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Aktuelle Entwicklungen in der Ukraine

von ‎06.03.2014 11:30 , bearbeitet ‎24.04.2017 14:13
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Eine Übergangsregierung in Kiew, Machtdemonstrationen auf der Krim und diplomatische Krisengespräche mit internationaler Beteiligung – die Lage in der Ukraine bleibt brisant und kann sich derzeit stündlich ändern. Nicht nur deshalb soll es hier nicht die Aufgabe unseres Blogs sein, die politische Lage zu sondieren. Vielmehr möchten wir an dieser Stelle die Frage beantworten, was die Krise für die Wirtschaft in Europa bedeutet. 

 

Ukraine wirtschaftliche Entwicklungen.jpg

 

Was macht die Lage in der Ukraine so brisant?

 

Die Lage ist auch von außenpolitischen Experten sehr schwer einzuschätzen, da das Land durch ethnische Gruppen (Ukrainer, Russen und Tataren) gespalten ist, die ganz unterschiedlich auf das Engagement Europas, Russlands und der USA reagieren.

Die EU und die USA wollen die territoriale Integrität der Ukraine beibehalten, während Russland militärische Präsenz an der Grenze zur Halbinsel Krim zeigt – offiziell, um die ethnischen Russen der Region zu schützen.

 

Derzeit verhandelt die ukrainische Übergangsregierung mit dem IWF über Notkredite, um den Staatsbankrott abzuwenden. Außerdem haben die EU und die USA bereits Kredite in Millionen- bzw. Milliardenhöhe angeboten.

 

Wie hängt die Wirtschaft der Ukraine mit der Wirtschaft Europas zusammen?

 

Die EU-Mitgliedsstaaten und die Ukraine sind vor allem im Energie-, aber auch im Finanzsektor miteinander verbunden:

  • Etwa ein Viertel des in Europa verbrauchten Öls und Gases kommt aus Russland und fließt zum großen Teil durch die Ukraine. Alleine Deutschland erhält über die ukrainischen Pipelines ca. 35% seines Gases aus Russland.

  • Die ukrainische Oberschicht bevorzugt europäische Banken. Neben den geparkten und investierten Vermögen haben ukrainische Kunden auch Kredite in Milliardenhöhe.

 

Was ist in den nächsten Wochen zu erwarten?

 

Es ist davon auszugehen, dass das Wirtschaftswachstum in Westeuropa und den USA nicht von der Krise in der Ukraine beeinflusst wird, da die Ukraine eher ein kleiner Handelspartner ist. Die Pipelines, die russisches Gas durch die Ukraine transportieren, bilden dabei eine Ausnahme. Glücklicherweise sind aber derzeit die deutschen Gasspeicher durch den milden Winter gut gefüllt.

Osteuropäische Länder könnten in nächster Zeit stärker von den Entwicklungen in Kiew und der Krim betroffen sein. Das gleiche gilt für westeuropäische Banken, mit hohem Osteuropaanteil – allen voran Österreichs Banken.

 

Was bedeutet die Krise konkret für Anleger?

 

Das derzeitige, zentrale Szenario – leichte Erholung in der Eurozone und bessere Wirtschaftsdaten in den USA – wird zum jetzigen Zeitpunkt nicht von der Krise beeinflusst. Trotzdem sollte man aber Investitionen in Osteuropa und Russland vermeiden, bis die Situation besser prognostizierbar ist.

 

Wer in der aktuellen Entwicklung nach Chancen sucht, hat die Möglichkeit Marktrückgänge in Westeuropa, der Eurozone und den USA zum Kauf zu nutzen.

 

Kommentare
von
am ‎07.03.2014 11:49

Vielen Dank für diesen Blick auf die wirtschaftliche Seite der Krise. So etwas hatte ich bislang noch nicht gelesen. Die Situation ist ja wirklich unübersichtlich und die Ereignisse überschlagen sich ja gerade - da ist es gut, mal zu lesen, was die Lage dort für mich konkret bedeuten kann.

von GERRIT
am ‎07.03.2014 11:52

ja, vor allem der tipp zum schluss. daumen hoch!

von wolli
am ‎07.03.2014 15:09

vielen Dank für die Informationen.

 

wolli

 

von Ginny13
am ‎12.03.2014 23:00

Ja, das kann einem schon recht Sorgen bereiten. Dieser "lupenreine Demokrat"! Um jeden Preis einen Zugang zum Meer!

 

"Der Blick auf die kleinen Vorteile macht große Leistungen unmöglich." Konfuzius

 

Hier noch zwei Artikel, die ich recht interessant fand:

von FrancoLeone
am ‎22.07.2014 10:56

Dieser "lupenreine Demokrat" schickt den DAX zum wiederholten Male kräftig nach unten. Die Risiken bleiben - die Chancen der Erholung durch die Unternehmensberichte verpuffen, leider.