Anhaltende Kursverluste an der Börse in Shanghai

von ‎13.07.2015 10:47 , bearbeitet ‎13.07.2015 10:48
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Peking stemmt sich gegen anhaltende Kursverluste an Chinas Börsen. Was sind die Hintergründe? Welche Maßnahmen sind geplant? Lesen Sie hier die Einschätzung unseres Experten und Anlagestrategen Carsten Riedel.


Die zum Teil auch von der chinesischen Regierung in Peking ausgelöste Kursrallye an der Börse in Shanghai fand Mitte Juni ein abruptes Ende. Auslöser waren Nachrichten, dass die staatlich kontrollierte Investmentgesellschaft Central Huijin Investment, Anteile an vier heimischen Top-Banken, anderen Finanzinstituten sowie ETFs verkauft hat. In den vergangenen Wochen verlor der Leitindex CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten rund 30% an Wert. Zuvor waren die Börsenkurse steil gestiegen und hatten sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

 

In gewisser Weise werden die chinesischen Behörden die Geister nicht mehr los, die sie selbst riefen. Vor gerade einmal einem Jahr dümpelten die Aktienmärkte mehr oder weniger lustlos vor sich. Peking hoffte eine Rallye am Aktienmarkt könnte der Wirtschaft einen Schub verleihen und notwendige Wirtschaftsreformen würden dadurch beschleunigt.

Deshalb fing die Politik an die Leitzinsen zu senken und internationalen Investoren so viel Zugang zu einheimischen Kapitalmärkten einzuräumen wie nie zuvor. Anleger vor Ort werteten die internationale Begeisterung für chinesische Aktien als Vertrauensbeweis.

 

Börse in Shanghai.jpg  

Rolle der Privatanleger

 

In China mischen private Kleinanleger beim Wetten und Geldanlegen kräftig mit. So machen diese über drei Viertel der Transaktionen an den dortigen Aktienmärkten aus. Der “kleine Mann” war dort die Stütze des Börsenaufschwungs. Deswegen ist nun auch eine relativ breite Bevölkerungsschicht von den Kursverlusten betroffen. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass sich diese Anleger teilweise sogar verschuldeten um am Aktienmarkt zu spekulieren. Somit steht ihnen in der Zukunft weniger Geld zur Verfügung, was sich negativ auf ihr Konsumverhalten auswirken könnte. Aber auch einheimische Unternehmen konnten der Versuchung nicht widerstehen und stiegen mit kreditfinanzierten Aktienkäufen in den Markt ein.


Während die kreditfinanzierten Aktienkäufe, die sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verfünffacht hatten, für einen Großteil der Kursverluste verantwortlich gemacht werden, hat die Regierung in diesem Zeitraum nichts unternommen, um Investoren davon abzuhalten, sich mehr Geld für Aktienkäufe zu leihen.

 

Maßnahmen der Regierung und der Aufsichtsbehörden

 

Der zeitweise dramatische Züge annehmende Kursverfall der letzten Tage zeigt einen gewissen Mangel an Investorenvertrauen in die teils aggressiven Schritte der Regierung und Aufsichtsbehörden die Abwärtsbewegung zu stoppen. So kündigte ein Sprecher der Börsenaufsicht CSRC an, dass Manipulationen aufgespürt würden, die Zahl der geplanten Börsengänge und Kapitalerhöhungen reduziert und das Engagement langfristig orientierter Anleger gestützt werden solle, um die Kurse zu stabilisieren. Zudem ordnete die Wertpapieraufsicht an, dass Anteilseigner, die Beteiligungen von mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, ihre Aktien in den nächsten sechs Monaten nicht veräußern dürfen. Darüber hinaus zwingen Banken und Treuhänder Kreditnehmer Positionen zu liquidieren.

 

Rund die Hälfte aller gelisteten Aktien ist allerdings schon vom Handel ausgenommen. Die Zahl der chinesischen Unternehmen, die angesichts der starken Kursrückgänge nicht mehr gehandelt werden wollen oder sollen, stieg nach letzten Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg um 194 auf 1439.

 

Anhaltende Kursverluste an chinesischen Börsen_ Maßnahmen und Hintergründe.jpg 

Weitere Stabilisierungsversuche

 

Um den Markt weiter zu stabilisieren, sollen große Staatsunternehmen wie der Ölkonzern Sinopec auch im großen Stil eigene Aktien zurückkaufen. Chinas führende Broker und Fonds-Anbieter wollen laut eigenen Angaben die heimischen Aktien-märkte nach dem Kurseinbruch der vergangenen Wochen ebenfalls zu deren Stabilisierung beitragen. Die 21 größten Börsenmakler des Riesenreichs kündigten an zur Stützung des Handels gemeinsam umgerechnet mindestens 17,3 Milliarden Euro in Wertpapiere zu investieren.

 

Die Turbulenzen an Chinas Börsen werden an den internationalen Märkten mit Sorge verfolgt, da langfristige Auswirkungen auf das Wachstum und die geplanten wirtschaftlichen Reformen im Reich der Mitte befürchtet werden. Dies wiederum könnten potentielle Investoren abschrecken und Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen im Land überdenken lassen.

 

Fazit

 

Auch wenn sich die Lage in den letzten zwei Tagen etwas zu beruhigen scheint, zeigen sich viele Marktbeobachter von der Nachhaltigkeit der jüngsten Kurserholung weiterhin nicht überzeugt. Dies nicht zuletzt auf Grund der hohen Zahl der derzeit vom Handel ausgesetzten Aktien. Aus charttechnischer Sicht befinden sich die chinesischen Börsen angesichts der Verluste der letzten Wochen in einem intakten Bärenmarkt. Mit einem Engagement sollte daher noch gewartet werden.

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