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Altersvorsorge im Studium - das sollten Studierende wissen

von ‎11.10.2016 14:12 , bearbeitet ‎11.10.2016 14:18
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Im Studium scheint der Ruhestand noch weit weg. Warum es sich lohnt, früh an Vorsorge zu denken und welche Möglichkeiten es gibt.

 

Studierende haben oftmals andere Sorgen, als sich Gedanken um die Rente zu machen. Dabei ist aufgrund der sinkenden Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung das Thema Rente schon im Studium relevant. Zugegeben, wer sich mit BAföG oder Nebenjobs gerade über Wasser hält, denkt nicht an das Sparen für das Alter. Sollte Geld übrig sein, wird es vielleicht eher für einen kleinen Urlaub, die erste Wohnung nach dem Wohnheim oder ein Auslandssemester angespart. Doch es gibt handfeste Gründe, bereits im Studium für das Alter vorzusorgen.

 

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Mehr Zeit – mehr Rente

 

Ein wichtiger Faktor für die private Altersvorsorge ist der richtige Zeitpunkt. Wer bereits mit 20 Jahren beginnt, für die Rente zu sparen, muss für die gleiche Rentenhöhe viel weniger Geld aufwenden als jemand, der erst 10 oder 15 Jahre später beginnt. Studenten straft die Zeit: Sie steigen später in den Beruf ein und zahlen während des Studiums in der Regel nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Der Zeitraum für die Einzahlungen verkürzt sich deshalb bis zum Rentenalter erheblich. Das sinkende Rentenniveau erfordert außerdem eine gute private Vorsorge: Auch hier starten Studenten später und verlieren durch den kürzeren Effekt von Zins und Zinseszins im Vergleich zu denjenigen, die früher mit der Altersvorsorge begonnen haben. Ein Beispiel: Angenommen, man möchte sich bis zum gesetzlichen Rentenalter von derzeit 67 Jahren ein Vermögen von 100.000 Euro ansparen. Jemand, der bereits mit 20 Jahren zu einem Zins von 1,5% einmalig Geld zur Seite legt, muss dafür 49.570 Euro anlegen. Ein Student hingegen, der beispielsweise mit Mitte 20 in das Berufsleben einsteigt und deshalb erst mit 30 Jahren beginnt, für das Alter zu sparen, muss für dieselbe Summe unter denselben Konditionen 57.644 Euro anlegen. Beginnt man erst mit 40 Jahren, muss man schon 66.898 Euro zur Seite legen. Daher ist es sinnvoll, sich bereits während des Studiums um die Rente zu kümmern.

 

Studenten in der gesetzlichen Rente

 

56% der Studenten finanzieren sich ihr Studium unter anderem durch einen Nebenjob. Wer dabei einen Minijob vor dem 01. Januar 2013 aufgenommen hat, dessen Gehalt 400 Euro im Monat nicht übersteigt, muss als Arbeitnehmer keinen Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten. Hier zahlt nur der Arbeitgeber mit 15% in die gesetzliche Versicherung ein. Es gibt jedoch die Möglichkeit, die Rente freiwillig aufzustocken und so die eigenen Rentenansprüche zu erhöhen. Der Arbeitnehmer zahlt dann selbst 3,7% in die Rentenversicherung ein. Bei Minijobs, die nach dem 01. Januar 2013 aufgenommen wurden, besteht eine grundsätzliche Rentenversicherungspflicht, das heißt der Arbeitnehmer beteiligt sich grundsätzlich mit den 3,7% an den Rentenbeiträgen. Hier besteht wiederum die Möglichkeit, sich als Arbeitnehmer jederzeit von der Versicherungspflicht befreien zu lassen.

 

Wer als Student ein Einkommen zwischen 450,01 und 850 Euro aufweisen kann, befindet sich in der sogenannten Gleitzone. Hier zahlt der Arbeitnehmer nur einen reduzierten Beitragsanteil, so wird das Nettoeinkommen erhöht. Der genaue Betrag wird mit Hilfe einer Formel ermittelt. Der Arbeitgeber profitiert nicht von der Gleitzone und zahlt den vollen Betrag. Auch hier besteht die Möglichkeit, freiwillig den vollen Beitrag zu zahlen.

 

Ob sich die freiwillige Aufstockung lohnt, muss immer im Einzelfall betrachtet werden. Bei einem Minijob sollte dabei weniger die Erhöhung des gesetzlichen Rentenanspruchs im Vordergrund stehen, sondern folgende Vorteile:

 

  • Zugang zum vollen Leistungsspektrum der Rentenversicherung
  • Der Minijobber erwirbt vollwertige Pflichtbeitragszeiten. Somit wird die Beschäftigungszeit in vollem Umfang für die Erfüllung der verschiedenen Wartezeiten berücksichtigt. Diese Pflichtbeitragszeiten sind unter anderem ausschlaggebend für einen früheren Rentenbeginn, Anspruch auf Rehabilitationsmaßnahmen oder Rente wegen Erwerbsminderung.
  • Unmittelbarer Anspruch auf die Riester-Förderung.

