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Auslandskrankenversicherung: Warum sie wichtig ist

„In Europa ist eine Auslandskrankenversicherung nicht notwendig – immerhin zahlt hier doch meine Krankenkasse.“ Das denken viele. Doch ist das auch wirklich so? Hier lesen Sie, warum ein umfangreicher Versicherungsschutz wichtig ist.


Irgendwie ist es paradox: Viele Deutsche geben eine Menge Geld für Reisen in ferne Länder aus – sparen aber am Versicherungsschutz oder wählen den falschen. Denn statt das Geld in die Auslandskrankenversicherung zu investieren, wird lieber das Gepäck versichert. Was aber meist gar nicht notwendig ist, da das in der Regel über die Hausratversicherung mit abgedeckt ist.

 

Versicherungsschutz im Urlaub.jpg


Auslandskrankenversicherung-Irrtum: In Europa kann ja nichts passieren


Fakt ist: Die meisten europäischen Reiseländer haben ein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland. Das bedeutet: Für Behandlungskosten und Krankenhausaufenthalte in europäischen Mitgliedsstaaten muss eine deutsche Krankenkasse in der Regel auch aufkommen.


Tipp: Stellen Sie vor dem Urlaubsantritt sicher, dass Ihre Krankenversicherungskarte, die Sie mitnehmen, auf der Rückseite als „Europäische Krankenversicherungskarte“ (EHIC) ausgewiesen ist. Besorgen Sie sich ersatzweise eine Anspruchsbescheinigung bei Ihrer Krankenkasse, wenn das nicht der Fall ist.


Aber Vorsicht: Die Kostenübernahme ist in der Höhe begrenzt. Sie gilt nur bis zu dem Betrag, der bei einer Behandlung in Deutschland angefallen wäre. Im Ausland sind die Kosten jedoch häufig höher. Das gilt besonders für angesagte Skiurlaubsorte in der Schweiz und in Österreich, die an betuchte Patienten gewöhnt sind und entsprechend hohe Behandlungskosten erheben. Die Differenz zwischen dem, was die Kasse in Deutschland zahlen würde, und den wahren Kosten müssen Sie ohne Auslandskrankenversicherung selbst begleichen. Und das können leicht mehrere 10.000 Euro sein.


Wie sieht es im außereuropäischen Ausland aus?


Auch hier liegt häufig ein Irrtum vor. Reisende gehen oft davon aus, dass die Krankenkasse auch im außereuropäischen Ausland die Kosten übernimmt. Doch das ist nicht richtig. Hier sind Sie auf die Kulanz Ihrer Krankenkasse angewiesen, die in Ausnahmefällen die Kosten für eine erforderliche Behandlung außerhalb Europas ganz oder teilweise übernimmt. Allerdings nur dann, wenn die Behandlung einzig außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums möglich ist. Umkehrschluss: Sollte es zu einem Unfall in einem nicht europäischen Land kommen, zahlt die Kasse in der Regel nicht. Hohe Behandlungskosten, die Sie aus eigener Tasche zahlen müssen, können schnell den Ruin bedeuten. Keine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, ist deshalb am falschen Ende gespart.


Welche Versicherung bei welcher Aufenthaltsdauer?


Aufenthalt bis maximal 8 Wochen


Wer nur für einen Urlaub ins Ausland geht, kann sich günstiger versichern. In der Regel kostet eine Auslandskrankenversicherung zwischen 10 und 50 Euro für eine Einzelperson und als Familienversicherung um 20 bis ca. 80 Euro. Ältere Menschen zahlen mehr. Solch eine Versicherung ist für die Länder sinnvoll, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat und in denen die Krankenkasse somit für die üblichen Behandlungskosten aufkommt. Die Mehrkosten sind dann durch die private Police abgedeckt. Sie schließen also die Versicherungslücke.


Sie müssen aber wissen: Diese Versicherung gilt wirklich nur, wenn der einzelne Aufenthalt nicht länger als 6 Wochen (bei manchen Versicherern maximal 8 Wochen) dauert. Darauf sollten Sie unbedingt achten. Die Bedingungen der meisten Versicherer sind zum Glück recht ähnlich und auf einem vernünftigen Standard. Das erleichtert den Versicherungsvergleich.


Diese Klauseln sollten Sie kennen und umgehen: Vor Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sollten Sie prüfen, dass folgende Klauseln nicht enthalten sind. „Zahlung nur bei ›unvorhergesehenen‹ oder ›nicht absehbaren‹ Krankheiten“ – mit dieser Klausel geht ein Leistungsausschluss bei Erkrankungen einher, für die ein gewisses Risiko besteht. Eine Bewusstlosigkeit hervorgerufen durch schwere Unterzuckerung bei einem Diabetiker wäre dann zum Beispiel ausgeschlossen. Was den medizinischen Rücktransport betrifft, sollten Sie darauf achten, dass dieser nicht auf „notwendige Fälle“ beschränkt ist.


Längere Aufenthalte (bis ca. 1 Jahr)


Eine normale – und sehr günstige – Auslandskrankenversicherung reicht nicht aus, wenn der Auslandsaufenthalt über 8 Wochen hinausgeht. Das gilt natürlich beispielsweise auch bei Entscheidungen etwa für eine Auszeit, Work & Travel oder einen Au-pair-Aufenthalt. Dann ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung beziehungsweise eine Auslandskrankenversicherung für längere Aufenthalte notwendig. Die angebotenen Tarife liegen zwischen 365 Euro und über 2.500 Euro pro Jahr. Auch hier spielt das Alter eine Rolle: Bei älteren Menschen bewegen sich die Kosten zwischen 846 und mehr als 6.000 Euro. Ein Vergleich lohnt sich.

