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Aktiv oder passiv?

Noch vor wenigen Jahren wussten nur wenige Anleger, was ein börsennotierter Indexfonds (ETF) ist. Inzwischen hat sich die Welt verändert. Jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat schon einmal in einen ETF investiert, berichtete gerade die Ebase nach einer Umfrage. Mehr als 60 Prozent der Deutschen könnten sich vorstellen, in den nächsten drei Jahren erneut in ETFs zu investieren. Der Durchmarsch der ETFs zeigt sich auch an den Mittelzuflüssen der Fonds. Im ersten Halbjahr 2021 flossen 16 Milliarden Euro in deutsche Aktien-ETFs, berichtet der Fondsverband BVI. Aktiv gesteuerte Aktienfonds konnten nur drei Milliarden Euro mehr anziehen. Haben also traditionelle, aktiv von einem Portfolio-Manager gesteuerte Fonds bald ausgedient?

 

Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig, doch letztendlich eindeutig. „Indexfonds oder aktive Fonds: Das ist kein Entweder-oder, beide Fondsformen haben ihre Berechtigung und ihr Einsatzgebiet“, sagt Experte Andreas Kasbauer der Consorsbank. Zudem: Bei allen Unterschieden haben ETFs und aktive Fonds einige ganz wichtige Vorteile gemein. So investieren beide immer gleichzeitig in viele Wertpapiere und streuen dadurch das Risiko. Beide sind durch einen ähnlichen gesetzlichen Rahmen geschützt, denn rechtlich gesehen handelt es sich bei beiden um ein Sondervermögen, das den Fondsanlegern auch bei einer möglichen Pleite der Fondsgesellschaft erhalten bleibt. Auch der Zugang und die Mindestanlagesumme sind bei beiden Fondstypen ähnlich niedrig.

 

„Es kommt immer auf den konkreten Anlagezweck an“, erklärt Dr. Rolf Tilmes, Professor für Finance und Wealth Management an der EBS Business School und Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland. Erst auf dieser Basis lasse sich wirklich beurteilen, ob ein aktiver Fonds oder ein ETF die bessere Wahl sei. Nach seiner Einschätzung punkten ETFs mit wertvollen Eigenschaften wie Einfachheit, Transparenz und geringen Kosten, doch vor allem in Nischenmärkten und bei speziellen Anlagestrategien seien Anleger mit aktiven Fonds oft besser bedient.

 

ETFs werden nicht ohne Grund auch als passive Fonds bezeichnet: Ihr Portfolio und ihre Wertentwicklung werden stets durch einen Index wie den Dax oder den Euro- Stoxx vorgegeben. Wer in ETFs investiert, kann deshalb nicht den Markt schlagen – was gute aktive Fonds durchaus schaffen. Dafür sind ETFs durch ihre strenge Bindung an den Index maximal transparent. Anleger können jederzeit nachschlagen, welche Wertpapiere das ETF-Portfolio enthält. Aktive Fonds gewähren dagegen meist nur einmal monatlich Einblick in das Fondsportfolio und in die Gewichtung der Wertpapiere im Fonds.

 

Unglaublich preiswert

 

„Ein entscheidender Grund für den Vormarsch der ETFs ist sicherlich ihr Kostenvorteil“, erklärt Experte Tobias Heimann der Consorsbank. Tatsächlich sind ETFs mit viel niedrigeren Gebühren belastet als traditionelle, aktiv gesteuerte Fonds. Die jährlichen Verwaltungsgebühren für ETFs liegen laut BVI meist zwischen 0,1 und 0,6 Prozent des Fondsvermögens. Für aktive Fonds kassieren die Fondsgesellschaften in der Regel zwischen 0,8 bis zwei Prozent im Jahr.

 

 „Eine niedrige Kostenquote ist wichtig, damit die Gebühren die Rendite nicht zu stark belasten“, erklärt Professor Tilmes. Gerade im Umfeld niedriger Zinsen sollten niedrige Gebühren ein Bestandteil der Investmententscheidung sein. Vor allem bei längeren Anlagezeiträumen führten niedrige Kosten aufgrund des Zinseszinseffekts zu höheren Erträgen. Wohl auch deshalb werden ETFs inzwischen immer häufiger für langlaufende Sparpläne eingesetzt. „Der ETFSparplan hat für viele das Tagesgeld ersetzt“, bemerkt Experte Tobias Heimann.

 

Die niedrigen laufenden Kosten des ETFs sind nachvollziehbar: Durch die Indexbindung ist kein Fondsmanager nötig. Das spart der Fondsgesellschaft Geld. „Das bei aktiven Fonds übliche Research, die Gespräche mit Unternehmen, das Risikomanagement – das alles kostet“, erklärt Kasbauer. Anleger müssten sich fragen: „Sind mir diese Leistungen etwas wert?“ Wer in erster Linie auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zielt, wird diese Frage wohl mit Ja beantworten – und trotz höherer Kosten zu einem aktiven Fonds greifen.

 

Einige aktiv gesteuerte Fonds haben eine beachtliche langfristige Bilanz. „Nicht alle Märkte sind effizient, Informationen sind asymmetrisch verteilt, Menschen handeln nicht rational. Dadurch ergeben sich Möglichkeiten für Überrenditen“, erklärt Experte Kasbauer. Aktiv gemanagte Fonds eigneten sich auch eher, wenn Anleger klare Marktpräferenzen hätten.

