie vor vielversprechend? Welche passt auch weiterhin zu meiner Auswahl- und Anlagestrategie? Nur von Aktien, die Sie heute nicht mehr kaufen würden, sollten Sie sich trennen. Alle anderen belassen Sie lieber in Ihrem Depot. Denn auf jede Baisse folgt auch wieder eine Hausse.

 

Psycho-Falle 4: Orientierung am Einstandskurs

 

„Bevor ich meinen Einsatz nicht wieder heraushabe, verkaufe ich die Aktie nicht.“ Wer bei chronischen Verlustbringern so denkt, stellt sich selbst eine böse Falle. Experten der Finanzmarktpsychologie (englischer Begriff: Behavioral Finance) sprechen hier von einem Ankereffekt: Der einstige Kaufkurs setzt sich wie ein Anker im Gehirn fest.

 

Merken Sie sich: Es kann schon vorkommen, dass eine Aktie Ihre Erwartungen nicht erfüllt. Wer würde sich dann gerne eingestehen, in der Vergangenheit eine falsche Entscheidung getroffen zu haben? Die Aktie zu verkaufen, wäre so ein Eingeständnis. Und folglich belassen viele Anleger einen solchen Verlustbringer im Depot, auch wenn sie dadurch weitere Einbußen erleiden. Machen Sie sich klar: Nicht jede Aktienkursprognose muss ins Schwarze treffen.

 

Nicht jede AG erfüllt die Gewinnerwartungen der Anleger. Falls Sie Ihre Erwartungen enttäuscht sehen, ziehen Sie einen Schlussstrich und verkaufen Sie das Papier. Der einmalige Verlust lässt sich verschmerzen. Denn er ist immer noch besser, als sich falschen Hoffnungen auf eine Erholung hinzugeben und dadurch womöglich weitaus größere Nachteile zu erleiden.

 

Börsenfallen vermeiden.jpg

 

Psycho-Falle 5: Ständiges Kaufen und Verkaufen

 

„Hin und her macht Taschen leer:“ Diese Börsenweisheit ist nur leider allzu wahr. Jede Wertpapierorder kostet Geld – und schmälert Ihre Gewinne. Deshalb sollten Sie sich gut überlegen, welche Umschichtungen nötig sind und welche nicht. Dabei kommt es ganz auf Ihre persönliche Anlagestrategie an, wie viele Orders Sie platzieren. Ein Trader wird selbstverständlich mehr Wertpapierkäufe und -verkäufe tätigen als ein Langfrist-Anleger.

 

Vermeiden sollten Sie allerdings Spontankäufe und -verkäufe aus Gier oder Angst (vgl. Psycho-Falle 2 und 3). Umgehen sollten Sie auch Orders, mit denen Sie auf kurzfristige Kursschwankungen reagieren. Das optimale Timing für einen Kauf und Verkauf finden Sie sowieso nie. Vermeiden sollten Sie außerdem den Kauf von Wertpapieren, die nicht zu Ihrer Anlagestrategie und Risikoneigung passen. Denn auch diese werden Sie nur wieder los, indem Sie eine Verkaufsorder aufgeben. Besser gehen Sie planvoll vor und wählen sorgfältig aus, welche Aktie, welcher Fonds, welche Anleihe oder welches Zertifikat zu Ihnen passt.

 

Schluss-Tipp

 

Schnellschüsse sind an der Börse kontraproduktiv. Handeln Sie nicht spontan, sondern planvoll. Lassen Sie sich nicht von Gier oder Angst leiten, sondern überlegen Sie sich gut, was Sie tun. Die Ausrichtung an einer Strategie sowie die Auswahl der Wertpapiere nach Ihrer persönlichen Risikoneigung helfen dabei, psychologische Fallen zu vermeiden und gewinnorientiert zu handeln.

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Fehlende Diversifikation ist ein gewagtes Unterfangen fürs Depot. Setzen Sie daher nicht alles auf eine Karte, sondern streuen Sie das Risiko auf verschiedene Wertpapiere.
  • Spontankäufe aus blinder Gier bringen selten Gutes. Gehen Sie bei der Zusammensetzung Ihres Depots planvoll vor. Kaufen Sie nur, was zu Ihrer Anlagestrategie passt.
  • Lassen Sie sich nicht von Ihrer Angst zu sofortigen Verkäufen verleiten. Ein Kurssturz muss kein Verkaufsgrund sein. Wenn ein Wertpapier nach wie vor zu Ihrer Strategie passt und langfristig gute Aussichten bietet, behalten Sie es.
  • Fixieren Sie sich nicht auf den Einstandskurs, sondern verkaufen Sie auch unter diesem Wert, wenn eine Aktie keine Gewinnchancen mehr bietet.
  • Weniger ist mehr. Statt vieler hektischer Orders sind wenige, wohlüberlegte viel besser – denn die Transaktionskosten gehen sonst ins Geld.
5 Kommentare

Häufiger Besucher
danke für den Tip 🙂 Herzlich IG

Aufsteiger

Aus langjähriger Erfahrung kann ich die aufgeführten Tips nur unterstreichen.


Gelegentlicher Autor
Ein langfristiges Portfolio ist da A und O - Deshalb halte ich mich auch an die meisten Tips. Aber mit eine kleinen Summe versuche ich trotzdem, ab und zu mal etwas zu traden.

Häufiger Besucher

Ich beschäftige mich seit 1984 mit dem Thema Börse. Ein wichtiger Satz, der meines Erachtens auch zum Thema Börsenpsychologie gehört: "Gier frisst Hirn". Davon kann ich ein Lied singen. Ich kaufte vor vielen Jahren einen Optionsschein von BASF der mir empfohlen wurde. Leider haben die Kennzahlen nicht gestimmt und das führte bei mir zu einem großen Verlust. Seither lasse ich die Finger von diesen Finanzprodukten.

Mein Depot überprüfe ich permanent. Stehe ich noch hinter den Werten, kann ich das Geschehen in den Firmen nachvollziehen. Natürlich ist die Verwaltung seines eigenen Wertpapierdepots zeitaufwändig. Aber andererseit macht es viel Spaß zu sehen welche Aktien zum Überflieger mutieren.


Aufsteiger

Diese "Tipps" sollten jeden halbwegs erfahrenen Anleger(1 jahr +) schon längst bekannt sein, ich vermute daher, dass bei der Consorsbank mehr "Neueinsteiger" aktiv sind als alte Hasen. Da stell ich mir die Frage, ob die Neueinsteiger überhaupt wissen, wie man Aktien bewertet oder überhaupt eine Strategie besitzen?!

Denn dann bringen diese "Tipps" auch nicht so viel.

 

Grüße