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Allyouneed – ein gescheitertes Projekt der DHL

von am ‎08.11.2018 08:58
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DHL stellt den Betrieb der Handelsplattform Allyouneed zum Jahresende ein und verkauft AllyouneedFresh.

 

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass der DHL-Konzern die von ihm betriebene Handelsplattform Allyouneed zum Ende des Jahres einstellen wird. Die Veröffentlichung dieser Neuigkeit erfolgte kurz nach der Information über das Ende von DaWanda. Dessen Händler wurden aufgefordert, ihre Angebote automatisch auf die Handelsplattform des US-amerikanischen Wettbewerbers etsy weiterleiten zu lassen. Darüber hinaus beendet die DHL ebenfalls das Projekt AllyouneedCity, das – ähnlich wie eBay Kleinanzeige – als regionale Plattform konzipiert war. DHL versuchte damit vergeblich, in Bonn einen derartigen virtuellen Marktplatz aufzubauen. In einer entsprechenden Mail informierte der Logistik-Spezialist die Händler über diese Pläne. Sowohl die Nutzer von Allyouneed als auch Beobachter zeigten sich allerdings nur wenig überrascht. Denn der virtuelle Marktplatz Allyouneed kämpfte von Anfang an mit einer Vielzahl von Schwierigkeiten.

 

allyouneed.jpg

 

Gute Idee, schlechte Umsetzung

 

Allyouneed ging im Jahre 2010 online, damals noch unter dem Namen Meinpaket.de, zwei Jahre später erfolgte die Umbenennung und die Freischaltung der Website in ihrer heutigen Form. DHL verkündete seinerzeit, dass der Logistik-Konzern mit Allyouneed eine deutsche Alternative zu eBay und Amazon schaffen wolle. Händler aller Umsatzgrößen und Verbraucher sollten von transparenten und fairen Konditionen ebenso profitieren wie von einer unkomplizierten Handhabung der Funktionen auf dieser innovativen Plattform. Das Handelssegment Haushaltsgeräte und -artikel, Gartenbedarf und Baumarkt bildete einen Schwerpunkt des auf Allyouneed umgesetzten Warenangebots, daneben stellten Outdoor und Sport sowie Mode und Spielwaren weitere wichtige Kategorien dar. Händler zahlen für die Nutzung von Allyouneed eine monatliche Gebühr in Höhe von 40 Euro. Im Vergleich zu den übermächtigen amerikanischen Konkurrenten waren die auf Allyouneed getätigten Umsätze aber eher bescheiden: Nur geschätzte fünf Millionen registrierte Privatkunden kauften über diese Plattform Waren bei rund 3.000 registrierten Händlern.

 

Allyouneed – kein Ruhmesblatt für DHL

 

Die Verantwortlichen von DHL erklärten in dem Brief an die Händler, dass der Logistik-Konzern nicht etwa mit seinem Vorhaben gescheitert sei, einen Online-Marktplatz als Alternative zu eBay und Amazon aufzubauen. Sie behaupten, es wäre der Post-Tochter von Anfang an vor allem darum gegangen, Expertise und Erfahrungen im Online-Handel zu gewinnen, um die Bedürfnisse ihrer Logistik-Kunden besser zu verstehen. Nachdem DHL sich dieses Wissen verschafft habe, sei es nun an der Zeit, sich wieder auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren und aus dem Online-Handel zu verabschieden.

 

AllyouneedFresh wechselt den Eigentümer

 

Immerhin gelang es der Deutschen Post, den Internet-Supermarkt AllyouneedFresh zu verkaufen: Delticom, ein großer Online-Reifenhändler, übernimmt die Gesellschaft zum 31. Oktober 2018. Im Gegensatz zu Allyouneed konnte sich dieses Tochterunternehmen der Deutschen Post gut am Markt etablieren. AllyouneedFresh gilt als einer der führenden Online-Lebensmittelhändler Deutschlands. Kunden können hier Waren des täglichen Bedarfs aus einem riesigen Sortiment von mehr als 20.000 Artikeln bestellen. Über den Kaufpreis haben Delticom und die Deutsche Post Stillschweigen vereinbar. Mit dieser Akquisition baut der Delticom Konzern, der bereits die beiden Online-Händler gourmondo.de und lebensmittel.de besitzt, seine Position im Internet-Lebensmitteleinzelhandel weiter aus.

