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Anlageentscheidungen: Was macht das Fondsmanagement?

Bei Investmentfonds stellt die Verwaltungsvergütung oder Management Fee einen wichtigen Kostenfaktor dar. Doch was macht das Management überhaupt? Diese Frage stellen sich viele Anlegende bei der Entscheidung zwischen einem ETF und einem aktiv gemanagten Investmentfonds. Während Erstere nur einen Index nachbilden, werden bei Letzteren bewusste Anlageentscheidungen getroffen. Ein Ziel: die Wertentwicklung des Marktes  und somit auch die eines Vergleichsindex, (auch bekannt als Benchmark), zu übertreffen.

Doch eine mögliche Outperformance fällt nicht vom Himmel, sondern wird dem Markt mühevoll abgerungen. Wir nehmen unter die Lupe, wie das Management eines Fonds dabei vorgeht.

 

Anlageentscheidungen in einem strategischen Rahmen

 

Das Fondsmanagement ist nicht vollkommen frei in seinen Entscheidungen. Es gibt Vorgaben, in welchem Rahmen investiert werden kann. Diese sind individuell für jeden Fonds entsprechend seiner Anlagestrategie festgelegt. Sie vermitteln den Anlegenden einen Eindruck und somit im gewissen Rahmen eine Erwartbarkeit, wie ihr Geld angelegt wird. Das ermöglicht die Auswahl eines passenden Produkts, das zu den persönlichen Zielen und der Risikoneigung passt. Wichtig sind dabei im Besonderen zwei Punkte:

 

  • Die Anlagestrategie: Die beiden populärsten Anlagestile sind Value Investing und Growth Investing. Bei Ersterem zielt das Management darauf ab, günstig bewertete Unternehmen zu finden. Bei Letzterem liegt der Fokus auf solchen mit einem hohen Wachstumspotenzial. Neben dem Stil geben aber noch viele weitere fest geschriebene Vorgaben zusammen die Strategie, wie der angestrebte Anlageerfolg erreicht werden soll.
  • Das Anlageuniversum: In welchen Regionen und Branchen legt der Fonds an? Hier reicht das Spektrum von global orientierten Varianten, die in sämtliche Branchen investieren, bis hin zu solchen mit strikten Vorgaben. So könnte das Anlageuniversum auf Technologiewerte aus den USA beschränkt sein.

Aufgrund von Strategie und Anlageuniversum lässt sich häufig ein geeigneter Vergleichsindex auswählen, den es zu übertreffen gilt. Dabei hat das Fondsmanagement Sorge zu tragen, einen sogenannten Style Drift zu vermeiden, ein Abweichen von den strategischen Vorgaben.

 

Wie trifft das Fondsmanagement Anlageentscheidungen?

 

Auf den ersten Blick besteht die Aufgabe des Fondsmanagements „nur“ darin, vielversprechende Wertpapiere, beispielsweise Aktien, auszuwählen. Bei genauem Hinsehen steckt dahinter aber ein komplexer Prozess. Ein Teil ist hierbei die fortlaufende Analyse von Märkten und Einzelwerten, die Betrachtung makroökonomischer Faktoren sowie unternehmensspezifischer Kriterien. Darüber hinaus spielt neben der Auswahl lohnenswerter Investments deren Gewichtung innerhalb des Fondsportfolios eine wichtige Rolle: Optimal bemessene Positionsgrößen sind eine Voraussetzung, um eine Outperformance zu erreichen ohne unnötige und zu große Risiken einzugehen. Typische Hilfsmittel, zu denen das Fondsmanagement bei diesem Entscheidungsprozess greift, sind:

 

  • Vom Fondsmanagement in Auftrag gegebene Untersuchungen und Studien: Diese dienen beispielsweise dazu, das mögliche Entwicklungspotenzial bestimmter Regionen oder Branchen frühzeitig zu erkennen und einzuschätzen.
  • Bewertung der Geschäftsmodelle von Unternehmen: Vor allem bei Wachstumswerten stellt sich die Frage, wie tragfähig die zugrunde liegenden Konzepte sind – und welche Wachstumsaussichten bestehen.
  • Analyse von Finanzkennzahlen: Die harten Daten wie etwa Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Gesamtkapitalrentabilität, Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Insbesondere bei wertorientierten Strategien muss das Fondsmanagement darauf achten, nicht in sogenannte Value traps zu tappen. Darunter sind Aktien zu verstehen, die nur auf den ersten Blick günstig erscheinen – es aber nicht sind.
  • Meetings mit den Unternehmensführungen: Viele Fondsmanager und Fondsmanagerinnen belassen es nicht beim Studium der bloßen Zahlen. Sie verschaffen sich einen persönlichen Eindruck vor Ort und sprechen dort mit dem Management der Firmen.

Je nach Art des Fonds spielt darüber hinaus die Vermögensallokation im Hinblick auf makroökonomische Veränderungen eine Rolle. Ein anschauliches Beispiel sind Mischfonds, bei denen das Management die Anteile von Aktien und Anleihen je nach erwarteter Zinsentwicklung steuert.

