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Aramco: Der größte Börsengang aller Zeiten?

von ‎26.11.2019 09:20 , bearbeitet ‎26.11.2019 14:57

Der Börsengang von Aramco könnte als größter IPO in die Geschichte eingehen. Die Zeichnung für Privatanleger ist gestartet und endet am 28. November. Eine Zeichnung über die Consorsbank ist nicht möglich, da die Erstnotiz nicht in Deutschland liegt. Der IPO startet an der Saudi Stock Exchange. Laut einigen Presseberichten ist ein internationales Angebot im Jahr 2020 geplant.

 

Das Ölunternehmen Aramco geht an die Börse. Es wird erwartet, dass der Börsengang alle bisherigen Rekorde brechen soll – und damit auch den IPO von Alibaba 2014. Der Konzern wird vermutlich am 5. Dezember an die saudi-arabische Börse gehen – die Zeichnung für institutionelle läuft bis zum 4. Dezember. Die Preisspanne der Aktien liegt zwischen 30 und 32 Riyal, das entspricht etwa 7,50 Euro (8 Dollar bis 8,53).

 

Saudi Aramco – ein staatliches Unternehmen

 

Aramco ist der weltweit größte Akteur in der Erdölförderung. Der saudische Erdölabbau macht rund 10 Prozent des Weltmarkts aus. Der Konzern befindet sich in staatlicher Hand – und damit unter der Regierung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MbS). Der Gesamtwert unter Berücksichtigung des Börsengangs wird auf etwa 1,5 Billionen Euro (1,7 Billionen Dollar) geschätzt.  Damit gilt es als das wertvollste Unternehmen der Welt.

 

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Aramco veräußert ab Dezember 1,5 Prozent seiner Anteile – 0,5 Prozent sollen an Privatanleger gehen. Der saudi-arabische Kronprinz erwartet von den reichen Bürgern des Landes, ihr Geld statt im Ausland in Aramco-Aktien anzulegen. So sollen möglichst viele Anteile in der Hand von Landsleuten bleiben. Denn das weltweite Interesse an den Aktien ist groß. So vermuten einige Beobachter, dass chinesische Ölkonzerne Summen in Milliardenhöhe in Aramco-Aktien investieren könnten. Die möglichen Einnahmen durch den Verkauf der Anteile belaufen sich auf bis zu 23 Milliarden Euro (25,6 Mrd. Dollar). Die ursprüngliche Hoffnung von MbS auf mehr als 2 Billionen Dollar konnte damit bereits jetzt nicht gehalten werden.

 

Mangelnde Transparenz

 

Grund für die starken Schwankungen in den Wertprognosen sind die bisher wenigen öffentlichen Informationen über den Konzern. Aramco verteidigt sich gegen die Vorwürfe mit Hinweisen auf potenzielle Sicherheitsrisiken wie Terrorangriffe sowie kartellrechtliche Probleme. Zudem wird befürchtet, die weltweite Nachfrage nach Öl könnte nach der Offenlegung abnehmen. Denn wenn Aramco an die Börse geht, müssen sie offenlegen, wie viel Erdöl noch zur Verfügung steht. Der Börsengang hat damit einen enormen Einfluss auf die weltweite Erdöl-Industrie.

 

Wieso der Börsengang?

 

Saudi-Arabien möchte in andere Wirtschaftszweige investieren, um sich  unabhängiger vom Öl- und Gasgeschäft zu machen. Der Anteil des Königreichs am Weltmarkt liegt bei rund 10 Prozent. Neue Großprojekte sollen das Land zu einer dynamischen Privatwirtschaft transformieren. Ein Schlüsselprojekt dafür soll „Neom“ sein – ein Technologiepark, der auf einem rund 26.500 Quadratkilometer großen Areal entstehen soll. Saudi-Arabien hat für die Finanzierung des Riesenprojekts bereits Investitionen in Höhe von 500 Milliarden US-Dollar zugesagt. Neom soll eine unabhängige Wirtschaftszone werden, die nicht politisch souverän ist, aber über ein eigenes Rechts- und Steuersystem verfügt. Ein Beispiel: Frauen sollen sich hier ohne männliche Begleitung frei bewegen dürfen.

Das Geld aus dem Börsengang soll zunächst in den saudischen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) fließen, der mit zwei Billionen Dollar zum weltweit größten seiner Art ausgebaut werden soll.

 

Fazit:

 

  • Börsengang zur wirtschaftlichen Transformation Saudi-Arabiens
  • Beobachter sprechen von einem Machtausbau des Kronprinzen
  • Aktuell ist die mangelnde Transparenz des Konzerns ein Grund, weshalb der Erfolg des Börsengangs abzuwarten bleibt

 

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