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Apple und Samsung: aneinander gekettete Wettbewerber

von am ‎20.02.2018 09:49

Apple und Samsung schenken sich im Wettkampf um den Verkauf von Handys nichts. Zugleich besteht aufgrund von Lieferbeziehungen eine wechselseitige Abhängigkeit.

 

Die Elektronik-Giganten Apple und Samsung verbindet ein mit harten Bandagen ausgetragener Konkurrenzkampf um die Gunst der Kunden im Bereich der Smartphones. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die beiden Top-Konzerne auch eine intensive Lieferbeziehung miteinander unterhalten. Dabei handelt es sich allerdings um eine ziemlich einseitige Angelegenheit, denn in erster Linie versorgt Samsung seinen Konkurrenten Apple mit wichtigen Bauteilen, insbesondere mit exklusiven Displays und Prozessoren. In diesem Bereich gilt Samsung bereits seit Jahren als Weltmarktführer.

 

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Doch auch andere wichtige Komponenten, ohne die kein Apple-Handy auskommt, stammen vom südkoreanischen Wettbewerber. Erstaunlicherweise ist dies bereits seit den 90er Jahren der Fall. Experten sprechen zu Recht davon, dass die gefragten Apple-Erzeugnisse ohne die Lieferungen von Samsung überhaupt nicht denkbar gewesen wären. Die beiden Erzrivalen, die durch die Lieferungen aneinander gekettet sind, bezeichnen sich selbst aus diesem Grund auch gerne als „Frenemies“.

 

Apples Reaktion auf die zunehmenden Risiken

 

Schon seit einiger Zeit stuft das Management von Apple die Abhängigkeit von Samsung als sehr gefährlich ein. Tatsächlich könnte Samsung seinem US-amerikanischen Konkurrenten mit Lieferverzögerungen oder Preiserhöhungen schweren Schaden zufügen. Dementsprechend sucht Apple schon seit längerem nach einer Alternative – bislang vergebens.

 

Dass dieses Vorhaben nun schon seit einigen Jahren nicht vorankommt, verwundert auch im Hinblick auf das ansonsten vorbildliche Risikomanagement, das Apple grundsätzlich in allen seinen Geschäftsbereichen verfolgt. So vermeidet der kalifornische Handy-Riese bei Lieferanten prinzipiell Abhängigkeiten und kauft Bauteile grundsätzlich bei mindestens zwei verschiedenen Anbietern ein. Dies ist zum Beispiel bei Speicherchips der Fall, die Apple sowohl vom japanischen Unternehmen Elpida als auch vom südkoreanischen Elektronikhersteller Hynix bezieht.

 

Auch Samsung möchte mehr Unabhängigkeit von Apple erreichen

 

Die Risiken dieser intensiven Lieferbeziehungen liegen nicht nur bei Apple. Auch Samsung erkennt zunehmend, dass die Abhängigkeit vom Apple als Abnehmer elektronischer Bauteile eine ernst zunehmende Bedrohung der Zukunft des südkoreanischen Elektronik-Spezialisten sein kann. Diese Sorge ist begründet, denn immerhin ist Apple der wichtigste Großkunde für Samsung. Doch das Vorhaben, alternative Abnehmer zu finden, dürfte sich nach Meinung von Experten noch sehr viel schwieriger realisieren lassen als die Gewinnung von neuen Lieferanten für Apple: Schließlich ist die Anzahl der potenziellen Großabnehmer weltweit begrenzt, sodass Samsung zumindest kurz- bis mittelfristig kaum Ersatz für einen möglichen Ausfall von Apple finden dürfte.

 

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 Apple und Samsung befinden sich in einer gegenseitigen Abhängigkeit

 

Hinzu kommt die Tatsache, dass Samsung mit dem Verkauf von elektronischen Bauteilen gegenwärtig wesentlich mehr Geld verdient als mit seinen Endgeräten. Aus diesem Grund plant der koreanische Konzern auch, eine innovative OLED-Fertigungsanlage zu bauen. In dieser Produktionsstätte sollen pro Monat bis zu 270.000 modernste Displays vom Band laufen. Allerdings wird diese maximale Produktionskapazität aller Voraussicht nach frühestens im Jahre 2019 erreicht werden können. Die Finanzierung des gigantischen Vorhabens stellt dabei das größte Hindernis dar.

 

Verhärtete Fronten nach erbitterten Patentrecht-Auseinandersetzungen

 

Die engen Verflechtungen im gegenseitigen Lieferverhältnis hielten die beiden Erzrivalen nicht davon ab, Patentstreitigkeiten vor Gericht auszutragen. Die beiden Konkurrenten überziehen sich gegenseitig mit Patentklagen in verschiedenen Ländern. Dabei geht es stets um Schadenersatzansprüche, die Apple oder Samsung wegen des Kopierens von Design-Merkmalen oder technischen Features geltend machen. Für Aufsehen sorgen in diesem Zusammenhang vor allem die Urteile US-amerikanischer Gerichte, wie zum Beispiel des Supreme Court, der Ende 2016 überraschenderweise zum Teil Samsung Recht gab. Er widersprach der Auffassung, dass die Ermittlung der Höhe des Schadenersatzes für die Verletzung von Geschmacksmusterrechten auf Basis der Gewinne aus dem entsprechenden Produkt zu erfolgen habe.

 

Die Auswirkungen der schwierigen Beziehungen von Apple und Samsung

 

Aus Sicht des Endverbrauchers stellt sich die Beurteilung des Verhältnisses von Apple und Samsung dagegen grundsätzlich positiv dar. Zum einen sorgt die nun schon seit vielen Jahrzehnten anhaltende Rivalität dafür, dass der Innovationsdruck stets auf einem hohen Niveau bleibt, sodass beide Konkurrenten gezwungen sind, laufend neue Produkte zu entwickeln. Zum anderen ist durch den permanenten Wettkampf zwischen Samsung und Apple auch sichergestellt, dass die Preise Bodenhaftung behalten. Ein gutes Einvernehmen beider Konzerne wäre dagegen ein Albtraum für den Kunden, der aller Wahrscheinlichkeit nach in absehbarer Zeit mit sehr viel höheren Verkaufspreisen zu rechnen hätte.

 

Der Ausblick

 

Der Neubau der riesigen OLED-Display-Fabrik durch Samsung wirft die Frage auf, wer die dort in Zukunft erzeugten bieg- und faltbaren Displays kaufen soll. Ohne Apple als weiterhin bedeutenden Abnehmer dieser Erzeugnisse wird Samsung aller Wahrscheinlichkeit nach in große Schwierigkeiten geraten.

 

Fazit:

 

  • Es ist zu erwarten, dass die Abhängigkeit von Apple in Bezug auf die Display-Lieferungen durch Samsung zumindest mittelfristig bestehen bleibt.
  • Samsung nimmt den Bau einer gigantischen Produktionsanlage für die Herstellung von OLED-Displays in Angriff.
  • Wahrscheinlich wird Apple diese Bildschirme zu einem großen Teil abnehmen.

 

Wie schätzen Sie das zukünftige Verhältnis der beiden Top-Player ein? Werden sie enger zusammenarbeiten oder sich langsam aber sicher von einander distanzieren können?