 

Letztlich heißt das: Je spezialisierter der Markt und je konkreter die eigene Vorstellung, desto eher bieten sich aktive Fonds an. Je größer und effizienter der Markt, desto mehr spricht für ETFs. Der erste Schritt für Anleger, die mit aktiven oder passiven Fonds Vermögen aufbauen wollen, ist deshalb die Entscheidung für einen Markt. Erst im zweiten Schritt steht dann die Entscheidung für aktiv oder passiv an.

 

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Die Mischung macht’s

 

Experten empfehlen häufig auch einen Mix aus ETFs und traditionellen, aktiven Fonds. Sehr effiziente Standardmärkte wie beispielsweise die US-Börse oder der europäische Aktienmarkt lassen sich preiswert mit ETFs abbilden. Diese Basisinvestments können dann ergänzt werden um Fonds, die in spezifische Regionen, Branchen oder Themen investieren oder die bestimmte Strategien und Anlagestile verfolgen, etwa Value oder Growth.

 

Vor allem wer in einen aktiven Fonds investieren will, sollte jedoch vor dem Kauf das Angebot sondieren. Leider gelingt eine überdurchschnittliche Wertentwicklung längst nicht allen aktiven Fonds. Berichte in Anlagezeitschriften oder Datenbanken der Fonds-Rating-Agenturen im Internet helfen bei der Auswahl. Auch Online-Banken wie die Consorsbank stellen auf ihren Web-Seiten solche Tools zur Verfügung. Orientierung bieten auch die Siegel beziehungsweise die Bewertungen der Fonds-Rating-Agenturen. Pflicht ist auch immer ein Vergleich der laufenden Kosten der Fonds, sowohl bei ETFs als auch bei aktiven Fonds. Teilweise sind Fonds trotz vergleichbarem Anlagefokus dennoch mit deutlich unterschiedlich hohen Kosten belastet. „Die Kostenquote darf allerdings nicht das einzige Entscheidungskriterium sein“, mahnt Experte Heimann.

 

Neben den laufenden Verwaltungsgebühren sollten Fondsanleger auch andere Kostenfaktoren im Blick behalten, beispielsweise die Kauf- und Verkaufskosten. Auch in dieser Hinsicht unterscheiden sich nämlich aktive und passive Fonds. ETFs werden wie Aktien fortlaufend an der Börse gehandelt. Daneben gibt es außerdem einen außerbörslichen ETF-Handel durch Banken und Wertpapierhäuser, zu dem teilweise auch die Online-Banken Zugang schaffen.

 

Bei Online-Instituten wie der Consorsbank sind die Handelskosten der ETFs oft sehr niedrig. Bei zahlreichen ETFs fallen sogar gar keine Kaufgebühren an. Kosten und Bedingungen unterscheiden sich jedoch von Bank zu Bank. Auch hier lohnt ein Vergleich. Aktive Fonds werden meist über die depotführende Bank bei der Fondsgesellschaft gekauft. Im Gegensatz zu ETFs fallen dabei nur beim Kauf Kosten an. Standard ist eine Kaufgebühr (Ausgabeaufschlag) von fünf Prozent der Anlagesumme. Gute Online-Banken bieten jedoch Rabatte von 50 Prozent und mehr auf den Ausgabeaufschlag. Mit der Entscheidung für den optimalen Handelsplatz müssen sich Anleger meist nicht selbst herumschlagen: OnlineBanken haben oft den günstigsten Weg in ihrer Ordermaske schon voreingestellt.

 

Die Stärken traditioneller Fonds

 

  • Gute aktive Fonds können Renditen erwirtschaften, die weit über dem liegen, was der Gesamtmarkt schafft.
  • Aktive Fonds können flexibel auf Marktentwicklungen reagieren, das Anlagerisiko steuern und lukrative Schwerpunkte setzen.
  • Versierte Portfolio-Manager können von asymmetrischen Informationen und von ineffizienten Märkten profitieren.

 

Die Stärken der Indexfonds (ETFs)

 

  • Mit ETFs sichern sich Anleger zuverlässig fast die gesamte Rendite, die ein Markt bzw. Index liefert.
  • Indexfonds glänzen mit hoher Transparenz: Anleger wissen jederzeit, welche Wertpapiere das ETF-Portfolio enthält.
  • ETFs zählen zu den preiswertesten Anlageprodukten. Kauf- und Verkauf sind preiswert, die laufenden Kosten meist sehr niedrig.

 

Tipp

 

Fonds preiswert kaufen

 

  • Traditionelle Fonds kaufen Anleger am besten über ihre Bank oder ihren Broker direkt bei der Fondsgesellschaft. Bei guten Online-Banken gibt es oft mindestens 50 Prozent Rabatt auf die Kaufgebühr (Ausgabeaufschlag).

Hier geht’s zum Fonds-Angebot der Consorsbank!

 

 

  • Indexfonds (ETFs) werden wie Aktien über die Börse ge- und verkauft, wobei jeweils Gebühren anfallen. Vor allem bei Online-Banken sind die Ordergebühren sehr niedrig, wenn bestimmte Börsen oder Handelsplattformen gewählt werden.

Hier geht’s zum ETF-Angebot der Consorsbank!

 

 

 

Die Artikel-Serie „Vermögen aufbauen & erhalten“ ist im Wirtschaftsmagazin FOCUS-MONEY erschienen in den Ausgaben 45/2021, 46/2021, 47/2021 und 49/2021.