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Anlagestrategien im Vergleich (Teil II): Index Investing und antizyklisches Investieren

von ‎31.03.2015 10:31 , bearbeitet ‎10.04.2015 12:33
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Wer strategisch anlegt, erzielt die höheren Gewinne. Hier finden Sie die wichtigsten Chancen und Risiken von Indexstrategie und antizyklischem Investieren.

 

Investieren Sie mit Köpfchen – und mit einer klaren Strategie, die Ihnen hilft, sich für oder gegen ein Wertpapier zu entscheiden. Wer sich nicht täglich neu mit der Aktienauswahl herumschlagen will, den dürfte die Indexstrategie interessieren. Wer dagegen im Börsendschungel ganz gerne nach unentdeckten Schätzen gräbt, der dürfte mit der Strategie der antizyklischen Investments recht glücklich sein. In diesem Beitrag erfahren Sie, was beide Strategien kennzeichnet.

 

Index Investing.jpg


Ganze Märkte abbilden statt Einzelaktien kaufen: Index Investing 

 

Daimler oder BMW? Allianz oder Münchener Rück? RWE oder E.ON? Wer sich nicht die Mühe machen will, einzelne Aktien auszuwählen, für den ist die Indexstrategie eine sinnvolle Alternative. Statt auf Einzelwerte setzen sie dabei auf ganze Märkte, die wiederum durch einen Index abgebildet werden. Der DAX beispielsweise repräsentiert den deutschen Aktienmarkt, der Euro Stoxx 50 denjenigen der Eurozone. Der SMI (Swiss Market Index) bildet den Schweizer Aktienmarkt ab, und falls Sie sich für die USA, Japan oder China interessieren – bitteschön: Hier stehen Dow Jones bzw. Standard & Poors 500, Nikkei bzw. Topix und Hang Seng Index zur Verfügung.


Das Schöne an der Indexstrategie ist: Die einzelnen Aktien müssen Sie nicht mühsam aus einem Index zusammenkaufen, sondern Sie kaufen lediglich einen Indexfonds – auch ETF genannt. Die Abkürzung steht für „Exchange Traded Funds“ – Fonds, die ausschließlich an der Börse gehandelt werden.

 

Die Vorteile: Sie investieren extrem kostengünstig, denn außer einem geringen Spread zahlen Sie keine Kaufgebühren – anders als bei anderen Fonds. Auch die jährlichen Verwaltungsgebühren sind mit 0,2 bis 0,4 Prozent vergleichsweise günstig. Dafür haben Sie alle für einen Markt repräsentativen Werte im Depot. Auf diese Weise machen Sie zwar keine überdurchschnittlichen Gewinne – aber auch keine unterdurchschnittlichen.
Interessant ist diese Strategie aber vorwiegend in „ausgereiften“ Märkten, also nicht gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern.

 

Denn hier ändert sich die Zusammensetzung der jeweiligen Leitindizes ständig und die Rückschlagsgefahr ist groß. Empfehlenswert ist die Index-Strategie dagegen in hoch entwickelten Industrieländern – und für Anleger, die nicht ständig die Zusammensetzung ihres Depots überwachen wollen. Sie legen einmal fest, in welchen Markt oder welche Märkte sie investieren wollen, kaufen den entsprechenden Index und warten dessen Wertentwicklung ab. Sind es bekannte Indizes wie etwa der Dax oder der Dow Jones, können Sie in den Börsennachrichten kontinuierlich sehen, wo Ihr Index-Investment gerade steht. 

 

Generell gilt: Bevor in einen Index investiert wird, sollte man sich diesen immer bzgl. seiner Zusammensetzung ansehen, ob nicht evtl. sehr starke Risiken bzgl. einzelner Aktien und / oder Branchen eingeht. Wie im Beispiel SMI genannt, besteht der Index zu 23% aus Novartis, zu 22% aus Nestle und zu 17% aus Roche. Das bedeutet 62% des Index werden durch drei Aktien bestimmt, von denen zwei aus der gleichen Branche kommen. Die Factsheets und Websites der ETF-Anbieter bieten hier sehr gute Informationen.

 

Zusätzlich haben die meisten Indizes eine Gemeinsamkeit: sie sind anhand der Marktkapitalisierung gewichtet. Das Bedeutet, dass die Werte den höchsten Anteil am Index haben, deren Wert am stärksten gestiegen ist. So hatten 2001 die Tech-Unternehmen den höchsten Anteil an den einschlägigen Indizes und 2007 die Finanzwerte. Sprich: insbesondere in Übertreibungsphasen geht man mit Indexinvestments ein sehr prozyklisches Investment mit einer höheren Rückschlagsgefahr ein.

