Wissen

... statt vermuten

abbrechen
Suchergebnisse werden angezeigt für 
Stattdessen suchen nach 
Meintest du: 

Anlagestrategien im Vergleich (Teil I): Value Investing und Dividendenstrategie

 

Wer strategisch anlegt, erzielt die höheren Gewinne. Hier finden Sie die wichtigsten Chancen und Risiken von Value- und Dividendenstrategie.

 

Wer sein Geld an der Börse strategisch anlegt, hat die Nase vorn. Denn eine Strategie ist nichts anderes als eine Entscheidungshilfe, die teure Fehler, nämlich irrationale Fehlentscheidungen, verhindert. Zwei der beliebtesten Strategien bei Anlegern sind das Value-Investing und die Dividendenstrategie. Dieser Beitrag zeigt, wo bei beiden Strategien die Chancen und Risiken liegen.

 

Value Investing und Dividendenstrategie.jpg


Systematisch unterbewertete Aktien kaufen: Value-Investing


Das Prinzip lautet: Kaufe eine werthaltige Aktie dann, wenn sie an der Börse systematisch unterbewertet ist (Das englische Wort „value“ heißt übrigens übersetzt nichts anderes als „Wert“). Früher oder später wird der Börsenkurs einer solchen Aktie steigen. Die Value-Strategie hat Warren Buffett zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht.


Was aber heißt „unterbewertet“? Benjamin Graham, Buffetts Lehrer und der Begründer der Value-Strategie, ging davon aus, dass jede Aktie einen fairen, inneren Wert hat. Also einen Wert, der die künftigen Gewinnaussichten des betreffenden Unternehmens angemessen widerspiegelt.

 

Die Kunst besteht nun darin, eine Aktie dann zu kaufen, wenn ihr Kurs deutlich unter diesem inneren Wert liegt. So etwas kommt an den Börsen häufig vor: Aktionäre vernachlässigen manche Aktien, etwa weil gerade andere Aktien in Mode sind oder weil sie bestimmte „Perlen“ noch nicht entdeckt haben.

 

Value Investing.jpg

 

Wie aber lässt sich eine solche Unterbewertung feststellen? Ganz einfach – durch Kennzahlen. Typische Kennzahlen, auf die Value-Investoren schauen, sind folgende:


Kurs-Gewinn-Verhältnis


Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, errechnet sich aus dem Aktienkurs geteilt durch den Gewinn pro Aktie. Es ist ein charakteristischer Wert, um eine Aktie zu beurteilen. Eine Faustregel besagt: Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie und desto wahrscheinlicher ist somit eine Unterbewertung. Vereinfacht gesagt drückt das KGV die Anzahl der Jahre aus, die ein Anleger warten muss, bis sich ein Aktieninvestment lohnen wird – unter der Voraussetzung, dass die Gewinne nicht schwanken.


Beispiel: Angenommen, Sie interessieren sich für deutsche Automobilwerte. Das KGV 2014 von Daimler-Aktien liegt bei knapp zehn, das von BMW-Stammaktien bei etwas über neun und das von Volkswagen-Stammaktien zwischen sieben und acht. Bei der KGV-Betrachtung ist daher aktuell Volkswagen am günstigsten.


Beachten Sie: Viele Value-Investoren kaufen ausschließlich Titel mit einem KGV von unter zehn. Aber es ist nur sinnvoll, die Kennzahlen von Aktien einer Branche miteinander abzuwägen und nicht eine Automobilaktie wie Daimler mit einer Versicherungsaktie wie Allianz oder dem Wertpapier eines Nahrungsmittelkonzerns wie Nestlé zu vergleichen.


Gewinnentwicklung (Jahresüberschuss oder EBIT)


Value-Investoren mögen solide Aktiengesellschaften, die möglichst stetigen Gewinn abwerfen. Deshalb sehen sie sich die Gewinnentwicklung genau an. Der Gewinn wird in deutschen Aktiengesellschaften als „Jahresüberschuss“ ausgewiesen, international weitaus gebräuchlicher ist aber der Begriff „EBIT“ („Earnings before Interest and Taxes“ = Gewinn vor Zinsen und Steuern).


Betrachten Sie also für eine Einschätzung der Entwicklung den Jahresüberschuss bzw. alternativ den EBIT pro Aktie. Diese Gewinngröße sollte in den zurückliegenden Jahren möglichst stetig gewachsen sein. Starke Schwankungen oder einzelne Verlustjahre sind nur bei zyklischen Aktiengesellschaften hinnehmbar, also solchen, die stark von der Konjunktur abhängen. Insgesamt sollten jedoch die Gewinne steigen und nicht schrumpfen.


Dividendenrendite


Um die Dividendenrendite zu errechnen, wird einfach die Dividende pro Aktie durch den Aktienkurs geteilt und mit 100 Prozent malgenommen. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl, die betrachtet werden kann wie eine Art Zinssatz, den ein Aktieninvestment abwirft. Dabei ist völlig klar: Drei Prozent sind besser als zwei, vier Prozent sind besser als drei und fünf Prozent sind besser als vier. Meistens gilt: Aktiengesellschaften, die hohe Dividendenrenditen abwerfen, sind auch werthaltig und damit für Value-Investoren geeignet.

 

Dividendenstrategie.jpg


Aktien mit den höchsten Ausschüttungen kaufen: Dividendenstrategie

 

Die oben geschilderte Dividendenrendite ist auch der Ausgangspunkt für eine weitere Strategie, die dem Value-Investing im Prinzip recht ähnlich ist: die sogenannte Dividendenstrategie. Gezielt suchen sich dabei Anleger diejenigen Aktien heraus, die im Verhältnis zum Kurs die höchsten Dividendenausschüttungen bieten. Sie betrachten die Aktie dann als eine Art Ersatz für Zinspapiere und spekulieren weniger auf rasante Kursgewinne als vielmehr auf rentable laufende Ausschüttungen.