 

In der Gleitzone ist die einzige Folge der Aufstockung die Erhöhung des Rentenanspruchs. Die anderen genannten Vorteile werden bereits durch die ermäßigten Beiträge erreicht. Aus diesem Grund ist die Aufstockung in der Gleitzone oftmals eher uninteressant.

 

Riester für Studenten

 

Auch wenn das Geld knapp ist: Ein Riestervertrag kann während des Studiums sehr lohnend sein. Zwar sind Studierende nicht automatisch förderberechtigt, aber tatsächlich ist der Zugang zu Riester im Studium vergleichsweise leicht.

 

  • Zulagenberechtigt ist in der Regel, wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, zum Beispiel im Rahmen eines Ferienjobs oder einer Werkstudententätigkeit mit einem Einkommen von mehr als 450 Euro im Monat.
  • Auch wer kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen hat, wie zum Beispiel ein Mini-Jobber, kann unter Umständen einen Riestervertrag abschließen. Sie müssen dazu freiwillig auf die Sozialversicherungsfreiheit verzichten und den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung aus eigener Tasche aufstocken.
  • Studierende, die mit einem direkt förderberechtigten Partner (z. B. Arbeitnehmer) verheiratet sind, sind ebenfalls förderberechtigt.

 

Das Aufstocken der Rentenversicherungsbeiträge kostet nicht viel, so ergeben sich bei einem 400-Euro-Job beispielsweise ca. 15 Euro im Monat, aber es lohnt sich doppelt. Die später zu erwartende gesetzliche Rente steigt und Sie erhalten Zugang zur staatlichen Riester-Förderung.

 

  • Um die volle Förderung vom Staat zu erhalten, müssen die Versicherungsnehmer mindestens vier Prozent ihres Bruttoeinkommens für die Rente sparen. Die meisten Studierenden verdienen so wenig dazu, dass sie lediglich den Sockelbeitrag von 60 Euro pro Jahr einzahlen müssen.
  • Dafür steht ihnen die Grundförderung von 154 Euro zu. Das heißt: bei einem Jahreseinkommen von 6.000 Euro ergibt sich eine Sparsumme von 240 Euro. Hier erhält der Student 154 Euro staatliche Zulage, das bedeutet für die Sparsumme von 240 Euro muss der Student lediglich 86 Euro selbst aufwenden.
  • Schließen Studenten den Riestervertrag vor dem 25. Geburtstag ab, gibt es außerdem einen einmaligen Bonus von 200 Euro.
  • Selbstverständlich erhalten auch Studierende die zusätzliche Förderung für Kinder. Im Studium bekommen sie für jedes Kind, für das sie Kindergeld erhalten und das ab dem Jahr 2008 geboren ist, 300 Euro jährlich. Für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, gibt es immerhin 185 Euro Förderung.

 

Ein Riestervertrag ist wegen der im Vergleich zum eigenen Beitrag hohen Förderung für Studierende sehr interessant. Es stehen verschiedene Modelle zur Auswahl. Die Entscheidung sollte mit Bedacht gefällt werden, da die garantierte Rentenzahlung je nach Anbieter sehr unterschiedlich ausfällt.

 

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Tagesgeld oder Banksparpläne

 

Wer die Disziplin aufbringt, das zurückgelegte Geld nicht anzutasten, kann auch auf diesem Weg bereits im Studium für die Rente vorsorgen. Selbst Aktien können eine gute Wahl sein. Ebenso wie für Arbeitnehmer oder Selbstständige gilt auch für Studenten, dass es nicht die einzig richtige Strategie gibt. Daher sollten sich Studierende die folgenden Fragen stellen:

 

  • Für welchen Zeithorizont kann auf das Geld verzichtet werden? Es ist etwas anderes für die Altersvorsorge, als für einen Urlaub oder ein Auto zu sparen. Geld für die Altersvorsorge steht tatsächlich erst ab einem Alter von 60 oder 65 Jahren wieder zur Verfügung.
  • Sparen für die Rente bedeutet Konsumverzicht heute. Können Sie damit umgehen?
  • Wie viel Geld steht Ihnen monatlich zur Verfügung?
  • Welchen finanziellen Rahmen benötigen Sie auf jeden Fall, auch wenn das Einkommen einmal schlechter wird?
  • Wie risikobereit sind Sie?

 

Ist gar kein Budget für die Altersvorsorge übrig, ist das Sparen für die Rente im Studium äußerst schwierig. Dennoch ist in diesem Lebensabschnitt auch schon mit kleinen Beträgen eine sinnvolle Altersvorsorge möglich.

 

Fazit:

 

  • Auch Studenten sollten an die Altersvorsorge denken.
  • Die Zeit ist ein wichtiger Faktor, der sich nie wieder aufholen lässt.
  • Riester bietet hohe Zulagen bei vergleichsweise wenig Aufwand.
  • Die lange Sparzeit bis zur Rente macht auch kleine Beträge ab etwa 10 Euro monatlich sinnvoll.
  • Bereits während des Studiums lässt sich eine solide Basis aufbauen.

 

Wie halten Sie es als Student mit der Altersvorsorge? Sparen Sie bereits für Ihren Lebensabend oder machen Sie sich um die Rente noch gar keine Gedanken? Diskutieren Sie mit uns und anderen Lesern!