 

 

Nicht dem Herdentrieb folgen: Antizyklisches Investieren

 

Es gibt Anleger, die gerne gegen den Strom schwimmen. Das mag zunächst absurd klingen – aber diese Strategie kann durchaus aussichtsreich sein. Man spricht hier vom „antizyklischen“ Investieren: Für den Anleger bedeutet dies, sich bewusst diejenigen Aktien herauszusuchen, die gerade nicht gefragt sind, etwa weil beispielsweise die trüben Konjunkturaussichten nicht für sprudelnde Gewinne sprechen.


Sobald der Konjunkturmotor anspringt, geht es jedoch auch mit dem Kurs solcher Aktien aufwärts und im Zuge dessen mit den Gewinnen ebenfalls. So hat ein Anleger, der einen solchen Wert antizyklisch, sprich außerhalb des normalen Konjunkturzyklus, gekauft hat, plötzlich die Nase vorn.

 

Was sind zyklische Aktien? Zum Beispiel diejenigen von Chemie- oder Stahlkonzernen. Diese liefern die Grundstoffe für die Produktion von Industriegütern – also Kunststoffe und Stahllegierungen, die vor allem gebraucht werden, wenn ein Aufschwung in Gang kommt. Zyklisch sind aber auch Branchen wie Maschinen- und Anlagenbauer.

 

Hier spricht man allerdings eher von Spätzyklikern – Unternehmen also, bei denen sich die Konjunkturentwicklung verspätet auf die Geschäfte niederschlägt. Denn erst wenn alle Produktionskapazitäten ausgelastet sind, sprich der Höhepunkt eines Konjunkturzyklus bereits erreicht ist, investieren Unternehmen in neue Anlagen und Maschinen. Zyklisch sind auch die Aktien von Investmentbanken – sie begleiten nämlich Unternehmen dabei, an die Börse zu gehen oder sich Fremdkapital an den Börsen zu besorgen. Das Geschäft der Investmentbanken läuft selbstredend dann am besten, wenn es den Unternehmen gut geht.

 

Antizyklisches Investieren.jpg

 

Aber lachen Sie nicht: Auch mit nichtzyklischen Aktien können Sie antizyklisch investieren. Nicht zwangsläufig ein Widerspruch, weil nichtzyklische Aktien vor allem in Abschwungphasen gefragt sind, sprich, wenn der Konjunkturmotor stottert und die Wirtschaft lahmt. In dem Moment besinnen sich die meisten Aktionäre gern wieder auf Nahrungsmittel- oder Gebrauchsgüterhersteller wie Nestlé oder Henkel. Oder auch auf Pharma- und Gesundheitswerte wie Johnson & Johnson oder Fresenius Medical Care. Antizyklisch zu investieren bedeutet hier, diese Aktien noch in der Aufschwungphase zu kaufen und darauf zu vertrauen, dass die Nachfrage danach erst steigt, wenn es mit der Konjunktur wieder bergab geht.

 

Manche Investoren betrachten das antizyklische Investieren über weitaus größere Zeiträume als nur über einen Konjunkturzyklus. Sie beschäftigen sich mit Gütern und Technologien, die womöglich aktuell weniger angesagt sind, in Zukunft aber verstärkt gefragt sein könnten. So kaufte Warren Buffett im Jahr 2009 ausgerechnet Eisenbahnaktien. Und das in den USA, wo Auto und Flugzeug bei weitem die wichtigsten Fortbewegungsmittel sind! Ob er mit seiner Prognose recht behält, dass bald wieder Schienen das ganze Land durchziehen und riesige Gütermengen auf Gleisen hin- und herbewegt werden?

 

Buffetts Investition zeigt, dass diese Anlegeform nichts für Ängstliche ist. Denn ein Anleger braucht eine gute „Spürnase“ für kommende Trends oder für das Auf und Ab der Konjunktur. Wer Angst davor hat, mit seiner Prognose falschzuliegen und dadurch unnütz Geld zu verbrennen, für den ist das antizyklische Investieren eher weniger geeignet.

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Index Investing heißt: Ein Anleger bildet mit seinem Depot die Zusammensetzung eines Aktien- oder Rentenindex nach. Dazu kauft er den entsprechenden Indexfonds oder gleich mehrere verschiedene Fonds.
  • Beobachtung leicht gemacht: Wer in einen Index investiert, kann dessen Wertentwicklung börsentäglich verfolgen.
  • Index Investing ist ein kostengünstiges Investment, bringt aber nie überdurchschnittliche Ergebnisse.
  • Antizyklisch investieren heißt: Eine Aktie wird dann gekauft, wenn sie gerade nicht gefragt ist.
  • Konjunktursensible Aktien sollten während einer Flaute und konjunkturunabhängige eher während eines Konjunkturaufschwungs gekauft werden.
  • Beim antizyklischen Investieren ist ein gutes Näschen für Trends unerlässlich.

Kommentare
von
am ‎01.04.2015 01:17

Alternativ zu Indexfonds gibt es auch Indexzertifikate. Bei den Indizes sollte man beachten, dass z.B. der Dax ein Performaneindex ist, während der Dow Jones ein Kursindex ist. 

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