 

Zum Hintergrund: Im langjährigen Durchschnitt bieten Dax-Aktien eine Dividendenrendite von zweieinhalb Prozent im Jahr. Wenn Sie sich aber die Liste der dividendenstärksten DAX-Aktien ansehen, können Sie schnell feststellen: Bei einzelnen ist deutlich mehr drin. So zum Beispiel 2014 bei der Münchener Rück mit etwa fünf Prozent oder bei der Deutschen Börse AG mit immerhin rund vier Prozent. Wer gezielt Aktien mit nachhaltig hohen Dividendenrenditen aussucht, macht damit gute Gewinne.

 

Doch Vorsicht: Die Dividendenrendite ist auch hoch, wenn der Kurs einer Aktie im Keller ist. Deshalb sollten Sie sich bei der Aktienauswahl nie allein die Dividendenrendite ansehen, sondern stets auch die Gewinnentwicklung der vergangenen drei bis fünf Jahre in Ihre Überlegungen einbeziehen. Steigen die Gewinne – gut! Sinken sie, dann ist die hohe Dividendenrendite auch für Fans der Dividendenstrategie kein Kaufanreiz.

 

Aufpassen sollten Sie außerdem bei Aktiengesellschaften, die fast ihren ganzen Gewinn ausschütten – oder sogar noch mehr. Denn denen fehlt bei einer solchen Ausschüttungspolitik das Geld für laufende Investitionen, etwa in Anlagen, Maschinen, neue Gebäude oder Produktionsstandorte. Deshalb sollten Sie auch die Ausschüttungsquote im Auge haben, wenn Sie ein dividendenstarkes Papier kaufen wollen.

 

Demnach sind also nicht die höchsten Ausschüttungen Trumpf, sondern die nachhaltig gezahlten. Unternehmen entwickeln sich gut oder sehr gut, wenn sie regelmäßig Dividende zahlen. Die Dividende sollte dabei entweder gleich bleiben oder steigen. Muss ein Unternehmen die Dividende aussetzen oder kürzen geht das in der Regel mit hohen Kursverlusten einher.

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Value-Strategie heißt: Kaufen Sie systematisch unterbewertete, aber werthaltige Aktien. Diese nähern sich früher oder später ihrem fairen Wert an.
  • Durch Value-Investing wurde Warren Buffet zu einem der reichsten Männer der Welt.
  • Die Value-Strategie ist etwas für Langfrist-Anleger.
  • Die Dividendenstrategie betrachtet eine Aktie ähnlich wie ein Zinspapier: Je höher die Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs, desto besser das Investment.
  • Die Dividendenstrategie hilft häufig, solide, substanzhaltige Aktien zu identifizieren.
  • Bei der Dividendenstrategie müssen sich Anleger allerdings vor Aktien mit schlechter Kursentwicklung hüten.
4 Kommentare

Neu hier!

Bereits die stets wechselnde Wortwahl für Begriffe mit gleichem Bezug, wie etwa "Value Strategie" oder "Value Investing", zeigt sich besonders im Bereich des Handels mit Wert-

papieren, wofür ja bereits für "Handel" auch das Wort "Trading" zu Wahl steht.  Außerdem zeigt der Hinweis, dass bei der Dividendenstrategie  der "Anleger" oder Investor sich 

"vor Aktien mit schlechter Kursentwicklung hüten" sollen. Heißt wohl: Wer mit hohen Dividenden lockt will vieleicht auch nur mangelndeneine "Gewinnentwicklung"  verbergen. Dafür bürgt dann dann der "Jahresüberschuss",  wofür auch der "der EBIT pro Aktie" steht.

Schließlich hilft zur Klärung der Begriffe auch der Hinweis auf Warren Buffet durch Value Investing "zu einem der reichsten Männer der Welt" wurde. Hierzu der Kommentar eines  der bekanntesten Männer der Welt, nämlich Johann Wolfgang Goethe in seinem Prolog zum Faust: "Suchet die Menschen zu verwirren, denn sie zu belehren ist schwer"


Häufiger Besucher

Von Goethe ist dieser Satz - glaube ich - nicht, sondern wahrscheinlich von Seniornick 🙂

Im "Faust" heißt es vielmehr: "Sucht nur die Menschen zu verwirren, sie zu befriedigen, ist schwer."

Im Übrigen finde ich den obigen Beitrag über Value- und Dividendenstrategie hilfreich und informativ, keineswegs verwirrend.


Häufiger Besucher

ich habe kurz eine Frage:

Wo kann ich die Termine für die Zahlung der  Dividenden  erfahren.

Danke für entspr. Hinweise

 


Moderator

Hallo Servatius,


vielen Dank für Ihre Frage. In unserem aktuellen Blog-Artikel “Dividenden: Das entscheidende Renditeplus für Ihr Aktiendepot?“ finden Sie weiterführende Informationen zum Thema Dividendenstrategie. Des Weiteren wird dort auf die neue Ausgabe der Zeitschrift „MyDividens“ (PDF) verlinkt, die Sie kostenlos herunterladen können. In dieser Zeitschrift finden Sie unter anderem Informationen zu Ausschüttungen (Termine) der DAX-Unternehmen im Jahr 2015.


Schönes Wochenende vorab und viele Grüße
Elena Engelmann
Online Team