 

Auslandskrankenversicherung ist sinnvoll.jpg


Tipp: Vorsicht bei folgenden Klauseln

 

  • Selbstbeteiligung: Suchen Sie sich besser einen Versicherer, der keine Selbstbeteiligung verlangt.
  • Befristete Zahlung: Es empfiehlt sich ein Versicherer, der zahlt, bis Sie wieder transportfähig sind.
  • Obergrenzen für eine Erstattung: Versicherungstarife mit Obergrenzen sollten Sie nicht in die engere Wahl ziehen.
  • Ausschluss vorhersehbarer Krankheiten: Jede notwendige Behandlung sollte übernommen werden – auch wenn es Vorerkrankungen oder chronische Krankheiten gibt.
  • Keine Leistung für Hilfsmittel: Wenn Sie Gehhilfen oder einen Rollstuhl benötigen, sollten die Kosten auch von Ihrer Versicherung getragen werden.
  • Rücktransport auf medizinische Notwendigkeit beschränkt: Hier gilt das Gleiche wie bei der Krankenversicherung für kurze Aufenthalte. Schon bei einem medizinisch sinnvollen und vertretbaren Rücktransport sollte die Versicherung einspringen.
  • Kein Leistungsausschluss bei plötzlichen Krisen im Zielland: Dass Versicherer den Schutz nicht in Ländern gewähren, für die die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gelten, ist normal. Doch wenn die Krise plötzlich auftritt, ist ein Leistungsausschluss nicht hinnehmbar.


Fazit


An Ihrer Gesundheit sollten Sie nicht sparen und unvorhergesehene hohe Kosten für Behandlungen im Ausland könnten schnell eine finanzielle Bedrohung darstellen. Deshalb darf ein angemessener Auslandskrankenschutz nicht fehlen.

 

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Eine Auslandskrankenversicherung ist sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU-Staaten notwendig.
  • Sie deckelt die Versorgungslücke und übernimmt damit die Kosten, für die die gesetzliche Krankenversicherung nicht aufkommt.
  • Welche Versicherung die richtige ist, hängt von der Dauer des Aufenthalts ab.
  • Aufmerksamkeit sollte vor allem den Vertragsklauseln der Versicherer gelten, in denen wichtige Leistungen ausgeschlossen sein können. Wählen Sie den Versicherer, der alles Wichtige absichert.

 

4 Kommentare

Häufiger Besucher

Wir waren mit unseren drei kleinen Jungs für 6 Monate mit dem Wohnmobil in Kanada unterwegs (www.going-north.de) und hatten dafür die Langzeit-Auslands-Krankenversicherung vom ADAC abgeschlossen. Die war sehr günstig - weiß keine genaue Zahlen mehr - aber weit unter dem, von anderen Anbietern.

Unser Kleinster musste dann tatsächlich mal ins Krankenhaus, weil er sich an einer Gräte verschluckt hatte, die ihm dann im Hals stecken blieb. Wir mussten das Krankenhaus natürlich erstmal Bar bezahlen (700$ für EmergencyRoom) und sollten nach dem Eingriff nochmals die beteiligten Ärzte (1 Anästhesist, 1 HNO) bezahlen.

ADAC angerufen, Kontaktdaten der Ärzte durchgegeben und die Sache war erledigt. Als wir wieder daheim waren, haben wir noch die Krankenhaus-Rechnung an den ADAC geschickt und problemlos unser Geld wieder bekommen.

Kann die Versicherung also nur empfehlen - wir haben damit klasse Erfahrungen gemacht - und sie hat nur ein Bruchteil von den anderen gekostet.

 

Vielleicht hilft das ja jemanden weiter. 🙂


Regelmäßiger Besucher

Wir waren in der Dominikanischen Republik als mich eine Thrombose ereilte. Der Hotelarzt war teuer, aber hat die Thrombose nicht erkannt. Letztlich hilft da eine Auslandsversicherung was die Kosten anbelangt sicherlich. Leider kann man sich dadurch kein Wissen kaufen. Ein Restrisiko besteht diebezüglich immer.


Enthusiast
„Europäische Krankenversicherungskarte“ (EHIC) ... guter Witz. Geht man damit mal irgendwo zum Arzt oder ins Krankenhaus, die gucken einen doof an wie ein Auto. Ist übrigens hier in Deutschland nicht anders wenn damit einer aus dem EU-Ausland an kommt.
 
Bei den meisten Krankenkassen lässt sich eine zeitlich begrenzte Auslandsreisekrankenversicherung zu einem niedrigen Jahrespreis zubuchen. Würde ich immer machen. Begibt man sich in unwegsames Gelände, so sollte man darauf achten das Bergungskosten in ausreichender Höhe versichert sind, da diese z.B. bei Hubschraubereinsätzen sehr teuer werden können.

Aufsteiger

Auslandsreisekrankenversicherungen sind ja nun nicht wirklich teuer, Jahresbeiträge teilweise ab 20 EUR (abhängig von Alter, evtl. Mitgliedschaft (ADAC), Vertragslaufzeit, ...).

Dafür ist man eben auch abgesichert, auch für eine eventuelle Rückholung aus dem Ausland.

 

Wenn ich in die DomRep oder andere, in mediziner Hinsicht, exotische Regionen reise, muss ich damit rechnen das gesundheitliche Probleme / Krankheiten nicht vollständig oder korrekt diagnostiziert werden. Das sollte man eben VOR DER REISE schon in Betracht ziehen. Auf den Nutzen der (privaten) Auslandskrankenversicherungen wird ja immer wieder hingewiesen (auch auf den Seiten des Auswärtigen Amtes).