Das Fondsmanagement nimmt Ihnen im Gegensatz zu einer Direktanlage also nicht nur die Auswahl von Wertpapieren ab. Der Mehrwert besteht insbesondere auch in einer durchdachten Strukturierung des Portfolios und darin, diese entsprechend sich ändernder Bedingungen gegebenenfalls anzupassen. Somit müssen Sie die Märkte nicht ständig beobachten und – fast noch wichtiger – sich im Vorfeld kein spezifisches Know-how aneignen. Darüber hinaus stehen den Fonds Informationskanäle offen, auf die Privatanlegende keinen Zugriff haben, beispielsweise das persönliche Gespräch mit Unternehmensleitungen.

 

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Die Rolle von Gewichtung und Risikomanagement

 

Die bereits angesprochene Gewichtung einzelner Anlagen innerhalb des Fondsvermögens ist auch ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements. Denn das Ziel der Fondsleitung besteht nicht allein darin, eine Überrendite zu erreichen, sondern eine Überrendite in Relation zum eingegangenen Risiko. Drei wichtige Stichpunkte in diesem Zusammenhang sind:

 

  • Korrelation: Umso stärker die Wechselbeziehung der Kurse von Wertpapieren, desto größer ist die Gefahr, dass sie sich gleichzeitig nach unten bewegen. Soweit möglich, ist das Fondsmanagement deshalb bestrebt, eine zu starke Konzentration auf einzelne Regionen, Branchen oder Einzelwerte zu vermeiden. Fonds, die nur in eine Region oder Branche investieren, sind deshalb von Haus aus risikoreicher. In puncto Diversifikation hat das Management hier prinzipbedingt weniger Handlungsspielraum. Gleichzeitig steigt allerdings das benötigte Know-how in Bezug auf die Branche oder Region.
  • Volatilität: Bei der Gewichtung von Einzelwerten gilt es, neben dem möglichen Kurspotenzial auch die Schwankungsbreite im Auge zu behalten. Zu große Positionen in sehr volatilen Einzelwerten würden das Risiko überproportional in die Höhe treiben. Die Volatilität selbst ist ebenfalls nicht statisch. Ändert sich deutlich, ist unter Umständen eine Anpassung der Größe der gehaltenen Position erforderlich.
  • Marktliquidität: Ebenso muss das Fondsmanagement darauf achten, wie schnell sich Positionen bei Bedarf wieder veräußern lassen. Ein Verkauf eines marktengen Nebenwerts mit geringen Tagesumsätzen beansprucht beispielsweise mehr Zeit als der eines großen Blue Chips.

Darüber hinaus definieren Fonds in der Regel Ausstiegskriterien für die gehaltenen Papiere. Dies kann beispielsweise eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Kennzahlen unterhalb gewisser Schwellen und/oder ein maximal akzeptabler Wertverlust einer Position sein.

Ausführung von Käufen und Verkäufen durch den Trading Desk

 

Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch mit einem Mythos aufräumen: Fondsmanager und Fondsmanagerinnen kaufen nicht eigenhändig Wertpapiere. Ist eine Entscheidung zum Kauf oder Verkauf eines bestimmen Papiers gefallen, wickelt der sogenannte Trading Desk diesen ab. Auch dies ist mit einem gewissen Aufwand verbunden: Anders als Privatanleger können Fonds aufgrund ihrer Größe Positionen in der Regel nur schrittweise auf- und abbauen. Die Stückelung in viele kleinere Orders verhindert, dass der Fonds den Markt zu seinen Ungunsten bewegt. Heute greifen die Trader eines Fonds häufig zu algorithmischen Strategien, um möglichst günstige Kurse zu erzielen.

 

Performance: Wie lässt sich die Qualität eines Fondsmanagements bewerten?

 

Stellt sich am Schluss noch die Frage: Wie lässt sich die Leistung des Fondsmanagements objektiv bewerten? Ein einfaches Hilfsmittel für Anlegende ist beispielsweise das Morningstar-Rating. Es bezieht nicht nur die Rendite, sondern die Rendite im Vergleich zum Risiko ein. Diese wird anschließend mit anderen Fonds im Sektor verglichen – und entsprechend der Platzierung erhält der Fonds einen bis fünf Sterne. Auf diese Weise gewinnen Sie im Handumdrehen einen Eindruck von der bisherigen Performance die das Management eines Fonds im Vergleich zur Konkurrenz historisch erwirtschaften konnte.

Unsere Top-Fonds, die vier oder fünf Morningstar-Sterne besitzen, zählen zum besten Zehntel beziehungsweise besten Drittel jeweils vergleichbarer Fonds. Ausgewählt werden diese von den Fonds-Experten der Consorsbank unter anderem basierend darauf, wie konsistent das Fondsmanagement den Investmentansatz in der Vergangenheit umgesetzt hat.

Konnten wir mit unserem Artikel den Schleier rund um das Thema Fondsmanagement lüften? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

 

Fazit

 

  • Das Fondsmanagement trägt dafür Sorge, eine klar definierte Strategie umzusetzen.
  • Dazu wählt es innerhalb des vorgegebenen Anlageuniversums aussichtsreiche Wertpapiere aus.
  • Gleichzeitig muss es das gesamte Portfolio des Fonds im Auge zu behalten, um das Rendite-Risiko-Verhältnis zu optimieren.
  • Mittels des Morningstar-Ratings lässt sich die bisherige Qualität und Performance eines Fonds einschätzen.