 

Amazon und eBay weiterhin konkurrenzlos

 

Aus Verbraucher- und Händlersicht ist das Ende von Allyouneed in jedem Fall zu bedauern. DHL hätte als finanzstarker Konzern durchaus die Möglichkeit gehabt, mehr aus dieser Handelsplattform zu machen. Mit konsequenten und zielgerichteten Investitionen, vor allem in die IT-Infrastruktur und die Administration, hätte das Portal in Deutschland zu einem ernst zu nehmenden Wettbewerber von eBay werden können. Doch wer die kritischen Äußerungen verfolgt, die Händler und Konsumenten während der gesamten Zeit an Allyouneed übten, erkennt, dass DHL diese Ambition wahrscheinlich nie hatte.

Die Erhebung „Digital Shopping Index 2018“, die von der Strategieberatung EY-Parthenon mittlerweile veröffentlich wurde, ergab, dass sich eBay, eBay Kleinanzeigen und Amazon zwei Drittel des deutschen Online-Umsatzes teilen. Die restlichen Online-Händler müssen sich mit sehr bescheidenen Marktanteilen begnügen.

 

Selbst die Top-Handelsplattformen, wie zum Beispiel der Onlineshop von Otto, bringen es jeweils nicht einmal auf drei Prozent des deutschen Gesamtumsatzes. Darüber hinaus ergab diese Untersuchung, dass Verbraucher in immer größer werdenden Umfang mobile Endgeräte für ihre Online-Einkäufe nutzen. Daraus folgt, dass nur noch Online-Händler eine Chance haben, die attraktive Apps anbieten. Leider ist kein deutscher Online-Händler in Sicht, der das Potenzial hat, sich im Wettstreit mit Amazon und eBay erfolgreicher zu schlagen als die bisherigen Plattform-Betreiber.

 

Fazit:

 

  • DHL muss Allyouneed schließen, weil die Handelsplattform zu geringe Umsätze generiert. Dies ist vor allem technischen Mängeln und dem nicht ausreichenden Support geschuldet
  • DHL hätte mit Allyouneed mehr erreichen können, wenn der Konzern das Projekt intensiver unterstützt hätte
  • DHL hat die Anteile an AllyouneedFresh zum 31. Oktober 2018 an einen Wettbewerber verkauft

 

Denken Sie, dass Allyouneed von Anfang an keine Chance gegen Amazon und eBay gehabt hat? Wie sehen Sie die Zukunft von AllyouneedFresh nach dem Eigentümerwechsel? Beteiligen Sie sich an unserer Diskussion!

Kommentare
von
am ‎11.11.2018 23:03

Ich frage mich immer wieder, nach welchen Kriterien Themen zu Blogbeiträgen ausgewählt werden.

Die meisten finden kein Feedback. Interessiert das die Blogschreiber nicht?

Ich kenne mich gut mit dem Unternehmen Deutsche Post Group aus.

Allyouneed kenne ich nicht und habe auch nicht viel hier erfahren.

Ich weiß nur, dass ANF an Delticom verkauft wurde, einem Online Reifenhändler.

Statt völlig unbekannte, abgewrackte , nicht an der Börse gelistetete Unternehmen vorzustellen, wäre es sinnvoller, einmal Themen und Aktien vorzustellen, die die Allgemeinheit interessieren.

Es gibt so viele interessante Themen. Am Feedback merkt man das spätestens.

Wenn`s hakt, die community fragen. Da werden Sie geholfen.Smiley (zwinkernd)